+

Rückblick und Vorschau 

20 Jahre Agenda 21: Mal rollt’s, mal stoppt’s

Das Aktionsbündnis Agenda 21 gibt es seit 20 Jahren in Olching: Die Mitstreiter wollen für eine lebenswerte Zukunft global denken und lokal handeln. Im Interview erklärt Olchings kommissarischer Agenda-Sprecher Peter Wehrle, wie sich alles entwickelt hat.

-Herr Wehrle, wer hat denn in der damaligen Gemeinde die Initiative ergriffen?

Nach der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio im Juni 1992 nahm die Volkshochschule 1996 die Anregung aus der Bürgerschaft auf und wollte den Bürgern das Thema vermitteln. Es gab dann schnell auch einen Workshop.

-Und fast noch schneller folgte eine Zukunftskonferenz?

Ja genau. Olching hatte die erste dieser Art in Deutschland überhaupt. Das Interesse auch in den Medien war entsprechend groß. Darauf darf man schon stolz sein.

-Der Gemeinde- beziehungsweise heute Stadtrat hat sich dabei doch ein wenig geziert?

Das Kind namens Agenda hatte trotz aller schönen Worte eine schwere Kindheit. 1999 hat der Gemeinderat beschlossen, die Entwicklung zu beobachten. Eine richtige Willenserklärung für die Agenda gab es nach vielen Kämpfen erst 2005. Jetzt kann man sagen, dass sich die Stadt freuen kann, solch eine Agendagruppe zu haben. Das stimmt optimistisch.

-Agenda wird oft mit reinen Willenserklärungen verbunden, die politisch nicht bindend sind.

Agenda definiert sich von der lokalen Beteiligung der Bürgerschaft, die sich bewährt hat. Eine Bürgerschaft, die in guter Kooperation mit der Stadt steht, arbeitet zum Vorteil aller. Allerdings könnte die Beteiligung aus diesen Reihen höher ausfallen. Da bin ich dazu übergegangen darauf eher zu schimpfen als auf die Politik.

-Wo ist in Olching anzupacken?.

Die Optimierung der Hauptstraße als ein Beispiel ist bereits gut im Fluss. Die Arbeit der Agenda ist von der Stadt in vielen Bereichen gut eingebunden – vom Emissionsausstoß bis hin zur Erleichterungen für behinderte Menschen. Da arbeiten wir mit dem Behindertenbeirat gut zusammen.

-Wenn Sie zum 20. Geburtstag einen Wunsch frei hätten...

Dann würde ich mir nicht nur für Olching wünschen, dass bei den Agendathemen die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen landkreisweit verstärkt wird. Das wäre notwendig, um Entscheidungen und Erfolge nachhaltiger gestalten zu können. Allerdings wird da immer noch zu sehr in den kommunalen Grenzen gedacht, gewissermaßen um den Kirchturm herum. Wenn zu viele sagen, das haben wir bis jetzt immer so gemacht, ist es schwer, in den Köpfen etwas bewegen. Die Welt braucht Veränderung, global wie regional. (hk)

Test mit dem Rollstuhl: Auch winzige Hindernisse können riesig sein 

Beim Agenda-21-Tag im KOM ist das 20-Jährige gefeiert worden. Dabei präsentierten sich aber auch andere Gruppen, etwa der Behindertenbeirat. Er hatte einen Rollstuhlparcours aufgebaut – Tagblatt-Mitarbeiter Hans Kürzl machte den Test: Von Alfons Keim, dem Vorsitzenden des Beirats für Behinderung, lasse ich mir zeigen, wie der Rollstuhl zu steuern und bremsen ist. 

Drinnen, im Vorraum des KOM, geht das noch passabel, die Fläche ist eben und es gibt genügend Platz. Bereits die Eingangstür stellt aber das erste große Hindernis dar. Sie öffnet sich weder automatisch noch gibt es einen Schalter, der mir das Durchrollen leichter macht. Also erst einmal langsam heranrollen und vorsichtig mit einer Hand Kontakt zum Türgriff aufnehmen. Dazu muss ich mich ein wenig vorbeugen und gleichzeitig mit der zweiten Hand ein Rad des Rollstuhls stabilisieren. „Hilfe wäre jetzt schön“, denke ich. Noch notwendiger wäre die allerdings bereits zwei Meter weiter. Der Behindertenbeirat hat da eine kleine Rampe aufgebaut. „So ein Hindernis haben Sie in vielen Altbauwohnungen. Aber eine Bordsteinkante ist noch höher“, erklärt Keim. 

Also rolle ich los und nehme erst einmal „nur“ Schwung. Doch die paar Zentimeter Höhe der Rampe, für einen gesunden Menschen eine lässige Kleinigkeit, bremsen mich aus. „Rücken gerade und stabil sitzen“, rät Keim. Die Hebelwirkung ist nun eine andere. Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Rollstuhl mehr sich selbst über das Hindernis bringt als ich ihn. Trotzdem: „Ich habe es geschafft.“ Das stelle ich ebenfalls fest, als ich den kleinen Schotterparcours absolviert habe.

 „Ein Streifzug durch den Wald, der Friedhofbesuch, zu viel Kopfsteinpflaster, ganz schön anstrengend“, denke ich. Nicht für einen Menschen mit einem gesunden Körper. „Aber wenn man auf den Rollstuhl angewiesen ist.“ Da würde ich auch den Platz, der in der Behindertentoilette des KOM zur Verfügung steht, als etwas zu eng befinden. Jedenfalls atme ich durch, als ich draußen bin und die Rolle wechsle. 

Doch auch wer einen Rollstuhl schiebt, muss lernen: dass man über Bordsteinkanten am besten rückwärts hinwegkommt. Aber auch, dass es Gesprächsebenen gibt. „Sie sind als gesunder Menschen oben. Sie hat man als ersten Blick und deshalb spricht man Sie an“, erklärt Keim. Im Rollstuhl könne man schon mal übersehen werden. 

Habe ich übrigens auch festgestellt: ein Bekannter grüßte mich – als Letzten in der Reihe. Der Rollator beschließt den Selbsttest. Über die kleine Rampe komme ich aber erst, wenn ich ihn angehoben habe. „Wer darauf angewiesen ist, scheut das aber“, so Keim. Viele ältere Menschen hätten dann Angst, zu stürzen oder nach hinten zu kippen. (Hans Kürzl)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Suche nach alten Allinger Fotos geht weiter
Über 300 alte Fotos und Ansichtskarten hat sie inzwischen beisammen, aber Allings Gemeindearchivarin Andrea Binder hofft, dass auf manchem Dachboden noch mehr …
Suche nach alten Allinger Fotos geht weiter
Volkshochschule startet neu in Moorenweis
In den letzten Jahren war es still geworden um die Volkshochschule (VHS) in Moorenweis. Da der ehemalige Leiter sich aus Altersgründen kaum noch kümmern konnte, schlief …
Volkshochschule startet neu in Moorenweis
Ein halbes Jahrhundert SV Germering
Der SV Germering bietet genau 13 Sportarten an. Im 50. Jahr seines Bestehens sieht man das als Glückszahl und solide Basis für die Zukunft.
Ein halbes Jahrhundert SV Germering
CSU-Stadtrat hört auf
Der Olchinger CSU-Stadtrat Herbert Schalk wird sein Amt zur nächsten Sitzung des Gremiums niederlegen. 
CSU-Stadtrat hört auf

Kommentare