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Andreas Hatzl muss mit den großen Maschinen oft auch durch enge, zugeparkte Straßen.  „Gerade in der Nähe von Siedlungenversuchen wir, Störungen durchLärm und Staub zu vermeiden.“

Landwirte in der Stadt

Botschafter für den Berufsstand Bauer

Bauern zählen in der Stadt mittlerweile zu den Exoten. Flächenfraß und Verkehr machen den Landwirten das Leben schwer. Doch der urbane Raum bietet auch Vorteile. Ein Besuch auf dem Hatzlhof im Olchinger Stadtteil Esting.

Esting – Der Hahn plärrt auf dem Misthaufen, auf der Weide blöken die Schafe, die Bäuerin schleppt Milchkannen über den Hof: So oder so ähnlich sieht für viele das idealtypische, romantisch verklärte Bild eines Bauernhofs aus. Steuert man den Estinger Hatzlhof an, wird aber schnell klar: Mit der Realität hat das nicht mehr viel zu tun.

Nach einem großen Kreisverkehr reihen sich Tankstelle, Autohandel und Dekra-Niederlassung aneinander. Erst die nächste Abfahrt lässt vermuten, dass hier Landwirtschaft betrieben wird. Hahn, Misthaufen oder die Milch schleppende Bäuerin sucht man jedoch auch hier vergebens. Um einen großen, asphaltierten und picobello aufgeräumten Hof gruppieren sich mehrere Gebäude. Würde nicht aus einem Tor ein Bulldog hervor luren, könnte man sich in einem normalen Gewerbebetrieb wähnen.

Und genau das ist es ja auch. Andreas Hatzl und seine Familie haben zwischen Amper und B 471 ein modernes landwirtschaftliches Unternehmen aufgebaut – einen urbanen Bio-Bauernhof. Der Landwirtschaftsmeister weiß die Vorteile des städtischen Umfelds durchaus zu schätzen. Auf seinen Beruf und das, was er tut, ist der 47-Jährige stolz. Und hier am Olchinger Stadtrand sehen die Leute, wie der Betrieb arbeitet, wie Kartoffeln, Getreide oder Soja gedeihen und welcher Aufwand dafür nötig ist. Wenn man so will, ist die Familie Hatzl auch so etwas wie ein Botschafter für den Berufsstand des Bauern.

Doch für den Geschäftsmann Andreas Hatzl gibt es auch ganz pragmatische Vorteile: „Im Ballungsgebiet gibt es gute Vermarktungsmöglichkeiten“, sagt er. Die Gleichung ist einfach: Viele Menschen bedeuten auch viele potenzielle Kunden. Und auch die gute Verkehrsanbindung mit Bundesstraße und naher Autobahn weiß der Landwirt zu schätzen.

Denn die auf 180 Hektar erwirtschafteten rund 2000 Tonnen Kartoffeln und 600 Tonnen Mähdruschfrüchte wie Dinkel, Roggen oder Erbsen müssen ja irgendwie an den Mann gebracht werden. Hinzu kommen die vielen Erdäpfel, die die Bauern aus der Region an seinem Kartoffel-Abpack-Betrieb anliefern.

Doch wo die Sonne scheint, gibt es auch Schatten. Denn wo viele Menschen leben, gibt es auch solche, die sich durch große Maschinen, Lärm und Staub gestört fühlen. „Gerade in der Nähe von Siedlungen versuchen wir, Störungen zu vermeiden“, sagt Hatzl. Immer sei das aber nicht möglich.

Und mit den großen Mähdreschern oder Kartoffelerntern werde es manchmal schon sehr eng in den Straßen. Kratzer oder auch mal ein abgefahrener Außenspiegel an geparkten Autos bleiben da nicht aus. Die Folge: Die Versicherung für die Maschinen wird teurer. Den Berufsverkehr versuchen die Hatzls so gut es geht zu meiden. Denn wie in jeder anderen Firma gilt auch auf dem urbanen Bauernhof: Zeit ist Geld.

Doch trotz des Unternehmer-Geists, der durch den Hatzlhof im Olchinger Stadtteil weht, hat sich dessen Chef einen Rest bäuerliche Romantik bewahrt. Ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn er an seine Kollegen draußen auf dem Land denkt. „Da macht man einfach mal den Schlepper aus und hört die Vögel zwitschern.“ Aich interessant: Der Sepp-Hof in Germering.

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