Auch Tote nach Einsturz der Autobahnbrücke in Italien

Auch Tote nach Einsturz der Autobahnbrücke in Italien

Vater und Sohn radeln quer durch die Vereinigten Staaten

Auf dem Drahtesel durch Amerika

Genau 5585 Kilometer sind es von der US-amerikanischen Westküste bei Astoria in Oregon bis zur Brooklyn Bridge in New York. Der Olchinger Kirchenmusiker Wolfgang Mann und sein Sohn Oliver haben die Strecke zurückgelegt – auf dem Fahrrad.

Olching – Das Fahrrad als Reisemittel hat eine gewisse Tradition in der Familie Mann. Vor etwas mehr als vier Jahren war Olivers Bruder Christoph bereits rund 6000 Kilometer nach Zentralasien geradelt. Die Erlebnisse haben auch seinen Vater Wolfgang nicht mehr losgelassen. Und so organisierte der 60 Jahre alte Olchinger eine ähnliche Tour für sich und seinen 18-jährigen Sohn Oliver. Doch statt nach Asien ging es für Vater und Sohn in die entgegengesetzte Richtung: in die USA.

„Eine solche Tour durch Südamerika oder Asien hätte ich mich nicht getraut“, gesteht Wolfgang Mann offen ein. In den USA sei man zwar einsam unterwegs. „Im Grunde befindet man sich aber trotzdem immer mitten in der Zivilisation.“ Sohn Oliver gefiel die Route aus einem anderen Grund: „Wir hatten ein klar definiertes Ziel vor Augen.“ Und das war die Brooklyn Bridge. Die sechsspurige Autobrücke über dem Hudson River in New York hat eine Besonderheit: In zweiter Etage, oberhalb der Autos, führt ein Fuß- und Radweg aus Holzplanken über den Fluss. „Es war unser Traum, von dort den Blick über Manhattan schweifen zu lassen“, sagt Wolfgang Mann.

Bevor sich dieser Traum erfüllte, standen aber eineinhalb Jahre Planung und 65 Tage Radfahren bevor. Bei der Wahl der Route überließ Wolfgang Mann nichts dem Zufall. Über das Internet druckte er jede Menge Karten aus und versah sie mit reichlich Notizen. „Wir haben zwar meistens gezeltet, aber ich habe trotzdem notiert, wo es Übernachtungsmöglichkeiten gibt“, erzählt Wolfgang Mann.

Immerhin durch elf Bundesstaaten führte der Weg von Vater und Sohn – mit verschiedensten Landschaften und Menschen. Die Rocky Mountains überquerten die Manns auf dem berühmten Lewis-Clark-Trail, der der Route der Forscher Meriwether Lewis und William Clark folgt. Die suchten im Auftrag des damaligen Präsidenten Thomas Jefferson im Jahr 1804 einen Weg an die Pazifikküste. Weiter ging es durch den Yellowstone Park in Wyoming und über den Highway 20 durch die oft brütend heißen Graslandschaften von Nebraska und Iowa.

Dort kam Oliver auch mal der Gedanke ans Aufgeben. „Ausgesprochen habe ich ihn aber nicht“, sagt er. Vater Wolfgang hielt sich einfach den großen Traum vor Augen: „Wir kommen noch zur Brooklyn Bridge.“ Auch die insgesamt fünf Reifenpannen warfen das Duo nicht aus der Bahn – auch wenn sie beim Vater an den Nerven zehrten. „Fünf Platten sind auf die Länge der Strecke eigentlich zu vernachlässigen“, sagt Wolfgang Mann. „Trotzdem war ich immer stinksauer, wenn es passiert ist.“ Sohn Oliver sah das eher gelassen – der 18-Jährige nahm überhaupt die ganze Reise etwas anders wahr als sein Vater. Während der 60-Jährige beim langsamen Radeln die Umgebung auf sich wirken ließ, juckte es Oliver manchmal in den Beinen, wie sein Vater berichtet: „Er wollte lieber öfter sprinten und dann eine Pause machen – und das ein paar Mal bis der Tag vorbei war.“ Doch Vater und Sohn arrangierten sich und kamen ohne große Meinungsverschiedenheiten der Ostküste immer näher.

Dort bekam das Duo beinahe heimatliche Gefühle. „Ab Buffalo war optisch alles wieder europäisch geprägt“, erzählt der Kirchenmusiker. Auf den Feldern waren Traktoren unterwegs, die Hänger mit Stroh zogen. „Das hätte auch in Biburg sein können“, sagt Wolfgang Mann. Gerade diese Vielfalt beeindruckte Oliver: „Die USA, die man aus den Medien kennt, hat nichts mit dem tatsächlichen Land zu tun“, sagt er. Man kenne nur die Ost- und die Westküste. Den riesigen Bauernstaat dazwischen nehme man öffentlich dagegen kaum wahr.

Bei der Reise blieb freilich auch der Kontakt mit den Amerikanern nicht aus. Und der war äußerst positiv. „Die Menschen unterwegs haben uns alle zu 100 Prozent unterstützt“, sagt Wolfgang Mann. Dazu gehörten auch Übernachtungen. Oliver hat Buch geführt: „30 Mal haben wir im Zelt geschlafen, 18 Mal im Motel.“ 14 Mal wurden Vater und Sohn aber auch zu privaten Übernachtungen eingeladen. „Wir haben den Kontinent in seiner ganzen Fülle erlebt“, sagt Wolfgang Mann. Diese Fülle habe die Faszination der Reise ausgemacht. Und am Ende wartete natürlich noch der erfüllte Traum: Der erhebende Blick von der Brooklyn Bridge über Manhattan.

Eindrücke von der Reise

und Fotos von der Reise gibt es auf Oliver Manns Internet-Blog unter crossthestates2017.wordpress.com. Außerdem halten Vater und Sohn am Sonntag, 25. Februar, ab 17 Uhr im Pfarrsaal St. Peter und Paul, Pfarrstraße 12 in Olching, einen Vortrag über ihre USA-Radtour.

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