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Das Reh hatte keine Chance. Der Hund biss dem Tier die Kehle durch.

Er biss Reh Lilly grausam tot

Drama um Todesschuss auf Hund: Nun spricht der Jäger

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Ein Jäger hat in einem Olchinger Waldstück einen wildernden Hund erschossen. Die Hundebesitzerin fordert nun Schadensersatz – der Jäger aber verteidigt sein Vorgehen.

Olching – Das Jahr ist gerade einmal zwei Tage alt, als in einem Waldstück an der Dachauer Straße in Geiselbullach ein Haustier zum blutrünstigen Raubtier wird. So zumindest hat es der Jäger, der seit fast 20 Jahren für das Revier zuständig ist, erlebt. Als ein markerschütternder Schrei ertönt, macht er sich auf die Suche nach dem Ursprung. Er entdeckt in einem eingezäunten Bereich des Waldes einen Weimaraner Jagdhund, der sich fest in der Drossel, so nennt man die Kehle in der Jägersprache, eines Rehs verbissen hat und den Körper herumwirbelt. „Der war völlig im Blutrausch“, sagt der Jäger.

Hund ließ trotz Warnschuss nicht vom Reh ab

Von Frauchen und Herrchen keine Spur. Mit seiner Schrotflinte gibt er zunächst einen Warnschuss ab. Der Hund reagiert nicht. Also schießt der Jäger noch einmal, diesmal auf das Hinterteil des Tieres. Der Hund lässt daraufhin von seiner Beute ab und flieht. Doch es ist zu spät: Das Reh ist schwer verletzt, der Jäger muss es erschießen. Auch der Jagdhund wird später tot aufgefunden.

Merkurvideo: So schützen Sie sich vor freilaufenden Hunden

Es ist das erste Mal, dass ein Jäger im Landkreis einen wildernden Hund erschießt. Zumindest kann sich der Chefjäger des Landkreises, Gerhard von Hößlin, an keinen vergleichbaren Vorfall erinnern. Hößlin sagt ganz klar: „Die Vorgehensweise war legitim.“ Der Kreisvorsitzende des bayerischen Jagdverbandes betont ausdrücklich, dass das Töten von wildernden Hunden durch das bayerische Jagdgesetz klar geregelt ist. Auch die Tatsache, dass es ein Jagdhund gewesen sei, ändere daran nichts (siehe unten).

Im Gegenteil: Der Hund sei einen Kilometer von zuhause weg gewesen und kein Mensch, der für ihn verantwortlich ist, habe sich in der Nähe befunden. „Das ist eigentlich unfassbar“, empört sich Hößlin. Hunde wie der Weimaraner würden in Jägerhand gehören, wo sie entsprechend erzogen würden. „Dann werden sie auch niemals ein Reh hetzen.“ Oder vielleicht sogar Schlimmeres.

Das Reh wurde schon einmal von einem Hund angegriffen 

Die Besitzerin des Hundes will sich gegenüber der Zeitung nicht äußern, hat aber offenbar Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens des Jägers. Sie hat einen Anwalt eingeschaltet und fordert Schadensersatz.

Der Jäger hat dafür kein Verständnis. „Ich habe diese Situation nicht herbeigeführt“, sagt er. Bisher habe er auch mit Hundehaltern nie Probleme gehabt. Er selbst leide furchtbar unter der ganzen Sache. „Ich muss diese Bilder auch verarbeiten.“ Nicht nur der Hund wurde von seiner Familie heiß geliebt. Das Reh war auch der Liebling von vielen Kindern. Sie nannten es „Lilly“. Der Jäger hat es aufgenommen, nachdem es in Martinsried schon einmal von einem Hund angefallen worden war. „Ich dachte, hier bei uns, da ist es sicher.“

Ein Hund dieser Art wurde nach dem Angriff auf das Reh vom Jäger erschossen.

Wie es überhaupt so weit kommen konnte, ist derzeit noch nicht ganz klar. Fest steht laut Polizei lediglich: Der Hund ist weggelaufen, entweder beim Gassigehen oder von daheim. Die Besitzerin hat sich an dem Tag des Vorfalls hilfesuchend an die Polizei gewandt, weil sie nicht wusste, wo ihr geliebter Vierbeiner ist.

Dort traf sie dann offenbar auf den Jäger, der ihren Hund kurz zuvor erschossen hatte und das pflichtgemäß bei der Polizei meldete. Gemeinsam mit einem Hundeführer suchten sie das Areal ab und fanden den Weimaraner schließlich tot auf.

So ist es im bayerischen Jagdgesetz geregelt

Die juristische Grundlage dafür, dass Jäger wildernde Hunde erschießen dürfen, basiert unter anderem auf dem Artikel 42 des bayerischen Jagdgesetzes. Hier ist laut Gerhard von Hößlin, Vorsitzender der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck des Bayerischen Jagdverbands, klar geregelt, wann diese Maßnahme angewendet werden darf. Gleichzeitig betont er aber auch, dass diese immer als eine „ultima ratio“, also als das letztmöglich geeignete Mittel, zu bewerten ist. 

Im Gesetz heißt es: „Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt, wildernde Hunde und Katzen zu töten. Hunde gelten als wildernd, wenn sie im Jagdrevier erkennbar dem Wild nachstellen und dieses gefährden können.“ Weiter heißt es, dass diese Befugnis nicht gilt gegenüber „Jagd-, Dienst-, Blinden- und Hirtenhunden soweit sie als solche kenntlich sind und solange sie von der führenden Person zu ihrem Dienst verwendet werden“. 

Der wildernde Weimaraner war nicht einmal im Einwirkungsbereich von Herrchen und Frauchen unterwegs. Der Olchinger Jäger habe vollkommen legitim gehandelt – obwohl es sich um einen Jagdhund handelte und der Vorfall äußerst tragisch sei. 

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Kommentare

So iss esAntwort
(0)(0)

Und an die 3 Jahre glauben Sie selbst? Abgesehen davon bezweifele ich den Tatbestand Jagdwilderei, da das Reh aus Gatterhaltung, also nicht "wildlebend" nach §1(1) ist. Dies würde im Übrigen die ganze restliche mit unseren Jagdfreunden geführte Diskussion hier ins OFF-TOPIC bugsieren.

So iss esAntwort
(0)(0)

Uuups, da war sie ja wieder, die fehlende Nettiquette.

So iss esAntwort
(0)(0)

Immerhin etwas Besserung im Sinne der Nettiquette... Wissen und Ansicht weiterhin "streitbar".