Wie eine aktualisierte Verfilmung der Weihnachtsgeschichte

Die Odyssee einer syrischen Familie

Egenhofen – Eine sechsköpfige syrische Familie wollte eigentlich nur eine Wohnung in Unterschweinbach beziehen. Einfach war dabei aber gar nicht.

Es war eine Szene, die in eine aktualisierte Verfilmung der Weihnachtsgeschichte passen würde: Am vergangenen Donnerstag klingelte es am späten Vormittag an der Egenhofener Rathaustür in Unterschweinbach und eine ratlose sechsköpfige syrische Familie stand davor. Sie kam aus München und sollte eigentliches eine Wohnung in einem Haus im selben Ort beziehen – doch das war nicht so einfach.

Ein Münchner Taxifahrer hatte die Familie dorthin kutschiert, fand aber die Wohnung verschlossen vor. Der Taxler wollte die Familie nicht allein lassen und transportierte sie zum Rathaus. Dort war man erstaunt. „Wir wussten zwar, dass eine Familie die Wohnung beziehen soll, über das Wann und Wie waren wir aber nicht informiert“, berichtet Amtsleiter Robert Köll dem Tagblatt. Und Bürgermeister Josef Nefele erzählt: „Wir haben die Leute bei uns ins Vorzimmer gesetzt und das Landratsamt informiert.“

Ein weiteres Problem: Der Familienvater war anscheinend erkrankt. Was dem Mann fehlte, war jedoch nicht herauszufinden. Keiner der Flüchtlinge verstand Englisch oder gar Deutsch, im Rathaus ist niemand des Arabischen mächtig. Erst nach einer guten Stunde löste sich die Situation auf: Die Objektbetreuerin vom Landratsamt, Jennifer Hahn, erschien, schließlich auch ein arabischer Dolmetscher. Die Syrer bezogen daraufhin die Wohnung, ihr Oberhaupt wurde umgehend zu einem Münchner Krankenhaus transportiert.

Der Fall hat eine Vorgeschichte

Wie das Landratsamt auf Nachfrage berichtet, hatte der Fall noch eine Vorgeschichte: Die syrische Familie war zuvor bereits einmal an der Wohnung angekommen. Sie weigerte sich zu diesem Zeitpunkt wohl aufgrund der zuvor unbekannten Erkrankung des Mannes jedoch, diese zu beziehen und fuhr mit dem Taxi zurück in die Münchner Funkkaserne.

Dort schickte man sie weiter in die Erstaufnahme in der Bayernkaserne und von dort wieder nach Egenhofen, wo es dann zum Überraschungsbesuch im Rathaus und letztlich doch zum Bezug der Wohnung kam.

Weil sich die Familie in dem Haus an der Auenstraße offenbar überhaupt nicht einfinden kann, soll sie in Kürze in dann bezugsfertige Container verlegt werden. In dem betreffenden Haus ist seit kurzem eine weitere sechsköpfige Asylbewerber-Familie untergebracht.

Inzwischen leben 20 Flüchtlinge im Gemeindegebiet: Fünf in Egenhofen, acht im ehemaligen Postmeister sowie die zwei Familien in der Auenstraße. Wie es mit dem kirchlichen Areal in Aufkirchen weitergeht, ist weiterhin offen, so Nefele. Der Ausbau des Postmeister-Dachgeschosses ist bislang nicht vorangegangen. Dessen Besitzer Eberhard Herrmann sagte unserer Zeitung: „Wir haben schon seit Wochen nichts mehr vom Landratsamt gehört.“

(kra/st)

Antrag landet an falscher Stelle

Bei der Schaffung weiterer Unterkünfte ist höchste Eile geboten und dann geht im Postmeister nichts voran. Wie kann das sein? Eine Sprecherin des Landratsamt erklärt auf Anfrage das Problem, das man vor dem Hintergrund der Überlastung der Mitarbeiter verstehen muss.

Der Postmeister-Eigentümer muss einen Bauantrag einreichen, weil beim Brandschutz nachgebessert werden muss. Diesen Antrag schickte er an einen Objektakquisiteur in der Behörde.

Dieser dachte, dass ihm der Antrag nur zur Kenntnis geschickt worden sei und heftete ihn ab. Auf diese Weise kam das Papier aber nie dort an, wo es hingehört hätte: Nämlich in der Baugenehmigungsbehörde, die naturgemäß eine andere Abteilung ist als die Objektakquise.

Jetzt wird der Postmeister-Antrag aber doch noch behandelt. Ob die Außentreppe (zweiter Fluchtweg) heuer noch angebaut werden kann, hängt nun auch von der Witterung ab.

(st)

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