Ende Juli haben Bauarbeiter erneut die Jahnstraße aufgerissen. Diesmal wurde die Straße neu geteert. Laut Anwohner Hermann Selb wurde auch diese Baumaßnahme nicht angekündigt.

Ärger wegen Ausbau von Fernwärme-Netz 

Baugrube: 14 Tage ohne Auto 

Olching - Der Ausbau des Fernwärmenetzes in Olching schreitet voran. Doch nicht jeder Bürger ist davon begeistert. Hermann Selb konnte wegen einer aufgerissenen Straße von einem Tag auf den anderen nicht mehr seine Grundstückszufahrt benutzen und ist sauer auf die Stadtwerke.

Rund 14 Tage lang musste die Familie Selb Anfang Juli ohne Auto auskommen. Das stand zwar Zuhause auf dem Grundstück an der Jahnstraße. Doch der 48-Jährige konnte mit seinem Wagen nicht auf die Straße fahren. Vor seiner Zufahrt hatten Bauarbeiter im Auftrag der Stadtwerke Olching ein rund zwölf Quadratmeter großes Loch ausgehoben, um eine Fernwärmeleitung zu verlegen – und das ohne entsprechende Vorankündigung, wie der 48-Jährige betont. „Ein Nachbar war daheim und hat sein Auto noch heraus bekommen, die anderen waren die Gelackmeierten“, erzählt Selb. 

Natürlich wusste der Grundstückseigentümer aus der Presse, dass Leitungen im Stadtgebiet verlegt werden und dass es auch in seiner Straße zu stundenweisen Einschränkungen bei der Benutzung von Zufahrten kommen kann. „Aber wie hier in der Jahnstraße vorgegangen wurde, war schon abenteuerlich.“ 

Selb geht davon aus, dass die Stadtwerke nur sporadisch die Anwohner über die Bauarbeiten und deren Auswirkungen informiert haben. Auf seinem Grundstück gibt es neben dem Mehrfamilienhaus direkt an der Straße noch zwei Wohngebäude im hinteren Bereich. „Die haben nur im vorderen Gebäude Zettel eingeworfen“, meint der 48-Jährige. In den Briefkästen der Rückgebäude sei keine Vorab-Info gelandet. 

Ende Mai schwante Selb aber dann Böses: Denn plötzlich waren auf der Straße, unmittelbar vor der einzigen Zufahrt für die Rückgebäude, große, farbige Markierungen auf die Fahrbahn gesprüht worden. „Daraufhin haben wir mit Sorge mit den Stadtwerken telefoniert“, erzählt Selb. Man habe darauf hingewiesen, dass es, wenn die Zufahrt gesperrt ist, keinerlei Zugangsmöglichkeiten für Rettungskräfte gebe. Auf Nachfrage beim Ordnungsamt der Stadt habe man die Auskunft erhalten, dass es eine Genehmigung für eine stundenweise Einschränkung in der Nutzung der Zufahrten gebe. „Eine Genehmigung für eine dauerhafte Sperrung von Zufahrten wurde verneint.“ 

"Das ist eine völlig chaotische Arbeitsweise"

Am 28. Juni sei dann plötzlich die Straße aufgerissen worden. Erst drei Tage später sei man per Schreiben offiziell über die Komplettsperrung informiert worden. „Das ist eine völlig chaotische Arbeitsweise“, findet Selb. „Wenn es bei uns gebrannt hätte, wäre keine Feuerwehr hingekommen.“ Selb hat sich daraufhin sofort per E-Mail bei den Stadtwerken beschwert und auch das Ordnungsamt eingeschaltet. Eine Antwort der Stadtwerke habe es nicht gegeben. 

Erst am 12. Juli sei das Loch vor der Zufahrt mit einem Sand-Kies-Gemisch provisorisch zugeschüttet worden und man habe die Zufahrt wieder benutzen können. „Auch hier gab es keinerlei Hinweise durch die Stadtwerke“, ärgert sich Selb. 

Mittlerweile ist die Straße provisorisch geteert worden und ein Vertreter der Stadtwerke hat Selbs Frau für die Unannehmlichkeiten einen Strauß Blumen überreicht. Doch für Selb ist die Sache damit nicht erledigt. Er hat einen Anwalt eingeschaltet und fordert von den Verantwortlichen einen Nutzungsausfall. „Dabei geht es mir wirklich nicht um die paar Euro“, betont der Anwohner. Aber so könne man mit den Bürgern einfach nicht umspringen. Er will die Stadtwerke auch zum Nachdenken bringen – damit sie in Zukunft besser informieren und die berechtigten Interessen der betroffenen Anwohner achten. 

Seitens der Stadtwerke kann man die Aufregung nicht verstehen. „Mir tut es leid, dass nicht alles zur Zufriedenheit funktioniert hat. Ich kann es jetzt aber nicht mehr ändern“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Falk-Wilhelm Schulz. Wie er betont, habe man alles getan, um die Anwohner über die Bauarbeiten zu informieren. „Das liegt ja in unserem eigenen Interesse, dass beim Fernwärme-Ausbau alles funktioniert. Wir wollen ja Kunden gewinnen.“ Er verweist darauf, dass man die Anwohner nicht nur schriftlich auf die Baumaßnahmen aufmerksam gemacht habe. „Wir hatten auch mit vielen Bürgern persönlichen Kontakt.“

Er kann sich nicht vorstellen, dass der Bote, der die Infoschreiben verteilt hat, diese nur ins vordere Gebäude eingeschmissen hat. Denn es habe sich nur Selb beschwert, aber keiner der Mieter, die im hinteren Bereich des Grundstückes wohnen. 

Schulz gibt aber auch zu, dass derartige Arbeiten mit Belastungen für die Anwohner verbunden sind. Zumal in der Jahnstraße eine Hauptleitung gelegt werden musste und vor Selbs Haus wegen eines Gullys, sprich: Straßenablaufs das Loch besonders groß war. „Wir gehen mit den Leitungen jetzt sukzessive in die Innenstadt. Da wird es immer schwieriger, sie zu verlegen.“ 

Der Stadtwerke-Chef verweist ferner darauf, dass es ja nicht nur Nachteile für die Anlieger gebe, wenn man die Straße aufreiße. Als Beispiel nennt er die Heckenstraße, in der zuletzt nicht nur die Stadtwerke, sondern auch der Amperverband Leitungen verlegen ließ. Dort habe man die Straße nach den Bauarbeiten grundlegend saniert. Bedankt habe sich bei ihm aber noch nie jemand, Beschwerden gibt es dafür immer wieder. 

Julia Henderichs, im Olchinger Rathaus für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, betont, dass dem Ordnungsamt in diesem Fall kein Vorwurf zu machen sei. Denn das Amt könne nur genehmigen, was beantragt wird, sei aber nicht für die Baustellenabläufe zuständig. Im Fall Jahnstraße habe es seitens der Stadtwerke auch einen sehr kurzfristigen Antrag auf eine dauerhafte Sperrung von Zufahrten gegeben. Das sei nicht der Regelfall, so Henderichs. „Die Stadt bedauert den Vorfall“, betont sie. Bürgermeister Andreas Magg werde mit den Verantwortlichen der Stadtwerke dem Fall nachgehen und alles daran setzen, den Ablauf derartiger Bauarbeiten zu optimieren.

Getränkemarkt bangte um Sommergeschäft 

Direkt an das Grundstück von Hermann Selb grenzt der Getränkemarkt Knorr. Auch dort wurde man von den Bauarbeiten am 28. Juni komplett überrascht, wie Geschäftsinhaberin Beate Knorr erzählt. „Die Bauarbeiter kamen ausgerechnet an einem Freitagvormittag. Es ist Sommer, und das Wochenende steht vor der Tür. Da machen wir normalerweise unser bestes Geschäft.“ 

Die Knorrs intervenierten und erreichten schließlich, dass vor ihrer Zufahrt erst am Montag aufgerissen wOurde. „Wir haben dann in der Früh einen Lkw nach draußen gestellt, damit wir auch unsere Lieferungen durchführen können“, erzählt Knorr. Eigentlich sollten dann schnell ein parr Metallplatten über das Loch gelegt werden, damit die Kunden schnell wieder aufs Grundstück fahren können. „Aber auch das hat sich ewig hingezogen.“ Knorr kann auch nicht verstehen, warum man die Straße so aufgerissen hat, dass man weder von der Fritz-, noch von der Pfarrstraße aus, an ihr Geschäft heranfahren konnte. „Das hätte anders geplant werden müssen“, findet sie.

von Stefan Weinzierl 


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