Olching

Aufruf an alle Vermieter: Wohnungen für Moria-Flüchtlinge gesucht

Zerstörtes Flüchtlingslager im griechischen Moria: Viele Familien mit Kindern stehen vor einer aussichtslosen Zukunft. In der Stadt Olching will man wenigstens einigen von ihnen helfen.

Aus der Stadt Olching kommt ein dringender Appell: Vermieter werden gebeten, Wohnungen für Flüchtlinge aus Moria zur Verfügung zu stellen, um diese aus den katastrophalen Zuständen vor Ort zu befreien.

Olching – Aus dem Kreis der Asylhelfer ertönt klare Kritik am Vorgehen der Bundesregierung. Deutschland habe sich zwar bereit erklärt, 1553 anerkannte Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen, doch das sei zu wenig. „Das ist beschämend für ein Land mit 80 Millionen Einwohnern“, sagt Sprecher Karl-Heinz Theis. Die Hoffnung: Wenn aus den Kommunen die Bereitschaft signalisiert wird, Flüchtlinge aufzunehmen, könnte sich die Zahl noch ändern.

Olching: Wohnungssuche für Moria-Flüchtlinge - Asylheime scheiden aus

Viele Gemeinden hätten dies bereits getan, auch in der Kreisstadt wurde dies heftig diskutiert. Der Helferkreis konnte auch Bürgermeister Andreas Magg überzeugen, sich grundsätzlich an der Aktion zu beteiligen. Die Kirchen sind ebenso dabei. Weil die Flüchtlinge allerdings nicht im Rahmen eines regulären Asylverfahrens kämen, könnten sie nicht in die Flüchtlingsunterkünfte der Regierung von Oberbayern ziehen.

Bürgermeister Magg erklärt: „Da wir leider selbst keinen Wohnraum anbieten können, sind wir darauf angewiesen, dass Olchinger, die Wohnraum besitzen, diesen zur Verfügung stellen. Ich hoffe sehr, dass wir auf diese Weise immerhin ein paar wenigen Menschen eine neue, sichere Heimat bieten können.“ Dabei gehe es nicht um Hunderte von Menschen. „Wenn wir drei oder vier Familien aufnehmen, würde das in Olching mit seinen 30 000 Einwohnern überhaupt nicht auffallen. Aber es wäre ein schönes Zeichen der Humanität und Solidarität.“

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Olching: Tradition der Aufnahme von Flüchtlingen

Olching würde damit an eine lange und gelebte Tradition in der Aufnahme von Flüchtlingen anknüpfen. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 7779 Einwohner – und 1439 Heimatvertriebene aufgenommen. Allerdings waren die Zahlen im gesamten Landkreis hoch. Olching war mit 18,5 Prozent gar nicht so stark belastet. In Egenhofen oder Holzhausen (Alling) lag der Anteil bei mehr als 40 Prozent. Die Menschen kamen mit Eisenbahntransporten und stammten größtenteils aus Schlesien, Ostpreußen und der Tschechoslowakei. 1946 machten sie 20,4 Prozent der Gesamtbevölkerung im Landkreis aus. Sie wurden zunächst in Auffanglagern untergebracht.

In Olching wohnten sie in zwei ehemaligen Wehrmachtsbaracken am Amperkanal und an der Heckenstraße. 1948 wies der Arzt Dr. Schwegler auf die unhaltbaren und menschenunwürdigen Zustände dort hin. Die Gemeinde sah sich damals allerdings außerstande, etwas dagegen zu unternehmen, denn sie hatte alle Rücklagen durch die Währungsreform verloren. Trotzdem habe man 3000 Mark zur Verbesserung der Verhältnisse investiert.

Aufruf in Olching: Hilfe für Moria-Flüchtlinge

Deshalb bildete sich 1949 eine gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft mit 70 Mitgliedern – die Hälfte davon Flüchtlinge. Sie errichtete am Westufer der Amper die ersten 16 Wohnungen. Weil staatliche Gelder spärlich flossen, war die Unterstützung der örtlichen Firmen und Landwirte wichtig. Die Bauern erklärten sich bereit, alle Fuhrleistungen kostenlos zu übernehmen.

Die Unternehmen zeichneten einen Teil ihrer Arbeiten als Anleihen und stellten sie so der Genossenschaft als Kapital zur Verfügung. Im April 1950 feierte das erste Haus der Baugenossenschaft Olching-Gröbenzell Richtfest. Die Gemeinde übertrug ihr daraufhin weitere, größere Bauvorhaben. Auf ehemaligem Bahngrund sollte eine Flüchtlingssiedlung entstehen. In Gröbenzell, das damals noch zu Olching gehörte, baute die Genossenschaft an der Grünfinken- und der Sommerstraße. An diesen Zusammenhalt von damals möchte der Helferkreis anknüpfen.

Vermieter können sich per E-Mail an info@helferkreis-asyl-olching.de wenden.

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