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Die Tangentiallinien im regionalen Busverkehr.

Die große Bus-Ringlinie

ÖV-Tangenten: MVV verbindet S-Bahn-Stationen mit Bussen 

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Fürstenfeldbruck/Starnberg – Wer von Fürstenfeldbruck mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Starnberg will, der fährt mit der S-Bahn über Pasing. Oder er benutzt einen Expressbus. Der MVV will einzelne S-Bahn-Linien „quer“ verbinden – eine Alternative zur utopischen Stadt-Umland-Bahn.

Rundherum, das ist nicht schwer – oder etwa doch? Eine Rundreise um München in MVV-Bussen würde rein rechnerisch vier Stunden und sechs Minuten dauern – reine Fahrzeit, Umsteigen und Wartezeiten nicht mitgerechnet. Doch rund um München per Bus will sowieso kein Fahrgast – eine schnelle Querverbindung hingegen schon.

Das Zauberwort beim MVV heißt Tangentialverbindung. Gezielt sollen Bahnhöfe einzelner S-Bahn-Linien verbunden werden – ein neues Konzept, das umständliches Umsteigen und Fahrten via Pasing oder Ostbahnhof überflüssig macht. Mehr als zehn Buslinien führen „tangential“ um München herum, verbinden einzelne S-Bahnhöfe. Ismaning mit Feldkirchen, Haar mit Ottobrunn, Germering mit Planegg. Und es sollen noch mehr werden – der MVV hat dafür den Arbeitskreis „ÖV-Tangenten in der Region“ eingerichtet. Mindestens sechs neue Linien sind in Planung.

Starker Verkehr ist das Hauptproblem

Ortstermin in Fürstenfeldbruck: Josef Reitinger, seit 30 Jahren Busfahrer, fährt den X 900 – das „X“ steht für Expressbus. 33 Minuten braucht er – zumindest laut Fahrplan – vom S-Bahnhof Fürstenfeldbruck zum Bahnhof Starnberg-Nord. Mit der S-Bahn würde es 51 Minuten dauern. Den Expressbus mit nur wenigen Zwischenhalten gibt es seit November 2015. Die Nachfrage soll gut sein, sagen die Busfahrer – auch wenn an diesem Vormittag nur eine Handvoll Fahrgäste einsteigt. Sie stempeln für die gesamte Fahrt nur zwei Streifen – mit der S-Bahn über Pasing wären es sechs. 

Hauptproblem der Linie ist indes der starke Verkehr auf der Bundesstraße B 2. Manchmal gibt es Stau, stellenweise darf der Bus nur 70 km/h fahren. Reitinger hält sich strikt ans Tempolimit – „mindestens einmal in der Woche steht der Radar drin“, sagt er. Dann biegt der Bus ins Gilchinger Gewerbegebiet ab, eine Haltestelle gibt es dort – dafür muss der Bus einen großen Umweg fahren. „1,2 Kilometer für nichts“, weiß Reitinger. Der Bus hat jetzt schon einige Minuten Verspätung. „Es ist schwer, das jetzt noch einzuholen“, sagt der Fahrer.

Express ist die neue Hoffnung - "auch aus Kostengründen"

Einige Optimierungen seien denkbar, um den Bus schneller zu machen, sagt der Experte für öffentlichen Nahverkehr im Landratsamt Fürstenfeldbruck, Hermann Seifert. Dennoch ist er mit der Nachfrage zufrieden. Eine Stichprobe kam auf bis zu 1000 Fahrgäste am Tag. „Wir überlegen, ob wir den Bus statt im Stunden- im Halbstundentakt fahren lassen.“ Vielleicht könnte er samstags in Starnberg-Stadt enden – statt in Starnberg-Nord. Und eine Wendeschleife in Gilching wäre toll – das brächte zwei Minuten Zeitgewinn.

Während Verkehrsplaner früher die Stadt-Umland-Bahn, kurz SUB, propagierten – eine Trambahn auf festen Schienen – ist nun der Expressbus die neue Hoffnung. „Auch aus Kostengründen“, wie MVV-Planer Martin Schenck offen zugibt. Seifert will die SUB indes noch nicht aufgeben. Der Expressbus könne eine „Vorstufe“ sein, um auszuloten, welche Routen Potenzial haben.

Erst Nahverkehrsplan, dann Geld

Auch im Landkreis München gibt es ambitionierte Pläne: Im Nahverkehrsplan ist eine neue Buslinie 244 vorgesehen – von Sauerlach bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Von Garching bis Dachau könnte bald ein Bus pendeln – bisher muss der Fahrgast von einer Linie in die andere umsteigen. Auch Richtung Süden, von Garching bis Haar, ist eine durchgängige Linie geplant. Notwendig wäre auch eine Beschleunigung, denn manche Buslinie vor allem im Osten hält in einigen Orten bis zu sechs Mal. Richtige Expressbusse gibt es bis jetzt nur im Westen – ab Ende 2017 auch den X 910 von Großhadern bis Weßling.

Immer wieder gibt es freilich auch Rückschläge. So wäre ein Expressbus Fürstenfeldbruck-Dachau „eine tolle Sache“, sagt Seifert. Doch der Kreistag Dachau will erst einen neuen Nahverkehrsplan aufstellen, bevor er dafür Geld bewilligt. Das dauert drei Jahre. Auch im Süden droht ein Dämpfer: Die geplante Linie Wolfratshausen-Deisenhofen wackelt. Sie würde eine empfindliche Lücke im Süden schließen – denn über die Isar gibt es keine Bus-Querverbindung. Doch der Tölzer Kreisausschuss scheut die Kosten von 330 000 Euro jährlich. Die Entscheidung fällt am 20. Juli.

Busfahrer Josef Reitinger im X 900 zuckelt derweil kurz vor Starnberg einem voll beladenem Kieslaster hinterher. Überholen geht nicht. Am Ende kommt er mit elf Minuten Verspätung am Bahnhof an. Aber der X 900 war immer noch schneller als die S-Bahn.

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