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Bürger lösen Rätsel der Stadtgeschichte

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Dieses Rätsel ist bereits entschlüsselt: Das Bild zeigt Therese Schwarz, die den Kiosk an der Hauptstraße neben der Bahnhofrestauration (heute Pizzeria Pico) von 1921 bis 1949 betrieb. © Fritz Scherer (Repro)

Es ist ein Experiment, das Stadtarchivarin Angelika Steer ins Leben gerufen hat: Bei einem Archiv-Stammtisch haben die Olchinger die Gelegenheit, Fotos aus ihrer Vergangenheit mitzubringen. Möglicherweise finden sich dadurch spannende Puzzleteile für die Stadt-Chronik.

Olching – Der ehemalige Olchinger Stadtrat Georg Steer hat seinen Teil zur Ergänzung der Chronik als wichtiger Zeitzeuge bereits geleistet. Beim ersten Archiv-Stammtisch, zu dem Stadtarchivarin Angelika Steer ins Bistro „Rossstall“ im KOM eingeladen hatte, erzählte er seine Geschichte noch einmal.

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In dem Wohnhaus war in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und dann nochmals von 1953 bis 1973 die Polizeistation untergebracht. Die Arresträume befanden sich im Keller. © Fritz Scherer (Repro)

Er war zehn Jahre alt, als die Bomben der Alliierten am 22. Februar 1944 in der Ampergemeinde einschlugen. Steer schaffte es gerade noch vom Kommunionsunterricht zu seinem Elternhaus. Der Gefahr war er sich erst gar nicht bewusst, er zählte auf dem Heimweg sogar noch die Flugzeuge. „Ein einziger schwarzer Haufen“, erinnerte er sich. „Dann plötzlich ein Knall und alles war vorbei.“ Der Rest ist Geschichte: 22 Tote, 56 Verletzte, 140 Obdachlose. Soweit die Chronik. Weshalb die Bomben Olching trafen, ist eines der Rätsel der Stadt. Steer glaubt, dass das Bombenfeuer eigentlich dem Militärflughafen in Fürstenfeldbruck gegolten habe. Andere spekulieren, ob es die Bahnstrecke München-Augsburg zerstören sollte.

Diese Erzählung ist für Stadtarchivarin Angelika Steer nicht neu, auch viele Olchinger dürften sie bereits

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© Ex-Stadtrat Georg Steer kennt viele der Aufnahmen, die Angelika Steer (r.) den Stammtisch-Besuchern zeigte.

kennen. Trotzdem lauschten alle der Beteiligten aufmerksam. Der Bericht von Georg Steer ist ein gutes Beispiel dafür, wie Zeitzeugen Licht ins Dunkel der Geschichte bringen können. Und davon hätte die Stadtarchivarin gerne mehr. „In der Chronik geht es nicht um persönliche Erlebnisse“, erklärt sie. Diese Lücke will sie mit dem Archiv-Stammtisch schließen. Private Fotos und Geschichten sollen dazu beitragen, die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen und möglicherweise wichtige Puzzleteile zu entdecken. Die Ergebnisse will Angelika Steer im Olchinger Mitteilungsblatt veröffentlichen. Die Stadtarchivarin bietet zudem an, Hintergründe zu Aufnahmen zu recherchieren.

Nicht immer geht es um die großen geschichtlichen Zusammenhänge wie bei dem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. Manchmal sind es einfach wunderbare, kuriose und kleine Anekdoten aus dem Leben. Eine solche kam auch beim Auftakt des Stammtisches zur Sprache. Olching hatte einmal zwei Blaskapellen, die sich auch wirklich Kapelle Eins und Zwei nannten. Die Musikanten waren sich aber spinnefeind. „Einmal hat es sogar eine Schlägerei gegeben“, berichtete jemand. Das sorgte für Gelächter. Archivarin Steer wurde gleich hellhörig: „Ich habe Fotos davon, weiß aber nicht, wer wer ist“, sagte sie. Möglicherweise kann die Runde dieses Rätsel schon beim nächsten Treffen gemeinsam lösen.

Der Olchinger Archiv-Stammtisch

Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 7. Februar, um 19 Uhr wieder im Bistro Rossstall in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) statt.

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