Das Grab von Albert Roßhaupter am Alten Friedhof in Olching.
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Das Grab wurde bereits vor Jahren aufgelassen: Die SPD will am Alten Friedhof wieder an den bekannten SPD-Minister Albert Roßhaupter erinnern, der 1949 in Olching starb.

Denkmal geplant

Späte Ehre für Olchinger SPD-Legende Albert Roßhaupter

Der Name Albert Roßhaupter ist untrennbar mit der bayerischen Geschichte verbunden. Von 1933 bis zu seinem Tod 1949 hat der SPD-Politiker in Olching gelebt – wo man wieder an ihn erinnern will.

Olching – Eigentlich hat sich Albert Roßhaupter zu Lebzeiten bereits selbst ein Denkmal gesetzt. Immer wenn die Glocken der katholischen Kirche St. Peter und Paul erklingen, schwingt die Erinnerung an den bekannten SPD-Politiker mit. Der Grund liegt über 70 Jahre zurück.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bat der damalige Pfarrer Georg Handwerker den einflussreichen Roßhaupter um einen Gefallen: Er sollte sich beim Alliierten Kontrollrat für die Freigabe von Gussstahl einsetzen. Das tat dieser mit Erfolg: Die Pfarrgemeinde bekam die ersten Nachkriegsglocken aus dem Bochumer Werk. Der Preis kurz vor der Währungsreform: 1600 Mark.

Diese Geschichte wird gerne erzählt, wenn es um Roßhaupters Zeit in

St. Peter und Paul birgt auch eine Erinnerung.

Olching geht. Auch die SPD-Stadtratsfraktion griff sie auf, als sie im vergangenen Jahr ein Denkmal für den berühmten Genossen beantragte. Es gibt ja schon den Roßhaupterplatz, der sich an der Gabelung von Fürstenfeldbrucker und Roggensteinerstraße befindet. Hier sollte eine Gedenktafel aufgestellt werden. Für das ehemalige Grab auf dem Alten Friedhof schlug die SPD ein Denkmal vor. Der Hauptausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Verwaltung beauftragt, Details dazu auszuarbeiten.

Olchinger kritisiert: Ehrung von Roßhaupter ist überfällig

Die Abstimmung im Gremium lief ohne Diskussion ab – im Vorfeld wurde allerdings eine kleine Leserbriefschlacht im Tagblatt ausgetragen. Der Olchinger Buchautor und Hobby-Historiker Georg Gebhard hatte diese mit seiner Kritik befeuert. Mit einer „angemessenen, zeitnahen Würdigung der Person Roßhaupter hatten die Kommunalpolitiker von Olching anscheinend Probleme“, schrieb er. Dabei sei dieser bis zum stellvertretenden Ministerpräsidenten aufgestiegen. Gebhards Großvater sei wie Roßhaupter Gewerkschaftsaktivist gewesen und die beiden verband eine enge Freundschaft. Die SPD hätte das Versäumnis nur erkannt, weil eine Mammendorfer CSU-Politikerin eine Examensarbeit über den Sozialdemokraten verfasst hatte und – erfolglos – anregte, eine Straße in ihrer Gemeinde nach ihm zu benennen.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Marina Freudenstein entgegnete: „Von der Initiative in Mammendorf wussten wir nichts.“ Die Idee kam im Zuge der Feierlichkeiten zu 100 Jahre Freistaat Bayern auf. Rosshaupter war in Kurt Eisners Revolutionskabinett Minister für militärische Angelegenheiten (siehe unten). Laut Freudenstein habe man die Sache aber erst Anfang Oktober angestoßen, da sie sich nicht für den politischen Schlagabtausch in Wahlkampfzeiten geeignet habe. Im Zuge der Recherchen kam zudem auf, dass das Grab am Alten Friedhof in Olching bereits vor acht Jahren aufgelassen wurde.

Roßhaupterplatz in Olching: Hier soll es ebenfalls eine Gedenkstätte geben.

Laut Stadtarchiv starb der kranke Rosshaupter am 14. Dezember 1949 um 3.30 Uhr in seinem Wohnhaus in der Feldstraße 35. Der SPD-Politiker, der als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Sozialdemokraten galt, war 15 Jahre zuvor nach Olching gezogen. Ursprünglich stammte er aus Niederbayern. Seine Familie lebte dort in einfachen Verhältnissen, der Vater war Korbmacher. Er selbst arbeitete nach der Schule als Lackierer in München. Die Missstände der Arbeitnehmer waren ihm ein Anliegen. Er trat bereits mit 19 Jahren in die SPD ein, engagierte sich bei der Gewerkschaft und war später als Redakteur der Gewerkschaftszeitung und der Schwäbischen Volkszeitung tätig.

Während des NS-Regimes lebt Roßhaupter zurückgezogen in Olching

Seine berufliche Tätigkeit brachte ihn wohl auch nach Olching. Sein Arbeitssitz als Politiker war in München, seine Arbeitsstelle als Redakteur in Augsburg. „Wenn man jetzt auf der Karte Olching betrachtet, liegt es genau zwischen diesen Orten.“ So jedenfalls mutmaßte Roßhaupters Stiefsohn Erich vor zehn Jahren in dieser Zeitung.

Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich sowieso erst einmal alles. Roßhaupter hielt am 29. April 1933 die bis 1945 letzte Rede eines Sozialdemokraten im Landtag. Das geht aus einer Broschüre („Albert Roßhaupter – Ein Leben für Freiheit und soziale Gerechtigkeit“) über ihn hervor. Der SPD-Abgeordnete sprach sich mit größter Vehemenz gegen das geplante Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten aus. Ohne Erfolg. Der NS-Regime-Gegner wurde dann mehrfach inhaftiert, kam zeitweise ins Konzentrationslager nach Dachau. Ebenso wie Olchings damaliger Bürgermeister Josef Tauscheck, mit dem Roßhaupter befreundet war.

Albert Roßhaupter lebte seit 1933 in Olching in der Feldstraße.

Wenn er wieder auf freiem Fuß war, lebte der Wahl-Olchinger in diesen Zeiten sehr zurückgezogen. Er war damit beschäftigt, Gemüse anzubauen und es in München zu verkaufen. Die Strecke legte er zu Fuß zurück. Kein Problem für den „großen Wanderer“, wie sein Stiefsohn ihn nannte. Er konnte zehn Stunden am Tag zurücklegen.

Als seine erste Ehefrau Anna 1939 starb, heiratete er im Jahr darauf Elisabeth Gößwein. Fünf Jahre später wird er im Nachkriegskabinett Minister für Arbeit und Soziales. Damit kann er eine äußerst seltene politische Leistung für sich verbuchen: Sowohl nach dem Zusammenbruch der Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg als auch nach dem Ende des Dritten Reiches wirkte der Minister an der Schaffung eines neuen Staates mit. Und kurz vor seinem Tod machte Albert Roßhaupter sich auch noch bei den Olchingern äußerst verdient – eben mit den Glocken für die katholische Kirche am Nöscherplatz.

Die politische Laufbahn von Albert Rosshaupter

Albert Roßhaupter kommt am 8. April 1878 im kleinen Pillnach bei Regensburg zur Welt. Er ist katholisch. Seine Familie gehört der Arbeiterklasse an. Roßhaupter wächst in Niederbayern und München auf. Er besucht die Volksschule, macht eine Lackiererlehre mit anschließender Wanderschaft. 1899 erhält er eine Beschäftigung in den Königlichen Eisenbahnwerkstätten in München. Schon als junger Mann wird er für die Belange der Arbeiter sensibilisiert. 

Sehr früh wird er auch politisch aktiv. Als junger Mann tritt er um 1897 in die SPD ein und in den Süddeutschen Eisenbahner- und Postpersonalverband. Von 1900 bis 1908 ist er nebenamtlicher Bezirksleiter, später wird er hauptamtlicher Geschäftsführer. Außerdem gründet er noch den Bayerischen Landesverband der Naturfreunde. Roßhaupter arbeitet zudem bei diverse Blättern der sozialistischen Arbeiterbewegung, unter anderem in Nürnberg und Augsburg. Seine politische Karriere startet 1907: Der damals 29-Jährige erhält einen von 20 SPD-Sitzen im Landtag (damals noch Kammer der Abgeordneten). Laut Bundeszentrale für politische Bildung gilt er als rhetorisch begabt und fachlich versiert. Bald zählt der Abgeordnete zu den wichtigsten Persönlichkeiten der bayerischen Sozialdemokratie. Roßhaupters Fokus liegt auf sozialen Fragen der beim Staat beschäftigten Arbeiter. 

1915 meldet sich der Politiker freiwillig zum Kriegseinsatz in Nordfrankreich. Nach dem Ersten Weltkrieg wird er Mitglied des provisorischen Nationalrats von Bayern. Im Revolutionskabinett von Kurt Eisner ist er für rund vier Monate Leiter des Ministeriums für militärische Angelegenheiten. Er forderte freie Wahlen und rief als Repräsentant einer neuen Republik zur Bildung eines Volksheimatschutzes auf. Das traditionelle Heer sollte durch eine Volksmiliz ersetzt werden. Nach Aufgabe des Ministeramts konzentriert sich Roßhaupter weitgehend auf seine journalistische Tätigkeit und die Aufgaben als Abgeordneter. Bis 1933 war er Landtagsmitglied, wo er die letzte Rede eines Sozialdemokraten in Bayern bis 1945 hielt. 

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Roßhaupter für wenige Wochen SPD-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Landesausschusses seiner Partei. Im Nachkriegskabinett (1945 bis 1947) wird der Wahl-Olchinger Arbeitsminister und unter Wilhelm Hoegner stellvertretender Ministerpräsident. Neben der Sozialpolitik widmet er sich vor allem Fragen der bayerischen Verfassung. Im zuständigen Ausschuss übernimmt Roßhaupter den stellvertretenden Vorsitz und in der im Sommer 1946 gewählten Verfassunggebenden Landesversammlung den Vorsitz der 51-köpfigen SPD-Fraktion. Im Gegensatz zur Parteizentrale vertritt der SPD-Politiker ein betont föderalistisches Konzept.

QUELLE: Bundeszentrale für politische Bildung

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