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Ein wieder hergestelltes Stück Ortsgeschichte: die sogenannte Klostertrommel, eine Drehvorrichtung, mit deren Hilfe die Klosterschwestern von Spielberg trotz strenger Klausur Gemüse, Obst und Pflanzen verkaufen konnten. Der Vorsitzende des Fördervereins, Marc Koch, zeigt die Außenseite, an der die Bürger ihre Bestellungen aufgaben und entgegennahmen

Verkauf trotz strenger Klausur

Die Klostertrommel - ein Trick der Nonnen von Spielberg

Der Förderverein Klosterhof in Spielberg hat ein Relikt aus alten Tagen restauriert: die Klostertrommel. Damit wurde seinerzeit der Verkauf von Pflanzen zwischen Klosterschwestern und Bürgern abgewickelt – wortlos und ganz ohne Sichtkontakt. 

Oberschweinbach Dort im Garten wurden Obst und Gemüse angebaut, Pflänzchen und Setzlinge gezogen. Doch die Klosterschwestern des Franziskanerordens, die diese Arbeit verrichteten, lebten in strenger Klausur hinter Klostermauern. Sie gehörten zum sogenannten Regulierten Dritten Orden des Heiligen Franziskus. Ihr Klausurgelübde war mit einem Sicht- und Sprechverbot verbunden.

Kontakt zu den Bürgern gab es für die Gartenschwestern also keinen. Doch der Pflanzenverkauf brachte dem Kloster dringend benötigte Einnahmen. Dank der Klostertrommel konnte der Handel über die Bühne gehen – und er florierte.

Neben der Kajetankapelle im Kloster Spielberg, das zur Gemeinde Oberschweinbach gehört, ist eine Drehtrommel in die Mauer eingelassen. Daneben hängt eine Glocke. Wer damals Pflänzchen, Setzlinge oder ähnliches von den Schwestern kaufen wollte, läutete die Glocke, legte den Bestellzettel und das Geld in die Trommel und drehte diese auf die andere Seite, also die Innenseite der Klostermauer. Dort nahm die Gartenschwester die Bestellung entgegen. Nach einiger Zeit kamen die Ware und das Restgeld auf demselben Weg zurück, durch die Hand der Gartenschwester – aber ganz ohne persönlichen Kontakt, so wie es das Gelübde verlangte.

Dieter Utikal, Gründungsmitglied des Fördervereins Spielberg, steht im Klostergarten auf der Seite, auf der die Gartenschwester die Ware hineinlegte. Mit der Klingel gab die Nonne das Signal, dass der weltliche Kunde die Öffnung wieder zu sich herdrehen konnte.

Um das Jahr 1900 wurde die Spielberger Klostertrommel erbaut, inzwischen hatte der Zahn der Zeit dem Holz arg zugesetzt. Dieter Utikal, Gründungsmitglied des Fördervereins Klosterhof, hatte daher bei einer Versammlung den Antrag gestellt, die Trommel renovieren zu lassen. „Das war ja immer unser Interesse: das Kloster und alles drum herum zu erhalten und der Bevölkerung zugänglich zu machen.“

Ein Stück Vergangenheit sollte so wieder zu neuem Leben erweckt werden. Denn vor 16 Jahren haben die letzten Franziskanerinnen Spielberg verlassen und sind ins Mutterhaus nach Reutberg gezogen. Knapp 2000 Euro hat es sich der Verein nun kosten lassen, eine neue Trommel vom Fachmann zu bauen und wieder einsetzen zu lassen.

Natürlich gibt es auch eine waschechte Lausbubengeschichte aus der Zeit

Alteingesessene Spielberger erinnern sich noch gut an den schweigenden Handel mit den Klosterschwestern. Und eine waschechte Lausbubengeschichte dazu gibt es natürlich auch. Zwei ganz vorwitzige und kühne Buben hatten sich nämlich vorgenommen, einmal einen Blick ins Innere des Klostergartens und auf die Gartenschwester zu erhaschen, die nie jemand von außerhalb zu Gesicht bekam. Sie heckten einen waghalsigen Plan aus.

Einer der Buben setzte sich in die Trommel, der zweite sollte die Glocke läuten und die Trommel samt Spezl drehen, sodass dieser sehen konnte, was niemand sonst zu Gesicht bekam. Gesagt, getan. Als die Gartenschwester aber den Knaben entdeckte, erschrak sie und schrie laut auf. Daraufhin lief der Bub, der fürs Drehen der Trommel zuständig war, davon und sein Spezl war in der Trommel gefangen. Denn selbst zurückdrehen konnte er sich nicht.

In der Folge musste der Lausbub beim Herrn Pfarrer antreten. Vermutlich hat ihm der Geistliche eine saftige Standpauke gehalten und er soll ihm außerdem zur Auflage gemacht haben, sich als Ministrant zu melden. Der Bub wurde der dörflichen Überlieferung nach dann tatsächlich der jüngste Ministrant in Spielberg.

Stephanie Hartl

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