1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Olching

70. Olchinger Volksfest steht in den Startlöchern - Bierpreis deutlich günstiger

Erstellt:

Von: Peter Loder

Kommentare

Baumelnde Füße in der Luft gehören einfach dazu: Das Kettenkarussell ist immer beliebt, damals wie heute. Seit Corona steckt die Schausteller-Branche allerdings in einer großen Krise.
Baumelnde Füße in der Luft gehören einfach dazu: Das Kettenkarussell ist immer beliebt, damals wie heute. Seit Corona steckt die Schausteller-Branche allerdings in einer großen Krise. © MSC Olching

Endlich ist es soweit: Olching kann den 70. Geburtstag seines Volksfestes feiern. Eigentlich wäre bald der 75. Geburtstag. Doch das Fest wurde viermal abgesagt.

Olching - Am Freitag startet das Olchinger Volksfest, allerdings wird mit der Tradition gebrochen. Anstich ist erst am Samstag. Dafür gibt es aber einen guten Grund für alle, die richtig Party machen wollen.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen FFB-Newsletter.)

Was kostet das Bier und woher kommt es?

Mit 9,60 Euro ist der Bierpreis um satte vier Euro billiger als auf der Wiesn und immerhin 20 Cent günstiger als in Fürstenfeldbruck und Mammendorf. Für das Volksfest wird außerdem ein eigenes Märzen-Bier von der Maisacher Brauerei kredenzt. „Goldbraun, richtig guad und ein bisserl schärfer“, urteilt Volksfestreferent Andreas Hörl. Er und seine Stadtratskollegen waren kürzlich bei der offiziellen Bierprobe. Dass der Preis so ist, wie er ist, erklärt Hörl mit „gegenseitigem Entgegenkommen und beharrlichem Verhandeln“. Da kann nur Dachau als traditionell billigste bayerische Volksfest-Metropole mithalten. Hier kostet die Maß 8,60 Euro. In Maisach wurden mittlerweile 280 Hektoliter gebraut. 200 sind fürs Volksfest bestimmt, ein weiterer Teil wird in Flaschen abgefüllt.

Der Stadtrat stimmt sich ein: Bierprobe mit Volksfest-Referent Andreas Hörl (6.v.l.) und Bürgermeister Andreas Magg (daneben).
Der Stadtrat stimmt sich ein: Bierprobe mit Volksfest-Referent Andreas Hörl (6.v.l.) und Bürgermeister Andreas Magg (daneben). © Stadt Olching

Das Weißbier kommt aus der in Graßlfing beheimateten Braumanufaktur. Außergewöhnlich und einmalig in Olching ist heuer, dass die O-zapft-Zeremonie erstmals am Samstag und damit 24 Stunden nach der offiziellen Eröffnung stattfindet. Grund: Die am Freitag aufspielenden „Jungen Zillertaler“ haben so viel technisches Equipment auf der Bühne, dass fürs Fass kein Platz mehr ist. Außerdem würden laut Hörl die am Festzug beteiligten Vereine ohnehin den Samstag favorisieren, weil es am Freitag nach Feierabend immer so stressig ist.

Wer sind die Festwirte?

Seit 15 Jahren bewirtschaftet die aus Marzling (Kreis Freising) kommende Familie Widmann das Olchinger Bierzelt. Seniorchef Gerhard (66) und seine Gattin Irene haben sich aus dem administrativen Geschäft etwas zurückgezogen. Doch das Gastspiel in der Amperstadt lassen sie sich nicht entgehen. In dritter Generation haben mittlerweile Sohn Andreas (40) und Ehefrau Sabine das Management übernommen.

Anders als viele ihrer Bierzelt-Kollegen, die mangels Personal zeitweise sogar auf Selbstbedienung umgestellt haben, klagen die Widmanns nicht über fehlende Mitarbeiter. „Bei uns gehören sie zur Familie“, erklärt der Juniorchef das Geheimnis der wundersamen Personalvermehrung. Er spricht von „Vertrauen, Treue, Flexibilität bei den Arbeitszeiten sowie natürlich auch eine leistungsgerechte Bezahlung“.

Wer organisiert die Zelt-Gaudi?

Er ist Mister Volksfest: Der 45-jährige Andreas Hörl ist mittlerweile der dienstälteste Festreferent im Landkreis. Er macht den Job seit 14 Jahren und schnupperte schon als Kleinkind die typische Volksfestluft. „Ich kann mich sogar noch daran erinnern, als ich zwei Jahre alt war und mich meine Eltern im Kinderwagen über den Platz schoben.“ Als ehemaliger Boxer – 1994 hatte Hörl seine Karriere als bayerischer Meister beendet – hat der Referent beim Volksfest stets einen Zusatzjob. Auch diesmal steigt er als Kampfrichter in den Ring, wenn am 12. Juni die Fäuste fliegen. 15 Duelle zwischen Brucks BC Piccolo und einer Mittelfranken-Auswahl sind angesetzt. Außerhalb des Rings hat Hörl in seiner gesamten Amtszeit noch keine massiven Zwischenfälle oder Schlägereien erlebt, weshalb Olchings Volksfest als „friedliche Wiesn“ gilt.

Untrennbar mit dem Volksfest verbunden ist auch der Name Georg Steer. Er war der erste Stadtrat, der in den 1970er-Jahren mit dem Titel eines Volksfestreferenten ausgestattet wurde und dieses Ehrenamt drei Jahrzehnte lang ausübte. Steer hatte das bayerische Volksfest sogar in die französische Partnerstadt Feurs gebracht.

Das sorgte für eine witzige Anekdote beim 85. Geburtstag des Ex-Referenten, der jetzt in Maisach lebt. Olchings Bürgermeister Andreas Magg erinnerte daran. Steer habe sogar ein originales Pferdegeschirr für eine Festkutsche mit nach Frankreich genommen. Doch am Ende war der Gaul mehr ein Esel, das Geschirr viel zu groß und auf dem Leiterwagen stand nur ein Fass Bier. Das Amt von Steer erbte übrigens Robert Meier und dann Hörl.

Welche Karussells gibt es?

Spektakuläre Hightech-Fahrgeschäfte werden die Besucher in Olching vergeblich suchen. Hier schlägt die Lieferketten-Krise zu. Denn für die mit Elektronik vollgestopften Nervenkitzel-Schleudern werden Chips aus China benötigt. Die Schausteller, in deren Branche auch das von der Pandemie ausgelöste Firmensterben grassierte, müssen haushalten und konzentrieren sich auf die größten Besuchermagneten wie Gäubodenfest, Plärrer und Oktoberfest. Volksfestreferent Hörl konnte zumindest so nachbesetzen, dass „die Schaustellerstraße wie immer voll ist“. Mit Autoscooter und Kinderkarussell ist Olching deshalb „a bisserl traditioneller“.

Was ist musikalisch geboten?

Blaskapellen, Quetschn-Solisten und Trachtenmusik sind die tonangebenden Stimmungsmacher. Genauso prägend sind die Partykracher fürs Jungvolk. Bands wie „Tropical Train“ und „Die Jungen Zillertaler“ als potenzielle Schürzenjäger-Nachfolger sind überregional gebuchte Einpeitscher.

Doch Hörl gibt auch Bands aus dem Landkreis eine Chance. Dazu gehört die Oktoberfest-Kultband „Nacht- stark“, deren Musiker vornehmlich aus Olching stammen. Oder „Die Performer“, die in Oberschweinbach und Egenhofen daheim sind.

Beliebt ist auch die Schafkopf-Meisterschaft beim Volksfest. In Olching werden die Karten für das Tagblatt-Original-Comeback unter der Regie des Lenggriesers Sepp Hundegger neu gemischt. Geändert hat sich allerdings die Anfangszeit am Samstag, 18. Juni, um 13.30 Uhr.

Grund dafür, so Andreas Hörl: „Die Frauen der Kartenspieler haben sich beschwert, dass ihre Männer beim bisher üblichen Termin am Samstagvormittag keine Zeit zum Wochenend-Einkauf hatten.“

Wird es ein Feuerwerk geben?

Nachdem in Fürstenfeldbruck heuer erstmals das Feuerwerk von einer Lasershow ersetzt wurde, „habe auch ich lange gehadert und mit mir gerungen“, gesteht Andreas Hörl. Doch trotz anhaltender Diskussionen um die Feinstaubbelastung hat sich der CSU-Stadtrat zum Abfeuern des Spektakels am Montag, 13. Juni, entschlossen. Der wichtigste Grund für ihn: „Auch die Feuerwerker müssen überleben.“

Hörl denkt dabei an den Pyrotechniker Fritz Sauer aus Gersthofen, der seit über 20 Jahren in Olching der „zündende Funke“ ist. In zwei Jahren will er in Rente gehen. Erst danach will sich Hörl Gedanken über Alternativen machen.

Warum eigentlich 70. Geburtstag?

Wenn alles normal gelaufen wäre, würde das Olchinger Volksfest im kommenden Jahr 75. Geburtstag feiern. Doch seit der ersten Veranstaltung an Pfingsten 1949 wurde der Turnus viermal unfreiwillig unterbrochen. 1965 und 1999 war beim jeweils als Jahrhundert-Ereignis bezeichneten Pfingst-Hochwasser der Volksfestplatz überflutet. In den vergangenen zwei Jahren verhinderte die Corona-Pandemie die Durchführung.

Im Jahr 2013 wäre es beinahe zu einer weiteren Absage gekommen. Volksfestreferent Hörl erinnert sich noch mit Schrecken an den „heiklen Husarenritt“, als Amper und Starzelbach erneut so viel Wasser führten, dass schon Pläne für Notunterkünfte in der Turnhalle an der Heckenstraße bereit lagen. Die Rettungskräfte hatten alle Hände voll zu tun und wurden im verschonten Bierzelt mit einer Brotzeit belohnt. Dazu trat Überackers Star-Kabarettistin Martina Schwarzmann planmäßig auf und verzichtete auf die Hälfte ihrer Gage.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie auf Merkur.de/Fürstenfeldbruck.

Auch interessant

Kommentare