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Die Bachstraße sollte ausgebaut werden. Doch der Mehrheit der Anwohner sind die Kosten zu hoch.

Gemeinderat stoppt Projekt

Günzlhofener rebellieren gegen Straßenausbau

Um die Bachstraße im Oberschweinbacher Ortsteil Günzlhofen, die eigentlich nur ein Kiesweg ist, wird gestritten. Grund sind die extrem gestiegenen Kosten für den geplanten Ausbau – der nun auf Eis liegt.

GünzlhofenDer vorgesehene Erstausbau, der zu 90 Prozent auf die Grundeigentümer umgelegt wird, ist innerhalb eines Jahres um 65 Prozent teurer geworden. Statt 207 000 stehen plötzlich 342 000 Euro im Raum. Das will ein Teil der Anwohner nicht hinnehmen. In der aktuellen Viertelstunde im Gemeinderat hatten nun die Anwohner die Möglichkeit, sich zu äußern. Eine Sprecherin der Nachbarn nannte den Preisanstieg „schwer nachvollziehbar“. Schon zuvor hatten Anwohner an Bürgermeister Norbert Riepl (DG/CSU) eine Unterschriftenliste übergeben, in der um Aussetzung des Projektes gebeten wurde. Doch nicht alle sind für eine Verschiebung – ein Befürworter des Ausbaus ist nach wie vor Michael Rosenheimer, der seit 35 Jahren dort wohnt.

Probebohrungen zeigen, dass der Boden problematisch ist

Im Gemeinderat wurde vom zuständigen Ingenieurbüro das Bauvorhaben erläutert. Wie vier Probebohrungen und das abschließende Gutachten ergeben haben, ist der Untergrund problematisch. Deshalb müsse wesentlich mehr ausgehoben werden als ursprünglich gedacht, nämlich einen Meter tief. Und der entnommene Kies kann nicht wieder eingebaut, sondern muss entsorgt werden. Das sei der Grund für den extremen Kostenanstieg.

Andreas Marschner (BV Günzlhofen) wollte wissen, ob das Ingenieurbüro schon öfter auf solch schwierigen Boden getroffen sei. „Definitiv ja“, lautete die Antwort.

Riepl erkundigte sich, ob ein nicht satzungsgemäßer Ausbau mit der Gemeinde als Allein-Finanzierer eine mögliche Alternative wäre. Der Ingenieur nannte dies ein „großes Pokerspiel“. Man sei sich bewusst, dass es eine Gratwanderung ohne Gewährleistung wäre, so Riepl.

Anlieger votierten vor einem Jahr klar für den Ausbau

Diese Richtung wollte das Gremium aber nicht weiter verfolgen. „Am Ende kriegen wir noch eine Klage, weil wir Mist gebaut haben“, gab Johannes Heitler (DG/CSU) zu bedenken. Wenn die Mehrheit der Anwohner nicht mehr für den Ausbau der Bachstraße sei, könne er auch nicht zustimmen. Auch Vize-Bürgermeister Lutz Rosenbaum (BV Günzlhofen) meinte: „Entweder wir bauen richtig oder wir lassen es so, wie es ist.“

Sollte die Straße indes erst nach dem 1. April 2021 ausgebaut werden, gilt laut Gesetz die 90/10-Regel nicht mehr. „Dann hätten wir 60/40“, sagte Riepl. Er betonte noch einmal, dass es bei der Anliegerversammlung vor einem Jahr ein klares Votum für den Ausbau gegeben hat. „Jetzt ist es genau andersrum.“ Doch das sei ohnehin nur eine Orientierungshilfe und nicht bindend für den Gemeinderat.

Marschner schlug vor, mit dem Ausbau bis 2021 zu warten, auch wenn dann der Gemeindeanteil höher sei. Nach eineinhalbstündiger Diskussion meinte Riepl: „Keiner hier wird sich richtig wohlfühlen mit der Entscheidung, die wir heute treffen.“ Am Ende votierte nur Diana Wolf (FW Miteinander) für den Ausbau der Bachstraße, der Rest des Gremiums war dagegen.

Jetzt droht ein Unternehmer mit Geldentzug

„Ziemlich sauer“ ist Michael Rosenheimer, Chef des Mammendorfer Instituts für Physik und Medizin. Er hatte sich für den Ausbau stark gemacht. Nach 35 Jahren wolle er einfach nur eine Anliegerstraße, die halbwegs dem Stand der Technik entspreche.

„Keiner schreit Hurra, wenn es um so viel Geld geht“, sagte Rosenheimer im Tagblatt-Gespräch: „Ich auch nicht. Aber das gehört endlich gemacht. Eigentum verpflichtet.“ Man hatte ja schließlich eine Mehrheit seitens der Anwohner, die sich für den Ausbau ausgesprochen hat. Seiner Ansicht nach sei dies für den Gemeinderat bindend, auch wenn sich die Bedingungen geändert haben.

Die Aussetzung nannte er hingegen „absolut kontraproduktiv“. Rosenheimer: „Jetzt geht es wieder von vorne los.“ Das nun wieder nichts passiert, brachte Rosenheimer derart auf die Palme, dass er ankündigte: „Wir werden unsere Einkommensteuer künftig in den USA bezahlen, da meine Gattin und ich Green-Card-Inhaber sind.“ Auch was sein soziales Engagement angehe, werde er das ganz sicher nicht mehr in der Gemeinde erbringen

von Stephanie Hartl

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