Konzept liegt seit über einem Jahr im Rathaus

Agenda 21 will Harmonie in der Olchinger Hauptstraße

Olching – Viel Verkehr, schwieriges Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern: Seit Jahren wird über die Situation in der Olchinger Hauptstraße diskutiert. Die Agenda 21 hat vor über einem Jahr ein Konzept zur Umgestaltung vorgelegt – und ist verwundert, dass keine Rückmeldung aus dem Rathaus kommt.

 Der Plan, den Axel Pesall und Peter Wehrle auf dem Tisch ausbreiten, ist schmal, aber lang. Und dabei handelt es sich nur um ein Teilstück der Hauptstraße: den Bereich zwischen Pfarrstraße und Bahnhofsunterführung. Doch genau in diesem Bereich, im Zentrum der Amperstadt, geht es oft drunter und drüber. Hier parken die Lieferwagen kreuz und quer, wenn sie ihre Waren bei den vielen Geschäften abliefern. Hier schiebt die Mama den Kinderwagen zum Drogeriemarkt, um Windeln und Babynahrung zu kaufen. Hier kämpft sich der Senior mit der Gehhilfe zur Arztpraxis, während ein Schüler schnell zur Bank radelt, um Geld abzuheben. Und vor allem zu den Stoßzeiten wälzt sich hier regelmäßig eine Fahrzeugkolonne durch die Häuserschlucht.

Mehr Qualität für Fußgänger und Radler

Doch zurück zu Axel Pesall, Peter Wehrle und ihrem mit roten Pfeilen sowie bunten Markierungen und Flächen übersäten Plan der Hauptstraße. Wehrle ist Sprecher der örtlichen Agenda-21-Gruppe, Pesall leitet dort den Arbeitskreis Verkehr. Der hat sich zum Ziel gesetzt, den Verkehrsraum in der Stadt lebenswerter zu gestalten, sprich: für ein harmonisches Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern zu sorgen.

„In der Hauptstraße geht es derzeit alles andere als harmonisch zu“, lautet die Analyse von Pesall und Wehrle. Weil die Straße sehr gerade durchs Zentrum führe, würden die Autos nicht vorsichtig genug fahren. Zudem würden die Kleinlaster, die zum Entladen teilweise auf den Fahrspuren oder sogar auf dem Gehweg parkten, nicht nur die Verkehrswege blockieren, sondern auch die Sicht der Verkehrsteilnehmer beeinträchtigen.

„Wir wollen mehr Qualität für die Radfahrer und Fußgänger“, sagt Wehrle. Das will die Agenda 21 erreichen, indem man die Geschwindigkeit der Kraftfahrzeuge an das Tempo der anderen Verkehrsteilnehmer anpasst. Und indem man den Verkehrsraum geordneter und übersichtlicher macht.

„Shared Space“ als Grundlage

Gelingen soll dies mit dem sogenannten Shared Space („gemeinsamer Raum“). Dabei handelt es sich um einen Ansatz zur Planung des öffentlichen Straßenraums, der in ganz Europa immer mehr Beachtung findet. Das entscheidende Merkmal ist, dass Verkehrsschilder, Fußgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren nicht mehr nötig sind. Im Shared Space fügen sich Autofahrer rücksichtsvoll ins menschliche Miteinander von Fußgängern und Radfahrern ein.

Der Vorschlag, den Pesall ausgearbeitet hat und der auf der Arbeit des Arbeitskreises sowie Vorschlägen aus der Bevölkerung und von den Grünen beruht, sieht keine vollständige Auflösung von Gehsteig und Fahrbahn vor. Allerdings sollen die Bordsteine entfallen oder stark abgesenkt werden. „Das Straßen-Niveau soll auf Bürgersteig-Niveau angeglichen werden“, erklärt Pesall. Die einzelnen Bereiche würden durch eine entsprechende Bepflasterung sichtbar gestaltet. Der Shared Space soll laut Pesall vom Nöscherplatz („Besser noch ab dem Kistler-Kreisel“) bis zur Wolfstraße reichen.

Fahrspuren durch Parkplätze getrennt

Neben dieser gundlegenden Veränderung soll es weitere flankierende Umbauten geben: So schlägt Pesall vor, zum Beispiel vor der Sparkasse die Parkplätze vom Gebäude weg hin zur Straße zur verlegen und den Fußweg dafür direkt am Gebäude vorbeizuführen. Somit müssten Autos, die parken wollen, nicht mehr den Gehweg kreuzen und stellen keine potenzielle Gefahr mehr für die Fußgänger dar. Diese wiederum würden direkt an den Gebäuden vorangeführt. „Das ist doch attraktiver für die Geschäfte“, ist sich Pesall sicher.

Ungefähr auf Höhe der Läden Wagner auf der einen und Hepfinger auf der anderen Seite ist angedacht, bis zum Kaiser- beziehungsweise Marienhof die Parkbuchten komplett aufzugeben. Dafür sollen die Fahrspuren der Hauptstraße durch Mittelstreifen mit Parkplätzen getrennt werden. Vor den Bushaltestellen werden die Fahrspuren dann wieder zusammengeführt. Derartige Mittelstreifen-Parkplätze gibt es bereits seit einigen Jahren auf einem Teilstück der Allinger Straße in Puchheim. Pesall erhofft sich durch diese Veränderung, dass die Fahrzeuge vorsichtiger und langsamer fahren.

Durch eine Verschwenkung der Fahrbahn auf Höhe der Post möchte Pesall an dieser Stelle mehr Parkplätze gewinnen. Ferner soll es für die Fritz- und die Wolfstraße eine Einbahnstraßen-Regelung geben. „Dadurch wird die Verkehrssituation übersichtlicher“, erklärt Pesall.

Auch für den Kreuzungsbereich an der Bahnhofstraße haben sich die Agenda-21-Leute Vorschläge ausgedacht: zum Beispiel eine eigene Rechtsabbiegespur auf der Bahnhofstraße zur Hauptstraße in Richtung Schwaigfeld, um dem vermehrten Busverkehr gerecht zu werden. Zudem soll der Radweg bis zum Bahnhof fortgesetzt werden.

Paulusgrube hat im Rathaus Priorität

„Unsere Vorschläge sollen eine Diskussionsgrundlage sein, nicht mehr“, betont Wehrle. Den Gewerbeverband habe man mit der Planung jedenfalls überzeugt, sagt Pesall. Anfangs hätten die Gewerbetreibenden Bedenken geäußert, dass zu viele Parkplätze wegfallen. Doch diese Angst habe man ihnen nehmen können. „Wir gehen davon aus, dass es gerade einmal sieben Parkplätze weniger sind“, sagt Pesall. Seiner Ansicht nach könnte man den Parkdruck zudem erleichtern, indem man zwischen Parkplatz am Volksfestplatz und der Alten Bahnmeisterei einen Shuttle-Bus anbietet.

Sämtliche Vorschläge hat die Agenda 21 sowohl dem Bauamt vorgelegt als auch den einzelnen Fraktionen im Stadtrat. „Leider“, sagt Wehrle, „sind bisher nur die Grünen darauf angesprungen.“ Gerade, dass es seitens der Rathausverwaltung keine Reaktion gebe, bedauert der Agenda-Sprecher sehr.

Doch die Umgestaltungsideen der Agenda sind keinesfalls in irgendeinem Papierkorb im Rathaus gelandet, wie Bauamtsleiter Markus Brunnhuber betont. „Sie sind in meinem Schrank abgelegt und werden zur gegebenen Zeit wieder hervorgeholt.“ Derzeit stehe die Hauptstraße einfach nicht ganz oben auf der Liste, die es bei der Ortsgestaltung abzuarbeiten gilt. „Oberste Priorität hat für uns die Paulusgrube und die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes“, sagt Brunnhuber. Zwar spiele dabei auch der Anschuss an die Hauptstraße eine gewisse Rolle. Aber konkret mit dem Thema Hauptstraße werde man sich erst beschäftigen, wenn man die wichtigeren Dinge erledigt hat. „Das haben wir der Agenda-Vertretern von Anfang an gesagt.“ (Stefan Weinzierl)

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