Christoph G. kann die Schule nur mit einer Begleitung besuchen.
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Christoph G. kann die Schule nur mit einer Begleitung besuchen.

Landkreis FFB

Er kann Schule alleine nicht bewältigen - und braucht daher einen Begleiter

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Schulbegleiter helfen Kindern, die in ihrem Schulalltag Hilfe brauchen. Im Landkreis sind rund 70 Begleiter im Einsatz. Für jedes Schuljahr muss die Unterstützung neu beantragt werden. Wie bei dem 13-jährigen Christoph aus Olching. Seine Mutter ist dankbar, dass das Jugendamt ein weiteres Jahr genehmigt hat.

Olching – Nicht alle Kinder können allein in die Schule gehen. Wer unter bestimmten körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen leidet, hat Anspruch auf Integrationshilfe in Gestalt eines Schulbegleiters. Dieser hilft dem Kind dabei, im Schulalltag zurechtzukommen, seine Aufgaben organisiert und strukturiert zu erledigen und mit Stresssituationen umzugehen.

Die Unterstützung muss für jedes Schuljahr neu beantragt werden. Wird sie bewilligt, ist die Erleichterung bei den betroffenen Familien groß – zum Beispiel bei den G.’s aus Olching.

Asperger-Syndrom

Christoph G. besucht das Gymnasium, nach den Ferien kommt er in die 7. Klasse. Der 13-Jährige leidet unter dem Asperger-Syndrom, einer Störung aus dem Autismus-Spektrum. Ein Hauptkennzeichen ist, dass Betroffene im sozialen Miteinander mit anderen Menschen Defizite aufweisen. Sie leben in ihrer eigenen Welt – „auf einer Insel, von der sie nicht runterkönnen“, beschreibt Christophs Mutter Martina G.

Besonders sensibel

Ihr Sohn ist besonders sensibel und geräuschempfindlich. Seine Wahrnehmung von Personen und Umwelteindrücken kann er nur schwer filtern. Der Krach und das Gewusel morgens beim Ankommen, beim Wechsel von einem Klassenzimmer ins andere oder in den Pausen – all das kann ihn überfordern. „Christoph ist klug, aber er braucht Hilfe zur Stabilisierung“, erklärt Martina G. Nicht immer versteht er, was andere Menschen meinen, vor allem, wenn sie ironisch sind oder Spaß machen. Seine Mutter spricht von Wahrnehmungsstörungen und dem Aufbauschen von Missverständnissen. „Er nimmt Dinge ernst, die nicht ernst gemeint sind.“

Der Bub fühlt sich schnell von seinen Mitschülern gemobbt und von Lehrern persönlich angegriffen, wenn sie ihn lediglich sachlich korrigieren. Der 13-Jährige weiß, dass er Hilfe braucht und ist dankbar, dass er sie bekommt. Er hat seit der ersten Klasse eine Schulbegleiterin, so wie der Großteil der Kinder in seiner Situation.

70 Schulbegleiter im Einsatz

„Meist stellen Eltern den Antrag bereits vor der Einschulung“, berichtet Dietmar König, Leiter des Kreisjugendamts. Seine Behörde ist für die Bewilligung von Integrationshilfen für Kinder mit seelischer Behinderung zuständig. Geht es um körperliche oder geistige Einschränkungen, ist der Bezirk Oberbayern die richtige Anlaufstelle.

Derzeit sind etwa 70 Schulbegleiter für das Jugendamt im Einsatz. Sie kommen von freien Trägern, wie der Caritas, den Johannitern oder der Gesellschaft für Jugend- und Familienhilfe. Ihre Einsatzgebiete sind alle Schularten von der Grundschule bis zum Gymnasium. Einen Schwerpunkt bilden laut König allerdings die Förderschulen.

Bedarf immer wieder zu klären

Welche Qualifizierung ein Schulbegleiter mitbringen muss, hängt von dem zu betreuenden Kind ab. Die große Mehrheit sind Laienkräfte – Fachpersonal wie Erzieher oder Sozialpädagogen werden nur in seltenen Fällen gebraucht. In der Regel wird die Hilfe für ein Schuljahr bewilligt. Alle zwei Jahre muss der Bedarf durch ein Gutachten bestätigt werden. In regelmäßigen Hilfeplangespräche tauschen sich Jugendamt, Eltern, der Schulbegleiter und das Kind selbst darüber aus, welche Fortschritte es gibt und ob die Begleitung reduziert oder beendet werden kann. Einig ist man sich dabei nicht immer. „Es kommt vor, dass unsere Einschätzung eine andere ist als der Wunsch der Eltern“, so König. Theoretisch könne die Schulbegleitung bis in die höheren Klassen andauern, das sei aber die Ausnahme.

Notiz für die Hausaufgaben

In Christophs Fall wurden jeweils 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss bereits gestrichen. Während der Schulstunden wird ihn seine Schulbegleiterin aber ein weiteres Jahr unterstützten. Martina G. ist darüber heilfroh, denn ihr Sohn kommt in die Pubertät. „Bei Autisten bedeutet das, dass sie Rückschritte machen.“ Früher hat der 13-Jährige beispielsweise die Hausaufgaben zuverlässig notiert. Jetzt schreibt er nur noch auf, wozu er Lust hat – den Rest erfährt die Mutter von der Schulbegleiterin. Zu Hause gibt es dann oft Diskussionen. Martina G. hofft, dass ihr Sohn auch in der 8. Klasse noch unterstützt wird. Danach kann sie sich vorstellen, dass man die Hilfe auslaufen lässt. „Im Abitur sehe ich Christoph nicht mehr mit Schulbegleiterin.“

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