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Corona gab ihm den Rest: Traditionsunternehmen schließt nach 143 Jahren - „Dem Opa blutet das Herz“

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Von: Peter Loder

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Sie schmeißt den Laden: Manuela Andrä berät die Kunden allein, nachdem vor drei Jahren die letzte Mitarbeiterin in Rente gegangen ist. Da kamen schon die ersten Gedanken zur Geschäftsaufgabe auf.
Sie schmeißt den Laden: Manuela Andrä berät die Kunden allein, nachdem vor drei Jahren die letzte Mitarbeiterin in Rente gegangen ist. Da kamen schon die ersten Gedanken zur Geschäftsaufgabe auf. © Weber

143 Jahre lang war der Modeladen Andrä in Olching eine Institution. Im nächsten Jahr soll nun Schluss sein. Die Corona-Pandemie hat dem Traditionshaus den Rest gegeben.

Olching – Nach 143 Jahren ist Schluss: Das traditionsreiche Olchinger Modehaus Andrä an der Feursstraße schließt seine Pforten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, die Pandemie beschleunigte die Entscheidung allerdings. Der Räumungsverkauf hat begonnen. Endgültig vorbei ist es aber erst im nächsten Jahr.

Eine schwere, mittlerweile überstandene Erkrankung der Mutter leitete in der Modehaus-Familie Andrä bereits vor drei Jahren die ersten Gedanken zur Geschäftsaufgabe ein. Hinzu kam die Corona-Krise und die damit verbundene, weiterhin bedrohliche Existenzlage. „Während des Lockdowns hatten wir viel Zeit zum Nachdenken“, sagt Jessica Andrä, die Ur-Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers. Sie hilft im organisatorischen Bereich und bei der Buchhaltung, ist aber hauptberuflich in der Personalabteilung eines Münchner Autokonzerns beschäftigt.

Aus für Traditionsunternehmen Andrä in Olching: Dem Seniorchef blutet das Herz

In der Corona-Pandemie kristallisierte sich immer mehr eine Entscheidung heraus. Auch weil die Situation kompliziert bleibe. Der Entschluss zur Geschäftsaufgabe sei aber letztlich „ein Mischmasch aus allem“ gewesen. „Zwar blutet dem Opa das Herz“ – und es sei zunächst sehr schwer für ihn gewesen, das nahende Aus einer Familien-Ära zu akzeptieren. Zumal das nun seit acht Jahrzehnten an der Feursstraße bestehende Modehaus erst vor drei Jahren komplett umgebaut und modernisiert worden war. Doch mittlerweile sei der 86-jährige Seniorchef Andreas Andrä davon überzeugt, dass „Gesundheit und Zeit mit- und füreinander das Wichtigste für die Familie“ wären.

So fing die Andrä-Ära an: das erste Ladengeschäft in Esting, aufgenommen im Jahr 1929. 	Archiv-Repro: ad
So fing die Andrä-Ära an: das erste Ladengeschäft in Esting, aufgenommen im Jahr 1929. © ad

Vor ein paar Tagen wurde der Räumungsverkauf gestartet. Neben Bekleidung ist auch das gesamte Inventar zu haben. Was mit dem in Familienbesitz befindlichen Gebäude passiert, ist noch völlig unklar. Ob neue Geschäfte einziehen oder die Verkaufsfläche zu Wohnungen umgebaut wird, will der Familienrat in aller Ruhe entscheiden. Zeit dazu ist noch genügend: Die endgültige Modehaus-Schließung ist erst im ersten Quartal 2022 geplant. Womit dann auch das 143. Jahr erreicht wäre.

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Aus für Familienbetrieb: 143 Jahre Modehaus Andrä - jetzt soll Schluss sein

Denn 1879 hatte der zunächst noch von Haus zu Haus ziehende Schneidermeister Michael Andrä als selbstständiger Handwerker den Grundstein gelegt. Sein Sohn Andreas eröffnete 1929 in Esting den ersten Modeladen. Ebenfalls Andreas hieß der Enkel des Gründers, der 1940 mit dem Geschäft nach Olching umzog.

Den gleichen Vornamen trugen auch die nächsten beiden Andrä-Generationen, in deren Zeit die im Jahr 1960 eröffnete Filiale in Fürstenfeldbruck fiel. Vor zehn Jahren wurde dieser Standort an der Schöngeisinger Straße geschlossen, das Mutterhaus in Olching bestand weiter.

Seit drei Jahren ohne Mitarbeiter: Tochter Manuela berät im Modeahaus Andrä alleine

Andreas IV., der jetzige Seniorchef, ist der einzige in der Andrä-Dynastie, der nicht das Schneiderhandwerk erlernt, sondern eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert hatte. Die Geschäftsleitung hat er mittlerweile an seine Tochter Manuela übergeben. Nachdem vor drei Jahren die letzte Mitarbeiterin in Rente gegangen war, ist die 56-Jährige allein im Laden und berät die Kunden.

Die Corona-Krise wird im Einzelhandel viele Lücken hinterlassen. Bereits in vielen anderen Städten mussten traditionsreiche Häuser schließen oder Insolvenz anmelden, wie zum Beispiel in München, Starnberg oder Weilheim. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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