Anstoßen mit alkoholfreiem Hollundersekt: Gabriele Auracher (hinten li) und Mitarbeiterin Rosi Loher mit Johannes und Benedikt Hartl. Die beiden kamen donnerstags in den Hofladen, um die bestellte Frischmilch abzuholen.

In Oberschweinbach-Spielberg

Kein Nachfolger: Hofladen macht dicht

Oberschweinbach - Und wieder schließt ein kleines Geschäft auf dem Dorf für immer seine Türen: Aurachers Hofladen macht zu. Für immer, denn ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Ein Interessent war am Ende doch abgesprungen. Schluss, aus, Ende nach 17 Jahren.

 Allos, byodo, Demeter, La Selva. Wer sich in Sachen Bio auskennt, für den sind diese Firmennamen keine Fremdwörter. Und wer in Aurachers Hofladen einkaufen ging, fand fast ausschließlich Bio-Produkte. Bis auf Eier und Nudeln, die auch von einem Hof stammen, aber nicht von einem Bio-Hof. Die beiden einzigen Ausnahmen in dem kleinen Dorfladen in der Klosterstraße in Oberschweinbachs kleinstem Ortsteil Spielberg.

 Als das Ehepaar Gabriele und Herbert Auracher Mitte der 90er-Jahre den Plan fasst, eine Apfelplantage anzulegen, eine Kelterei zu eröffnen und das Obst sowie den so produzierten Saft in einem eigenen Hofladen zu verkaufen, müssen noch zwei Jahre an Planung und Vorbereitung vergehen, bis es endlich soweit ist. „In dieser Zeit hab ich viel gelesen und gelernt“, erinnert sich Gabriele Auracher. Und diese intensive Zeit der theoretischen Vorbereitung war nötig, wie sich später herausstellen sollte. „Es steckt so viel Arbeit in diesem Laden drin, auch sehr, sehr viele Stunden im Büro.“ 1997 wurden die Apfelbäume gepflanzt, zwei Jahre später Kelterei und Hofladen eröffnet. Anfangs gab es nur Saft und Äpfel zu kaufen, erinnern sich die Aurachers.

Als Ehefrau Gabriele bei einem Seminar des Bauernverbandes Landwirte vom Bodensee trifft, die Schnaps selber brannten und verkauften, reifte die Idee, aus dem eigenen Obst ebenfalls Schnaps machen zu lassen. Das erste Produkt war ein Apfelbrand. Später kamen weitere Schnapssorten und Liköre dazu. Auch das Saft-Angebot wurde erweitert, Neben Äpfeln reiften nun Kirschen, Birnen, Zwetschgen, Johannisbeeren und Mirabellen auf der knapp drei Hektar großen Plantage heran. Rund eineinhalb Tonnen Äpfel transportierte das Ehepaar inzwischen Richtung Bodensee zum Brennen. Die Ausbeute: 50 Liter reiner Schnaps. Trinkfertig verdünnt wurden etwa 120 Liter draus, die im Laden landeten. „Der große Reibach war das allerdings nicht“, schmunzelt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Aber es machte den Namen Auracher noch bekannter. Zwei Jahre nach der Eröffnung musste der Laden erweitert werden. „Es wurde einfach alles zu klein“, erinnert sich Gabriele Auracher. Nach und nach erweiterte sie auch das Sortiment. „Wir haben das immer an die Kundenwünsche angepasst.“ Mehl, Zucker, Gewürze, Öl, Müsli, Schokoriegel, Kaffee, später dann Frischmilch und Milchprodukte, Wurst, Käse und vieles mehr. Auch Geschenkartikel, Kochbücher und Geschirr kamen dazu. „Alles, was zum Landleben passt“, sagt die ehemalige Hofladen-Chefin. Viele Jahre gab es auch Selbstgebackenes zu kaufen.

 Torten, Kuchen und frisches Schmalzgebäck wanderte über die Ladentheke. Bis vor sechs Jahren. Damals starb Gabriele Aurachers Mutter, die immer fleißig mitgeholfen hatte. Ohne ihre Hilfe waren Backen und den Laden schmeißen trotz tatkräftiger Unterstützung der Angestellten Rosi Loher einfach nicht mehr zu bewältigen. Stattdessen lieferte ein Bäcker Waren für den Hofladen, der an drei Tagen geöffnet hatte. Doch jetzt war für die Aurachers der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen unter dem Kapitel Hofladen. „Mir geht die Kraft einfach aus“, sagt Gabriele Auracher. Und genügend Arbeit mit ihrem Apfelgarten, der Ernte, der Kelterei und der Landwirtschaft haben sie und ihr Mann allemal. Außerdem sind sie seit fast 30 Jahren auf dem Brucker Bauernmarkt vertreten, das wollen sie auch weiterhin machen. Für Tränen oder Wehmut blieb am letzten Tag des Hofladens indes keine Zeit, muss Gabriele Auracher im Nachhinein fast ein wenig verdutzt feststellen. „Es war noch so viel zu erledigen. Aber die Kunden waren echt traurig, dass wir zu machen.“ Vielleicht, so hofft sie, bleibt nun etwas mehr Zeit für ihren geliebten großen Garten. Doch missen möchte sie ihre Jahre als Hofladen-Besitzerin auf keinen Fall. „Es wurde viel gelacht hier drin und ich bin nie unzufrieden gewesen.“ So geht’s weiter Jeden ersten Samstag im Monat verkauft Gabriele Auracher weiter Saft und Äpfel. Erster Termin für die Apfelannahme ist heuer Samstag, 10 September, 9 bis 14 Uh

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