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Der Limonaderer von Oberschweinbach ist gestorben: Michael Wolf wurde 86 Jahre alt

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Von: Ulrike Osman

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Michael Wolfist mit 86 Jahren verstorben. © os

Der Begriff „Limonaderer“ ist aus dem Sprachgebrauch weitgehend verschwunden, doch wer ihn hört, weiß sofort, was gemeint ist – ein Fachmann, der Limonaden herstellen kann.

Oberschweinbach  Nicht immer kamen die fruchtigen, spritzigen Getränke aus großen Fabriken. Es gab auch kleinere, regionale Betriebe, die von den Kunden oft besonders geschätzt wurden. Einen solchen führte Michael Wolf, der Limonaderer von Oberschweinbach.

Es war immer klar, dass dies sein Weg sein würde. 1932 wurde der Oberschweinbacher in eine Getränkefabrikation hineingeboren, die sein Vater vier Jahre zuvor gegründet hatte. Die Mutter betrieb einen Gemischtwarenladen. Michael Wolf absolvierte nach der Schule eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und anschließend Kurse für Limonadenherstellung. Sie führten ihn weit weg von daheim, nach Bayreuth und Berlin.

Michael Wolf war der Limonaderer von Oberschweinbach

Doch sein Ziel war immer, den elterlichen Betrieb zu übernehmen – was auch von ihm erwartet wurde. „Mein Vater lebte für seine Familie und den Familienbetrieb“, sagt Tochter Eva Wolf. „Er hat nie auch nur erwähnt, dass er gern etwas anderes gemacht hätte.“

1962 feierte Michael Wolf Hochzeit mit seiner Elfriede. Sie stammte aus Niederbayern und brachte frischen Wind ins Haus. 56 Jahre gingen die beiden gemeinsam durchs Leben, bekamen zwei Töchter und einen Sohn. Seinen Betrieb baute der Limonaderer sukzessive aus. Es gab eine automatische Abfüll-, eine Etikettier- und eine Flaschen-Waschanlage – beste Voraussetzungen für die Herstellung der eigenen Wolf-Getränke. Zweimal in der Woche wurde produziert, während der restlichen Zeit fuhr ein Team von Fahrern die Getränke aus. Auch der Chef saß jeden Vormittag, jeden Nachmittag und jeden Samstag hinterm Steuer seines Lieferfahrzeugs.

Familienbetrieb von Michael Wolf: „Immer mit einem Lächeln im Gesicht“

Zu seinen Angestellten pflegte er ein fast schon familiäres Verhältnis. Jeden Mittag gab es ein gemeinsames Essen mit der Familie und den Fahrern. Bei der Limonadenherstellung half ein Stamm treuer Mitarbeiterinnen aus dem Ort und dem Nachbardorf. Freizeit gab es wenig im Leben von Michael Wolf, Urlaub schon gar nicht. Einzig der Freitagabend bei den Hubertus-Schützen stand unverrückbar im Kalender, ebenso wie der Kirchgang am Sonntag.

Im Ort mochte man den „Michl“ wegen seiner freundlichen, warmherzigen Art, die Vereine schätzten seine Großzügigkeit. In den Vordergrund drängte er sich nie. Tochter Eva beschreibt ihren Vater als „eher leise als laut, und immer mit einem Lächeln im Gesicht“. Es freute Michael Wolf, dass sein Sohn den Betrieb in der dritten Generation übernahm. Er selbst spürte in den letzten Jahren, dass seine Kräfte nachließen. Trotzdem kämpfte er tapfer gegen eine mehrmonatige schwere Erkrankung. „Er hat der Familie und sich selbst Zeit gegeben, Abschied zu nehmen“, sagt seine Tochter. Glücklich war Michael Wolf bis zuletzt über die schönen gemeinsamen Zeiten mit seinen drei Enkelinnen. Er wurde 86 Jahre alt. 

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