Jubiläum des VSST Günzlhofen

Wie ein Sportverein Schlagzeilen machte

Der Sportverein Günzlhofen-Oberschweinbach blickt auf 50 Jahre voller Aktivitäten zurück. Die Geschichte zeigt nicht nur die Entwicklung des Vereins, sondern auch, weshalb er einmal Schlagzeilen machte. Das alles soll nun ab dem morgigen Donnerstag gebührend gefeiert werden.

Günzlhofen – Endlich ist es soweit: Vier Tage lang feiert der Sportverein sein 50-jähriges Bestehen. Den Anfang macht der Festabend mit Ehrungen am Donnerstag (siehe Kasten). Mario Küpper, Vorsitzender seit April 2018, und sein Planungs-Team hoffen vor allem auf eines: gutes Wetter. Küpper: „Damit steht und fällt unser Fest.“ Das Wochenende steht ganz im Zeichen von König Fußball.

Der Wunsch nach einem Sportverein war schon in den 50er-Jahren entstanden. Damals konnten die Kinder an den schulfreien Nachmittagen mit Betreuern sporteln – allerdings nur auf abgemähten Wiesen und Dorfstraßen. 1956 wurde ein Behelfs-Sportplatz errichtet. 1967 taten sich 25 Jugendliche mit Josef Pichler und Hanni Schmidt zusammen – auf Anregung des damaligen Schulleiters Herrmann Well. Dies gilt als die eigentliche Geburtsstunde des VSST. Aufgrund, wie es in der Festschrift heißt, „mannigfachen Schwierigkeiten kam die Sache aber nicht voran“. Die offizielle Gründungsversammlung fand dann erst im August 1968 statt, zwei Wochen danach genehmigte der Bayerische Landessportverband (BLSV) die Satzung. Erster Vorstand wurde Albert Well.

Bürger wolltenKegelbahn haben

Zunächst gab es eine Tischtennis-Abteilung und die Tanzgruppe unter der Leitung von Hanni Schmidt, ein Jahr später wurde ein Sportplatz errichtet und es fand Gymnastik für Frauen und Männer statt. Diese Gruppe trainierte im Gymnastikraum der Schule, denn eine Turnhalle gab es damals noch nicht. Fußball wurde im Verein ab 1970 angeboten, Handball wurde damals ebenfalls gespielt, erst auf dem Großfeld, dann auf dem Kleinfeld.

Meistertitel wurden gefeiert, trainiert wurde der VSST anfangs von Herwig Findeis, der 1972 vom TuS Fürstenfeldbruck gekommen war. Die Abteilung löste sich aber 1986 auf. 1973 wurde die Turnhalle gebaut. Der Verein steuerte 100 000 D-Mark dazu bei. Eine Kegelbahn wurde ein Jahr später errichtet, nachdem eine Bürgerbefragung eine satte Zustimmung von 94 Prozent ergeben hatte. Die Kegler erreichten ihre Hochphase in den 90ern, doch 2013 mussten alle Teams abgemeldet werden.

Das Tagblatt berichtet damals über die „Verletzungsseuche“, die das Ende des Lebenswerks von Kegel-Legende Rudi Thurner mit der Auflösung aller Teams markierte. Volleyball gibt es beim VSST seit 1992, Theater wird seit 1976 gespielt.

Die Abteilung, die seit Anbeginn ununterbrochen aktiv ist, ist Gymnastik. Auch die Männer waren hier am Schwitzen, hielten es jedoch eher mit Zirkeltraining als mit Gymnastik. Nach einem Gaudi-Fußball-Turnier war nach ein paar Jahren Flaute richtig Schwung in die Abteilung gekommen, vor allem während der Aerobic-Welle der 80er-Jahre.

Tanzen in der Hallebei Disco-Licht

Bis heute leitet Ingrid Pichler die Übungsstunden, inzwischen ist sie als Trainerin fast 30 Jahre dabei. 2012 erreichte das Zumba-Fieber auch Günzlhofen, teilweise tanzten 50 Teilnehmer in der Halle bei Disco-Licht. Yoga ist ebenfalls ein fester Bestandteil. Basketball gibt es seit fast zwei Jahren – als Freizeitangebot, nicht im Spielbetrieb. Die größte Abteilung ist natürlich Fußball. Nach dem Krisenjahr 1997, als man bis in die C-Klasse abgestürzt war, formierte sich ein Förderkreis, die Biermösl spielten vor 600 Fans in der Halle und die Stadionzeitung wurde neu belebt. Jahreskarten, Bandenwerbung und Pauseneinlagen sorgten dafür, dass es auch finanziell wieder aufwärts ging.

Inzwischen kicken in der Jugendabteilung 75 Kinder mit 13 Trainern in sechs Teams. Die größte Schlagzeile gab es übrigens 1974 – der VSST schaffte es sogar in die Bild-Zeitung. Der Verein bekam vom damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel eine Medaille als sportlichste Gemeinde Bayerns überreicht. Denn jeder zweite Bürger war damals beim VSST als Sportler aktiv.

Bei allen Höhen und Tiefen des VSST, der Verein ist ein fester Bestandteil im Gemeindeleben. Der Ehrenvorsitzende Klaus Wenger schrieb in seinem Grußwort in der Festschrift: „Der VSST ist aus der Gemeinde nicht mehr weg zu denken.“ Steffen Enzmann, Kreisvorsitzender vom BLSV, sagt in seinem Grußwort: „Es ist erstaunlich, was aus einer Spielschar entstehen kann.“ (gog)

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