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Die Erinnerungen an den Unfall kommen noch heute jedesmal hoch, wenn Andreas Fischer an der Unfallstelle bei Germering vorbeifährt.

Auto einer Familie stand in Brand

Bei einem Horror-Unfall auf der B2 rettete er heldenhaft mehrere Menschen

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Der Olchinger Andreas Fischer löschte vor zwei Jahren auf der B 2 bei Germering ein Auto, in dem eine Mutter und ihre zwei Kinder eingeklemmt waren. Dafür bekommt er heute die Christophorus-Medaille.

Olching/Germering – An den 31. März 2017 wird sich Andreas Fischer (52) aus Olching sein ganzes Leben lang erinnern. An dem Tag passierte bei der Auffahrt zur B2 bei Germering ein furchtbarer Unfall.

Ein dreijähriges Mädchen starb, der Bruder ist nach dem Unfall querschnittsgelähmt – auch die Mutter hat bis heute gesundheitlich mit den Folgen zu kämpfen. Dass nicht noch mehr Menschen ums Leben gekommen sind, ist unter anderem Fischers schnellem Eingreifen zu verdanken.

Am Tag des Unfalls ist der Olchinger beruflich auf der Brücke unterwegs, die bei Germering über die B2 führt. Beim Blick nach unten sieht er mehrere Autos, die „ganz blöd auf der Straße standen“. Bei dem langjährigen Mitglied der Feuerwehr Geiselbullach setzt der Beschützerinstinkt ein: „Ich wollte schauen, ob ich helfen kann.“

Held des Horrorunfalls auf B2: Auch andere Passanten helfen

Aus dem Autowrack  hat Amdreas Fischer mit weiteren Helfern zwei Kinder gerettet. Vorher sammelte er bei anderen Autofahrern Feuerlöscher ein und löschte, weil das Auto brannt. 

Er parkt am Rand der Auffahrt zur Bundesstraße und eilt die letzten Meter zu Fuß zum Unfallort. Dort wurde Fischer schnell das Ausmaß der Katastrophe klar. „Schon aus dem ersten Auto ist jemand aus dem Beifahrerfenster geklettert.“ Fischer beruhigt den zittrigen Mann und setzt ihn in den Rasen. Dann eilt er zu dem Auto einer Eichenauer Familie. Im Rückraum des Fahrzeugs sitzen zwei kleine Kinder, deren Mutter ist auf dem Fahrersitz eingeklemmt. Fischer wählt sofort den Notruf. Dann bemerkt er, dass das Fahrzeug der Familie zu brennen beginnt. Sofort treibt der Olchinger Feuerlöscher bei den mittlerweile im Stau stehenden Autos auf. „Insgesamt sieben Feuerlöscher habe ich verbraucht“, erzählt er.

Ein an dem Unfall beteiligter Sprinterfahrer rettet unterdessen die beiden Kinder aus dem Auto. Unter ihnen Jan S. aus Gilching und Stefan V. aus Gröbenzell. Auch sie erhalten für ihren Einsatz die Christophorus-Medaille. Alle Versuche der Ersthelfer, die eingeklemmte Mutter zu befreien, scheitern jedoch. Erst als die Rettungskräfte mit schwerem Gerät anrücken, kann auch sie gerettet werden. Bis die Feuerwehr vor Ort ist, „hat es sich wie eine Ewigkeit angefühlt“, sagt Fischer. Seine fast 15-jährige Erfahrung bei der Freiwilligen Feuerwehr habe ihm zwar geholfen. Mit einem Einsatz könne man die Situation aber nicht vergleichen.

Held des Horrorunfalls auf der B2: Habe höchsten Respekt vor der Familie der Opfer

„Es ist etwas anderes als Privatperson, als wenn man als Feuerwehrmann zu einem Einsatz fährt.“ Normalerweise wird man alarmiert, legt die Einsatzkleidung an und fährt mit der gesamten Mannschaft zum Unfallort. Dort gibt es dann feste Arbeitsabläufe. „Bei dem Unfall war ich allein. Ich wurde da eiskalt reingeworfen.“

Mit der Familie der Opfer hat er sich einige Zeit nach dem Unfall getroffen. „Ich war bei ihnen zu Hause. Wir haben mehrere Stunden lang geredet“, erzählt Fischer. „Ich habe höchsten Respekt vor ihnen. In nur einer Sekunde wurde dort das Familienglück ausgelöscht.“ Die 18-jährige Unfallverursacherin erhielt in der folgenden Gerichtsverhandlung eine Leseweisung

(Die Gründe für das milde Urteil haben wir hier für Sie zusammengefasst.)

Fischer dagegen wird jetzt für seinen mutigen Einsatz ausgezeichnet. Auf die Ehrung freut er sich sehr, sogar den eigentlich geplanten Urlaub hat er dafür um einen Tag verschoben: „So etwas gibt es nur einmal im Leben.“ Vergessen kann er den 31. März 2017 nicht mehr: „Wenn ich an dem Haus der Familie vorbeifahre, kommen jedes Mal die Erinnerungen wieder hoch.“

Bei einem anderen schweren Unfall wickelte sich das Auto von zwei Schwestern um einen Baum im Landkreis Cloppenburg bei Bremen. Das berichtet nordbuzz.de*. Zwei Landschaftsgärtner haben auf der A94 bei Mühldorf eine mögliche Katastrophe verhindert. Sie schritten mutig ein und stoppten eine Geisterfahrerin.

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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