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Eine Wasserfläche so groß wie drei Tennisplätze hat der Baumeister-Fleiß des Bibers auf der ehemaligen Nacktbade-Fläche angestaut.

Am kleinen See

Biber setzt frühere FKK-Wiese in Olching unter Wasser

Im Vergleich zu seinem großen Bruder fristet der kleine Olchinger See ein Schattendasein. Momentan ist das Gewässer aber Schauplatz einer unterhaltsamen Geschichte. 

Gröbenzell/Olching – Drama oder Komödie – das kommt auf die Sichtweise an. Die Protagonisten: Ein Bauer, Badegäste, der Biber, die Bahn und die Behörden. Jahre, wenn nicht Jahrzehnte lang, ging am kleinen Olchinger See alles seinen gewohnten Gang. Während es die Massen in den warmen Monaten an den großen See jenseits der Bahngleise zog, herrschte an dem weniger bekannten Gewässer Ruhe. Beliebt war bei den Badegästen vor allem ein Stückchen Wiese an der Nordwestseite. Und viele von ihnen bräunten sich dort so, wie Gott sie schuf. Doch die Nackerten ließen zu oft ihren Müll einfach liegen. Für den Besitzer des Feldes ein großes Ärgernis. Immer wieder musste der Landwirt den Unrat wegräumen. 2014 zog der Bauer schließlich die Reißleine. Er ackerte die Wiese um. Fürs Sonnenbaden ist seitdem nicht mehr viel Platz an dieser Stelle.

Bäume gefällt

Ganz in der Nähe der Bahnstrecke nach München ist Meister Bockert aktiv. Noch sind die Gleise nicht gefährdet.

Die Lücke, die die ab da ausbleibenden Badegäste hinterlassen haben, hat jetzt ein anderer Besucher gefüllt. Der Biber scheint sich zwischen See, Acker und angrenzendem Bahndamm sehr wohlzufühlen. Jedenfalls macht er genau das, was ihm seine Instinkte befehlen. Er fällt Bäume und staut Wasser auf. Zum Sonnenbaden ist dort jetzt endgültig kein Platz mehr.

Bernhard Huppmann kommt öfter beim Joggen an dieser Stelle vorbei. Dem Olchinger hat sich ein Verdacht aufgedrängt: „Scheinbar arbeiten da jetzt Bauer und Biber Hand in Hand gegen die Nackerten“, meint Huppmann augenzwinkernd. Mit den Unbekleideten hat der Olchinger kein Problem. Im Gegenteil: „Ich bin am Eisbach in München aufgewachsen. FKK ist etwas ganz normales für mich.“ Probleme habe es am kleinen Olchinger See damit nie gegeben. Nur der Müll, den einige einfach haben liegen lassen, sei ärgerlich gewesen.

Bauer will ja keinen Reis anbauen

Mit den Hinterlassenschaften gibt es jetzt keine Probleme mehr. Auch auf dem Streifen, den der Landwirt an der Südwestseite des Sees für Badegäste frei lässt, nicht. Dort räumen Mitarbeiter der Gemeinde Gröbenzell und der Stadt Olching jetzt auf.

Kopfzerbrechen bereitet dem Bauern jetzt allerdings der neue tierische Badegast. Sein Feld werde durch die Aktivitäten des Bibers gehörig überschwemmt. „Und ich will ja keinen Reis anbauen“, sagt er.

In der Verantwortung sieht der Landwirt auch die Bahn. Denn die Hauptaktivitäten des Bibers lägen auf deren Gelände. Die Gleise der Strecke München-Augsburg und der S 3 verlaufen direkt am See vorbei. Und dort staue das Tier das Wasser auf.

Kein Bahn-Biber - oder doch?

Diese Bäume hat der Olchinger Biber gefällt

Die Bahn ihrerseits will mit der Sache aber nichts zu tun haben. „Es ist ja kein Bahn-Biber“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Aktiv werde man nur, wenn Bahn-Anlagen in Gefahr seien, erklärt der Sprecher. Also etwa, wenn der Baumeister den Bahndamm untergräbt oder sein aufgestautes Wasser die Gleise unterspült. Im Bereich des Kleinen Olchinger Sees habe man darüber aber keine Erkenntnisse.

Dem Landwirt reichen seine Erkenntnisse. Deshalb hat er eine Abschussgenehmigung bei den Behörden beantragt. Die zuständige Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt sieht die Angelegenheit allerdings anders. Das gestaute Wasser stamme vom nur wenige Meter entfernten Zitzstaudengraben. Wo dieser unter den Gleisen hindurchfließt, hat die Bahn Gitter angebracht – damit der Biber den Durchfluss nicht blockiert.

Kein Abschuss-Grund

Damit hat das Unternehmen aber offenbar ein Eigentor geschossen. Denn eben an jenem Gitter bleiben Äste und Maisstängel hängen. „Für das angeschwemmte Material sind sicherlich auch die Biberaktivitäten ursächlich“, heißt es von der Behörde.

Für einen Abschuss des possierlichen Nagers gebe es aber keinen Grund. Das Landratsamt sieht vielmehr die Bahn in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Graben nicht gestaut werde. So gesehen, handelt es sich also doch um einen Bahn-Biber – auch wenn das Unternehmen bemüht ist, sich von dem possierlichen Nager zu distanzieren.

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