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Zurück an der alten Wirkungsstätte: Das Modell des Dampfmotorboots „Olching“ vor dem Amperkanal, dem heutigen Mühlbach. Gebaut hat es Timm Merkl. Das Schiff transportierte Lasten zwischen den beiden Papierfabriken

Boot „Olching“ kehrt zurück in Amperkanal

Olching - Nach nahezu 100 Jahren ist das Dampfmotorboot „Olching“ an seine alte Wirkungsstätte, an den Amperkanal in Olching zurückgekehrt. Allerdings nicht im Original, sondern als detailgetreues Modell. Timm Merkl aus Waal (Ostallgäu) hat es in vielen Arbeitsstunden im Maßstab 1:10 nachgebaut.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde das Schiffsmodell 2015 im Bauernhofmuseum Jexhof im Rahmen der Ausstellung „Die Amper – Geschichte eines Flusses. I: Vom Ammersee bis Olching“. Vor kurzem nun gab es nun einen Fototermin für das kleine Schiff am historischen Ort, im Sinne einer Reminiszenz an die frühe Industriegeschichte Olchings. Damit wurde auch an die Bedeutung der ehemaligen Holzstoff-Fabrik für die Ortsentwicklung der Amperkommune erinnert.

Der Weg vom kleinen Bauerndorf im 19. Jahrhundert zur expandierenden Großgemeinde im 20. Jahrhundert und zur Stadt Olching im Jahre 2011 ist durch zwei Ereignisse besonders gekennzeichnet: der Anschluss an die Eisenbahnstrecke München-Augsburg anno 1839 und die Inbetriebnahme der München-Dachauer Papierfabriken 1885. Damit vollzog sich fortan der Strukturwandel des Ortes: Bauern, Taglöhner und Handwerker hatten die Bevölkerung bis dahin gebildet. Fabrikarbeiter, Geschäftsleute und Siedler ließen nun die Einwohnerzahl stetig ansteigen.

Im weiteren Verlauf, vor allem in der zweien Hälfte des 20. Jahrhunderts, ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe stark zurück. Mehr und mehr entwickelte sich Olching zur Großgemeinde am Stadtrand der Metropole München. 1840 hatte Olching lediglich 304 Einwohner, 1885 waren es 676.

Im Jahre 1970, als die Papierfabrik geschlossen wurde, hatte Olching bereits 9255 Einwohner. Heute wohnen in der Stadt fast 28 00 Bürger. Wenn man heute in Olching einen Spaziergang entlang des Mühlbaches (Amperkanal) unternimmt oder sich nördlich des Bahnhofs etwa zwischen Feurs- und Donaustraße mit der dort dichten Bebauung bewegt, ist von dieser ortsprägenden Epoche und von der damaligen industriellen Tätigkeit kaum mehr etwas zu erahnen.

Die wechselvolle Geschichte des Dampfmotorboots Olching wurde bereits einmal ausführlich in der heimatkundlichen Zeitschrift Amperland dargestellt. Dieses Schiff wurde von 1912 bis 1922 auf dem Olchinger Werkkanal der München-Dachauer Papierfabrik zu Transportzwecken eingesetzt, zwischen der Oberen Fabrik und der Unteren Fabrik. Es fuhr also im Pendelbetrieb auf der 3,1 Kilometer langen Strecke des Amper-Kanals. Dabei wurden die zu befördernden Lasten auf einem Schleppkahn transportiert.

Mit dem Abbruch der Oberen Fabrik 1921 endete nur ein Jahr später auch der industrielle Schiffsverkehr auf der Amper. Stattdessen erhielt das Untere Werk einen Gleis-Anschluss zum Bahnhof von Olching. Die Transporte auf dem Wasserweg waren nicht mehr nötig und das dampfgetriebene Boot wurde an die Bayernwerk AG beziehungsweise an das Walchenseekraftwerk verkauft. Dort wurde es dann ab 1922/23 für Materialtransporte auf dem Kochelsee verwendet. Dann allerdings verliert sich die Spur der „Olching“. Über den weiteren Verbleib des Schiffes ist nichts bekannt.

Wolfgang Gierstorfer

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