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Rundgang mit Försterin

Der Vorzeigewald von Oberschweinbach

Er ist einer der vier Vorzeige-Wälder in der Region: der Wald der Gemeinde Oberschweinbach. Während vielerorts im Forst nur Fichten zu finden sind, wurde der „Schimmeoach“ über Jahrzehnte hinweg zum Mischwald umgebaut. Das Tagblatt war bei einem Rundgang dabei.

Oberschweinbach Angefangen hat bei diesem Wald im Westen des Landkreises alles in den 1990er-Jahren. Damals war es noch recht ungewöhnlich, was in Oberschweinbach vorgeschlagen wurde. Und dennoch wurde es verwirklicht.

„Heutzutage hat man ein Verständnis dafür entwickelt, dass ein reiner Fichtenwald keine Zukunft hat“, berichtet Johannes Heitler, Gemeinderatsmitglied und zuständiger Referent. Sein Vorgänger hatte seinerzeit den Grundstein gelegt: Josef Zeller hatte laut Heitler „ein offenes Ohr für Umweltthemen“. 1990, nachdem die ersten großen Stürme – „Wiebke“ und „Vivian“ – große Schäden hinterlassen hatten, wurde deutlich, dass eine ausschließliche Fichtenbepflanzung keine Zukunft hat. Zudem befällt der Borkenkäfer bevorzugt Fichten, vor allem beschädigte Bäume, und kann in kurzer Zeit sehr große Schäden anrichten. Wird er nicht rechtzeitig entdeckt, breitet sich der Käfer rasend schnell aus. Ist er erst einmal im Holz, ist nichts mehr zu machen – und es bleibt nur noch das Fällen.

In Oberschweinbach wurden früh die Weichen gestellt. „Das war damals der richtige Weg. Deshalb findet man hier auch eine viel bessere Situation, als in anderen Kommunalwäldern“, betont Anita Ottmann, die zuständige Revierförsterin. Es wurde rechtzeitig mit der Umstellung begonnen. Ideal wäre eine Mischung von 50 Prozent Fichte mit 50 Prozent Laubbäumen, wie Eiche, Ahorn, Buche, Erle und auch Douglasie. Im Oberschweinbacher Gemeindewald hat man dieses Verhältnis fast erreicht.

Nach und nach wurden Flächen freigeschlagen, Jungbäume gepflanzt. Manchmal gab es Rückschläge – Stichwort Eschensterben. Damals breitete sich ein Pilz aus, man konnte nichts dagegen tun. Auch der starke Wildverbiss an den jungen Pflanzen sorgte für Kopfzerbrechen. Mittlerweile werden neu angepflanzte Flächen eingezäunt, um die Bäume vor den Wildtieren zu schützen. Zudem muss der starke Wuchs der Brombeere kontrolliert werden. „Freitreten“ ist hier angesagt. „Das ist besser als zurückschneiden“, erklärt Försterin Anita Ottmann.

Damit der Oberschweinbacher Wald auch weiterhin eines der Prunkstücke bleibt, treffen sich Bürgermeister Norbert Riepl, Referent Johannes Heitler und Anita Ottmann mindestens zweimal im Jahr im Wald. Mit dabei sind die Waldbegeher. Konrad und seine Söhne Robert und Christian Staffler haben sich seit vielen Jahren mit Leib und Seele dieser Aufgabe verschrieben. Wenn sie unterwegs sind, mindestens zu zweit, geht es durch den Wald, im Abstand von etwa zehn Metern. Rund zwei Stunden dauert der Kontrollgang, im Sommer geht es alle zwei Wochen raus.

Der Jungbestand wird kontrolliert – vor allem, ob sich irgendwo der Käfer eingenistet hat. Dann ist schnelles Handeln angesagt. Der Baum wird markiert und vom Experten untersucht. Ist der Verdacht bestätigt, wird gefällt. „Wenn man nicht aufpasst, ist schnell der ganze Wald befallen“, sagt Konrad Staffler.

Früher gab es mal hier und da einen Käferbaum. Mittlerweile ist der Parasit viel häufiger geworden. Deshalb muss man besonders aufmerksam sein, wenn die Witterung für Käfer günstig ist, sprich wenig Regen, hohe Temperatur. Auch nach Windbruch ist die Gefahr größer, dass der Borkenkäfer sich einnistet.

Im Frühjahr gab es vier Gefahrenstellen im Oberschweinbacher Wald. Durch rechtzeitiges Eingreifen blieb es aber dabei, ein weiteres Ausbreiten wurde verhindert.

Johannes Heitler betont, wie wichtig das frühe und schnelle Vorgehen seinerzeit für den heutigen Bestand des Gemeindewaldes war: „Unser Vorteil ist, dass rechtzeitig erkannt wurde, dass man sich gegen Klimawandel und Erderwärmung wappnen muss.“ (gog)

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