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Pfarrer Alois Bendert war beliebt in Günzlhofen.

Zum 35. Todestag von Alois Bendert

Erinnerung an einen beliebten Pfarrer

Sein Todestag jährte sich vor kurzem zum 35. Mal, doch vergessen ist er nicht: Die alteingesessenen Bürger denken immer noch gerne an ihren Pfarrer Alois Bendert. Ein Gedenkstein an der Kirche in Günzlhofen (Gemeinde Oberschweinbach) erinnert an den beliebten Priester.

Archivar Stefan Pfannes half bei der Spurensuche.

Günzlhofen – Das Tagblatt hat sich mithilfe des Archivars Stefan Pfannes auf Spurensuche begeben. Bendert übernahm kurz nach Kriegsende die Pfarrei und führte sie bis zu seiner Resignation – dem Verzicht auf das Priesteramt – 1978. Vier Jahre später starb er im Alter von 79 Jahren.

Der gebürtige Münchner war nach seiner Priesterweihe 1929 zunächst Kaplan in Mittenwald, Rott am Inn und Seeon, ehe er seine erste Pfarrei in Esting übernahm. 1936 war das damals eine Aufbaugemeinde, wie die Erzdiözese in dem Nachruf schreibt. Nach einem Jahrzehnt „schwieriger Zeit und verfolgt durch die Schikanen der NS-Herrschaft“ kam er nach Günzlhofen.

Zuvor hatte er in Emmering gewirkt, wo nach Kriegsende ein Lager mit 36 000 Kriegsgefangenen eingerichtet worden war. Er setzte sich mit der Besatzungsmacht auseinander und kämpfte für eine bessere Versorgung der Gefangenen.

Auch in Günzlhofen, seinem nächsten Aufgabenbereich, waren die Nachwehen des Krieges zu spüren, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in Emmering. Im Pfarrhaus waren 36 Heimatvertriebene, etliche aus dem Sudetenland, untergebracht. Einen von ihnen, eine fünfjährige Vollwaise namens Rudi, adoptierte Pfarrer Alois Bendert. Viele Vertriebene ließen sich am Ort nieder.

Wehe, er erwischte jemanden beim Obst-Klau

St. Margareta war 33 Jahre lang Benderts Pfarrei.

Pfarrer Alois Bendert war in Günzlhofen nicht nur für die Gottesdienste und das Seelsorgerische zuständig, sondern bewirtschaftete auch den Hof, der zur Pfarrei gehörte. Dora Huber, die auf dem Bauernhof gegenüber aufgewachsen ist, erinnert sich: „Das war der größte Bauernhof am Ort.“ Auch Milchkühe gehörten dazu. Und Bendert packte stets kräftig mit an. „Wenn’s im Sommer recht heiß war, hat sich der Pfarrer immer ein weißes Tuch um den Kopf gebunden“, weiß die heute 65-Jährige.

Bendert war auch ein leidenschaftlicher Imker und hatte prächtige Birnen und Zwetschgen an den Bäumen hängen. Einmal hatten sich zwei junge Burschen in einem unbeobachteten Moment auf das Bienenhaus gewagt. Denn von dort aus konnte man die schönsten Früchte erreichen. Doch sie hatten Pech: Der Pfarrer kam nämlich unerwartet in den Garten und machte sich an die Arbeit. Die Burschen mussten sich flach auf das Dach des Bienenhauses, das heute übrigens noch an einer anderen Stelle im Ort steht, drücken und ausharren, bis die Luft wieder rein war. „Wie lange das gedauert hat, weiß ich aber nicht mehr“, erzählt Dora Huber.

Ein Gedenkstein an den Mauern der Kirche in Günzlhofen erinnert an Pfarrer Alois Bendert, der 1945 in den kleinen Ort kam.

Wurde man beim Obst-Klau erwischt, wurden einem allerdings die Ohren lang gezogen. So hat es die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marianne Neumayr gehört. Das war auch die Strafe, wenn die Buben im Religionsunterricht Ärger machten. Da wurde das Ohrwaschl aber noch zusätzlich verdreht. Mädchen wurden als Strafe vor die Tür des Schulzimmers geschickt – fast noch schlimmer für die Gescholtenen, denn wenn der Schuldirektor Hermann Well vorbeikam, gab es noch eine Standpauke obendrauf.

Aber eigentlich war er gutmütig und nett, der Herr Pfarrer. „Stets ausgeglichen und immer um Versöhnung bemüht, wenn es Streit gab“, erinnert sich Marianne Neumayr, die von ihm 1969 getraut wurde. So hat er auch gerne Witze erzählt und den Kindern nach den Sommerferien in einem Lichtbildervortrag Aufnahmen von seinem Urlaub gezeigt. Den verbrachte er stets in seinem Häuschen im Bayerischen Wald. Außerdem konnte er mit einem Streichholzschachterl Fliegen fangen, berichtet Dora Huber. „Das hat er uns auch versucht beizubringen.“

Pfarrer gab Rat in medizinischen Fragen

Wenn am Ort jemand krank wurde, zog man oft den Pfarrer zu Rat. „Er hatte ein sehr großes medizinisches Wissen“, betont sie. Als sie und ihre Schwestern Keuchhusten hatten, empfahl er der besorgten Mutter Waldspaziergänge und einen Tee aus Märzenveilchen. Nach 33 Jahren in der Pfarrei in Günzlhofen zwang Bendert schließlich eine Nierenoperation und ein schweres Augenleiden dazu, um Resignation zu bitten. Also um Verzichtserklärung auf sein kirchliches Amt. Seinen Ruhestand verbrachte er in Saulgrub. Doch lange sollten ihm diese ruhigen Tage nicht vergönnt sein. Bei den Franziskanerinnen im Kloster Spielberg verstarb er. Sein Todestag war zugleich sein Geburtstag.

von Stephanie Hartl

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