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Die Camper vom Ampersee

Camping in Deutschland liegt voll im Trend. Über 30 Millionen Übernachtungen verzeichnete die Branche 2016, Tendenz steigend. Auch der Campingplatz Ampersee in Graßlfing wird immer stärker frequentiert. Gründe, Wohnwagen oder Zelt einem Hotel vorzuziehen, gibt es viele.

Olching – Sie lieben die Flexibilität und die Unabhängigkeit, wenn sie mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind: Andrea und Johannes Schreiner aus Memmingen verbringen eine Woche auf dem Campingplatz am Ampersee. Mit dabei sind die drei Töchter und eine Freundin der ältesten Tochter. „Wir sind zum ersten Mal hier, und der Campingplatz gefällt uns sehr gut.“ Da ist sich die Familie einig. Die ganze Anlage samt Sanitäreinrichtungen sei sehr gepflegt.

Gefunden haben die Schreiners „Camping Ampersee“ im Internet. Sie suchten einen Platz in der Nähe von München: „Unsere älteste Tochter und ihre Freundin schnuppern gerade Uniluft in Garching – sie wollen dort im nächsten Semester Informatik und Mathe studieren“, erzählt die 49-jährige Mama. Die Teenager Alia (14) und Leonie (13) sind begeistert von der mobilen Reiselust ihrer Eltern: „Wir finden Campen total cool und spannend, weil man so viel herumkommt und die unterschiedlichsten Gegenden kennenlernt.“

Mit ihrem Wohnmobil fuhr die Familie schon kreuz und quer durch Europa: Kroatien, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, aber auch Dänemark und Holland. „Als unsere Kinder noch klein waren, war das absolut entspannend, so unterwegs zu sein“, erzählt das Memminger Paar. Eines haben sie im Lauf der letzten Jahre allerdings festgestellt: „Es wird schwieriger, einen freien Platz zu finden.“ Die alten Hasen beobachten gegenläufige Entwicklungen: Einerseits immer mehr Luxuscamper mit riesigen, teuren Wohnmobilen, andererseits Rucksacktouristen mit Zelt, die das mobile Reisen samt Campingflair für sich entdecken.

Und noch einen Trend gibt es: Dauercamping wird am Ampersee immer beliebter. „Bei uns gibt es mittlerweile eine Warteliste für Dauerplätze“, sagt Platzbetreiber Thomas Conradi. Der 40-Jährige ist quasi ins Geschäft seiner Eltern Klaus und Karin Conradi hineingewachsen.

Camping Ampersee gibt es seit 1955. 1972 übernahmen die Eltern Conradi den Platz nahe der Stuttgarter Autobahn, direkt am Ampersee gelegen. Anfangs war alles sehr überschaubar. Inzwischen hat sich das Areal gemausert auf 80 Dauerstellplätze und 35 Touristenplätze. „Bei uns geht’s immer noch recht familiär zu und wir haben neben den Dauercampern auch viele durchreisende Stammgäste, die seit vielen Jahren immer gerne wiederkommen“, freut sich Conradi.

Der Betreiber stellt fest: „In den letzten Jahren melden sich vermehrt Familien mit Kindern aus München, Fürstenfeldbruck oder Dachau, die hier das Wochenende oder freie Tage verbringen wollen und einen Dauerplatz buchen wollen.“ Die Brucker Karin und Wolfgang Mühlbauer sind seit 27 Jahren am Ampersee quasi sesshaft geworden – die Münchnerin Elfriede Garbe hat ihren Wohnwagen schon 1962 hier abgestellt und seither nicht mehr von der Stelle bewegt.

Ihre Camping-Nachbarin Hildegard Karlok aus Neu-Aubing hat hier Anfang der 1980er Jahre ihr Freizeitdomizil bezogen. Sie haben sich dauerhaft im Graßlfinger „Münchner Eck“ eingerichtet – Kinder und Enkel sind zwischen Wohnmobilen, Wohnwägen und Vorzelten groß geworden.

Mittlerweile sind die Nachkommen erwachsen – und auch längst Olchinger Camping-Stammgäste. Für Hildegard Karlok und Elfriede Garbe ist Campen zum natürlichen Traum mit Kühlschrank und Küchenzeile geworden: „Wenn es uns in der Stadt zu stickig wird fahren wir spontan hierher. Rundherum gibt’s viel Grün und einen Badesee zur Erfrischung, was will man mehr.“

Zieht es die Dauercamper vom Graßlfinger Ampersee doch mal anderswohin in den Urlaub, schlafen sie nicht im Wohnmobil. „Dann fliegen wir weg, nehmen uns ein Hotelzimmer und genießen den Rundumservice.“ Im Gegenzug machen immer wieder auch Holländer, Norddeutsche, Franzosen, Italiener und sogar Reisende vom anderen Ende der Welt Station in Olching. (akk)

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