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Der Vogelpark wurde überflutet.

In der Nacht auf Freitag

Amper-Schleuse absichtlich geöffnet: Olchinger Vogelpark überflutet

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 Ungeheure Wassermengen haben in der Nacht auf Freitag das Areal rund um den Sportplatz und den Vogelpark geflutet. Unbekannte hatten zuvor eine Schleuse am Amperkanal/Mühlbach komplett geöffnet. Der Schaden ist immens. Die Kripo ermittelt.

Olching - Die Schleuse am Amperkanal am mittleren Wehr muss absichtlich geöffnet worden sein – und zwar mit enormem Kraftaufwand und mit einem passenden Werkzeug. Anders ist es nicht möglich, das Tor zu betätigen. Große Wassermengen fluteten das Areal zwischen Amper und Amperkanal, das in der Nacht einem riesigen See glich. Betroffen ist vor allem der Vogelpark. Das Gelände stand bis zu einem halben Meter hoch unter Wasser. Von der Feuerwehr informiert, eilten Tierfreunde noch in der Nacht herbei, um ihre gefiederten Schützlinge in Sicherheit zu bringen. Etliche von ihnen paddelten hilflos im Wasser und konnten in letzter Minute vor dem Ertrinken bewahrt werden, wie Karin Wagner vom Vogelpark schilderte. Andere Vögel, etwa die Papageien, brachten sich selbst in Sicherheit und beobachteten das Geschehen von oben, wie Helmut Wagner berichtete. Wagner stand in der Nacht eine Stunde im kalten Wasser, um Tiere zu retten. „Ich habe mir fast die Füße abgefroren“, erzählte er. „Wir sind ja Kummer gewohnt, aber das ist schon schlimm.“ Karin Wagner berichtet von Schäden an den Anlagen, im Kassenraum mit den Kühlschränken und Tiefkühltruhen. 

Sie beziffert das Ganze auf rund 20 000 Euro. Welche Spätfolgen bei den Vögeln zu erwarten sind, etwa Lungenentzündungen, sei noch unklar. Insgesamt sei der Vorfall ein herber Verlust – dies auch vor dem Hintergrund, dass der Vogelpark die Eröffnung wegen des langen Winters ohnehin nach hinten verschoben hatte und damit Einrittsgelder fehlen. Im Park hofft man, die Schäden bis zur geplanten Eröffnung am 28. April beheben zu können. Bereits am Freitag begannen die Aufräumarbeiten. Das Wasser hat Schlamm und Dreck hinterlassen. Die Feuerwehr musste in der Nacht auf Freitag zunächst einmal die Ursache für die Überflutung finden, wie Kommandant Josef Gigl berichtete. Weil es schon mal Probleme mit einem Biber in der Gegend gab, fiel der Verdacht zunächst auf Meister Bockert. Erst als die Feuerwehr Scheinwerfer aufgestellt hatte, wurde klar, dass die Schleuse geöffnet worden war. Ein Mitarbeiter des Amperkraftwerks sei dann gottseidank erreichbar gewesen. Auf sein Anraten wurden die Schleusentore zur echten Amper geöffnet. Dann konnte das Wasser abfließen. Wie Gigl erfuhr, sei das Tor am Amperkanal seit zehn Jahren nicht bewegt worden. 

Auch er vermutet: Der Täter muss gut vorbereitet gewesen sein. „Sonst kann man die Schleuse nicht bedienen.“ Insgesamt habe man Glück gehabt, dass der Wasserschaden noch in der Nacht bemerkt wurde. Der See reichte da bereits bis zum Heim des Spotclubs Olching (SCO). Für die Vögel im Park kam die Rettung in letzter Minute, sagt auch Gigl. Er war mit 17 Kameraden rund vier Stunden lang im Einsatz. Teils mussten sie Sandsäcke aufbauen. Gigl berichtet auch von bis zu 12 000 Euro Verlust beim Amperkraftwerk wegen ausgefallener Stromproduktion. 

Bei der Polizei gibt man sich vorsichtig, was die Motive anbetrifft. Von einem gezielten Anschlag auf den Vogelpark wollte niemand sprechen. Es sei unklar, ob dem Täter bewusst war, wer am meisten geschädigt werde, sagte ein Sprecher, der für den Moment von einem dummen Streich ausgeht. Die Stadt Olching prüft weitere Schäden und wollte am Freitag aus Sicherheitsgründen den Weg zum Heim des SCO sperren. Die Kripo ermittelt und bittet um Hinweise unter Telefon (0 81 41) 61 20. Der Vogelpark Olching bittet um Spenden, um den Vorfall finanziell zu überstehen

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