Ganze 47 Jahre lang hat Angelika Neumüller (l.) als Erzieherin im Olchinger Pfarrkindergar ten gearbeitet. Nun ist sie in den Ruhestand gegangen. Doch die 64-Jährige war nicht die einzige, die der Einrichtung und den Kindern Servus gesagt hat. Auch Gerlinde Landersdorfer hat die Kindergartenleitung nach 14 Jahren abgegeben und will nun ihre Rente genießen. Foto: kürzl „Viele Eltern kommen mit ihrenKindern zu uns, weil sie selbst hier eine guteZeit verbracht haben.“Gerlinde Landersdorfer

Pfarrkindergarten Olching

Altgediente Erzieherinnen sagen Servus

Doppelter Abschied im Olchinger Kindergarten St. Peter und Paul: Sowohl Leiterin Gerlinde Landersdorfer als auch Erzieherin Angelika Neumüller sind in den Ruhestand gegangen. Die eine nach 14 , die andere nach 47 Jahren. Erlebt haben beide so einiges.

Olching 50 Kinder in einer Gruppe. Als Angelika Neumüller vor 47 Jahren im Pfarrkindergarten anfing, war das nichts Besonderes. „Das war eben so“, sagt die mittlerweile 64-Jährige. An ihre Einstellung im Jahr 1970 erinnert sich die Erzieherin noch gut. „Es war eine Stellenanzeige in der Zeitung. An einem Freitag habe ich mich gemeldet, am Samstag war ich eingestellt.“

So schnell und so einfach geht es heutzutage bei Weitem nicht mehr. Das hat auch Gerlinde Landersdorfer festgestellt. Die 63-Jährige übernahm die Leitung der Einrichtung 2003. „Früher hat eine Seite für ein Anmeldeformular ausgereicht. Heute legt man den Eltern dafür bis zu 25 Blätter hin“, beschreibt sie eine der Veränderungen während ihrer 14-jährigen Tätigkeit.

Eine bestimmte Zeit im Jahr mochte Landersdorfer an ihrer Arbeit nicht gerade gern: die, in der über die Aufnahmen für das nächste Kindergartenjahr entschieden wird. „Im April und Mai habe ich immer vielen sympathischen Eltern und Kindern absagen müssen.“ Die Plätze, die zur Verfügung stünden, seien schnell belegt.

Das liegt an den gesellschaftlichen Veränderungen, die Landersdorfer in ihrer Zeit als Leiterin festgestellt hat. Vor 14 Jahren sei mehr als ein Drittel der Mütter zu Hause gewesen, heute seien es vielleicht noch zehn Prozent, sagt sie. „Dass so viele berufstätig sind, merkt man dann, wenn weniger Zeit für ehrenamtliches Engagement ist – und an den längeren Buchungszeiten“, erklärt die 63-Jährige. Sie habe auch festgestellt, dass Eltern im Vergleich zu früher deutlich mehr Beratungsbedarf haben.

Doch die Vergangenheit zu verklären, ist nicht die Absicht der beiden erfahrenen Erzieherinnen. So nennt die scheidende Kindergarten-Chefin die vielfältigen Fördermöglichkeiten, die es heute gibt, zum Beispiel im Vorschulbereich. Auch der Erfahrungsaustausch sei intensiver geworden. „Davon profitieren die Kinder“, so Landersdorfer. Und Neumüller pflichtet ihr bei: „Früher hatte man diese Netzwerke nicht so in dieser Art.“

Eines hat sich aber in all den Jahren weder für Landersdorfer noch für Neumüller geändert: „Wir versuchen, dass die Kinder Freude haben.“ Wenn die Mädchen und Buben mit guten Gedanken nach Hause gingen, wenn sie sich gerne an ihre Kindergartenzeit erinnern, dann motiviere das für die Arbeit. Die Kinder heute müssten auch mal Zeit zum Durchatmen haben, sind sich beide einig. Bei aller Vorbeitung auf den nächsten Lebensabschnitt, die Grundschule, sei das ebenso notwendig. „Einfach mal spielen lassen, ohne dass irgendetwas gefordert wird“, bringt es Landersdorfer auf den Punkt.

„Viele Eltern kommen mit ihren Kindern zu uns, weil sie selbst hier eine gute Zeit verbracht haben“, erzählt die scheidende Leiterin. Dazu trage auch bei, dass es keine große Fluktuation beim Kindergarten-Team gibt. Ein Beispiel dafür ist Angelika Neumüller mit ihren 47 Jahren.

Die 64-Jährige lächelt, als man sie auf mögliche Enkelkinder ihrer ersten Schützlinge anspricht. „Es sind so viele gekommen“, erzählt sie. An Enkelkinder von ehemaligen Schützlingen könne sie sich aber nicht erinnern. „So weit ist es nicht gekommen.“

Nun will Neumüller ihren Ruhestand genießen und erst einmal den Sommer ein wenig verlängern. Wohin es gehe, werde sie spontan entscheiden. Danach, wenn die Abende ein wenig länger werden, will die in Emmering lebende Neumüller ihrer Leidenschaft für die Musik verstärkt nachgehen: „Ich habe ein Abonnement für das Nationaltheater“, erzählt sie.

Erst einmal reisen „und vor allem Italien noch besser kennenlernen“ möchte Landersdorfer, die seit 30 Jahren in Olching wohnt. Ein weiteres Ziel passt zur christlichen Prägung des 14 Jahre von ihr geleiteten Kindergartens. „Ich möchte den Jakobsweg gehen.“ Der bekannteste Pilgerweg der Welt führt zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela.

Beide wollen den Weg des Kindergartens weiter verfolgen „Und wenn jemand unseren Rat braucht, dann ist das eben so“, sagt Neumüller. „Dann freuen wir uns“ fügt Landersdorfer hinzu. (hk)

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