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Facebook immer im Blick: Claus Bender sagt von sich selbst, dass er „ein kleiner Junkie“ ist.

Stammtisch im Sozialen Netzwerk 

Der Mann hinter der Facebook-Gruppe

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Wenn man Facebook als eine Parallelwelt betrachtet, dann hat Claus Bender die Fäden in der Hand, wenn es um das geht, was die Olchinger bewegt. Er verwaltet eine Gruppe im sozialen Netzwerk, die alle vereint, die sich für die Stadt interessieren. Das sind mittlerweile Tausende.

Olching– Claus Bender bringt jeden Tag tausende Menschen zusammen, ohne dass sie sich wirklich begegnen. Er stößt Diskussionen zu Themen an, zeigt Bilder von heute und aus längst vergangenen Tagen, sorgt für einen gepflegten Umgangston und eine Umgebung, in der man sich wohl fühlen kann. Wenn man so will, ist der 51-Jährige eine Art Heimatpfleger. Nur, dass das Ganze komplett virtuell abläuft. Claus Bender ist Verwalter („Admin“) von sogenannten lokalen Gruppen im sozialen Netzwerk Facebook (siehe unten). Die Arbeit, die da dahinter steckt, die ist hingegen sehr real. „Ich bin schon ein kleiner Junkie“, gesteht der 51-jährige gebürtige Olchinger. Bis zu einer Stunde am Tag ist er damit beschäftigt, neue Kommentare zu überwachen und die Seiten zu pflegen.

„Ich bin schon ein kleiner Junkie“, sagt Buchhalter Claus Bender

So sieh ein Beitrag in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Olching, wenn...“ aus.

Wie zeitintensiv das Ganze ist, zeigt allein die Gruppe „Du kommst aus Olching, wenn...“. Sie hat mittlerweile rund 4750 Mitglieder. Hunderte kommentieren, posten und interagieren pro Tag auf der Gruppen-Seite. Claus Bender, beruflich Buchhalter, schaut in regelmäßigen Abständen nach, was sich Aktuelles tut. Immerhin trägt er als Admin auch eine gewisse Verantwortung für die Inhalte. Die Gruppe sei zwar im Allgemeinen sehr homogen und anständig. „Die Selbstkontrolle funktioniert leider aber nicht immer“, erzählt er.

Das heißt, er muss darauf achten, dass niemand angegangen oder beleidigt wird, dass keine hetzerischen Inhalte wie etwa rechtsradikale Äußerungen stehen bleiben oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Bender hat die Befugnis, Kritisches zu löschen – und auch Mitglieder zu verbannen. Seine Erkenntnis: „Es gibt Menschen, die im echten Leben sehr normal sind, aber bei Facebook die Sau raus lassen.“

Claus Bender wuchs in Olching auf, lebte dort über 25 Jahre lang

Mit wem Bender da genau im Internet zu tun hat, kann er nur über die Facebook-Profile erkennen, also die Benutzerkonten, die sich die Menschen selbst anlegen. Das ist das Gesicht, das man von sich zeigen will, das aber nicht immer identisch mit der realen Person ist. Das geht schon bei der Angabe des Wohnorts los.

Bender kann an der Statistik ablesen, dass weniger als die Hälfte der Gruppenmitglieder tatsächlich in Olching wohnen. Viele, interessanterweise vor allem Frauen, hätten München als Herkunft benannt. Möglicherweise, weil das in der großen Facebook-Welt mehr Leuten etwas sagt als Olching. Möglicherweise ist die Gruppe aber auch für manche eine Möglichkeit, die alte Heimat im Blick zu behalten. Das gilt auch für den Administrator selbst. Bender ist in Olching aufgewachsen, hat dort über 25 Jahre gelebt.

Durch seine Aktivität hat sich Bender einen Namen gemacht

Jetzt wohnt er in Gernlinden. Seine erste Heimat ließ ihn nie los. Er kennt noch alte Stätten wie das Polizei-Standl und tauscht gerne mit anderen Erinnerungen aus. Erst war die Gruppe, wie im Übrigen viele dieser Art, dazu gedacht, sich dieser Nostalgie hinzugeben. Bender hat die Gruppe nicht gegründet, das war ein Olchinger, der das Pseudonym „Holmer Ah Bierherr“ benutzt. Bender kam erst vor fünf Jahren dazu. Aber er hat sich durch seine Aktivität schnell einen Namen gemacht. Es dauerte nicht lange und die Mitglieder stimmten demokratisch darüber ab, dass er Administrator werden soll. Seitdem sorgt er dafür, dass es hier wirklich um Olching geht. Beliebte Themen sind aktuell das neue Cantina, die Südwestumgehung und die Paulusgrube. Gut so, findet Bender. „Wir wollen keine Spaßbilder oder Videos“, sagt er. Auch keine politische Werbung.

Die Mühe lohnt sich – auch für die Bewohner der echten Welt

Da würde es schon paar Kandidaten geben. Vor allem vor den Kommunalwahlen würden manche sehr aktiv. Bürgermeister Andreas Magg sei allerdings scheinbar nach der letzten Wahl wieder aus der Gruppe ausgetreten. „Manchmal würde ich mir wünschen, dass es mehr Interaktion von ihm und anderen Stadträten gibt“, sagt Bender. So könnten Gerüchte und Missverständnisse auf direktem Wege geklärt oder widerlegt werden.

In einer anderen lokalen Gruppe, die er verwaltet, ist das so. Da liest der Bürgermeister quasi in Echtzeit mit. Und das birgt noch einen Vorteil: „Wenn in Maisach Glasscherben auf einer Brücke liegen und das in der Gruppe geschrieben wird, ist umgehend der Bauhof da und entfernt sie.“ Da weiß dann auch Claus Bender, dass sich die Mühe lohnt. Auch für die Bewohner der echten Welt.

Was hinter „Du kommst aus Olching, wenn...“ steckt

Im sozialen Netzwerk Facebook gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten. Eine davon ist, sich Gruppen anzuschließen, die bestimmte Interessensgemeinschaften vereinen. Das kann eben auch schlicht und ergreifend der Ort sein, in dem man wohnt oder den man gut kennt, weil man mal dort gelebt hat. Eine solche Gruppe ist auch „Du kommst aus Olching, wenn...“.

Im Prinzip kann sie jeder gründen, allerdings ist man als Administrator auch dafür verantwortlich, dass keine Verletzungen von Persönlichkeitsrechten, Urheberrechten sowie Markenrechten stattfinden. Also muss ein Administrator auch im Blick haben, was in der Gruppe passiert.

Jeder kann der Gruppe beitreten, muss aber aufgenommen werden. Je nach Einstellung muss man sich vorab aber mit den Bedingungen einverstanden erklären, die zum Beispiel einen Codex im Umgang miteinander beinhalten können. Ist man Mitglied, kann man Fotos, Links zu Artikeln, sein Befinden in einem Text oder Informationen posten (siehe Foto). Darauf können wiederum die anderen Gruppenmitglieder reagieren – also mit dem „Gefällt Mir“-Button liken oder auch kommentieren. Wiederum je nach Einstellungen des Administrators sind die Beiträge öffentlich, also auch für Nicht-Mitglieder der Gruppe, zu sehen.

Claus Bender beobachtet alle Beiträge, die in die Olching-Gruppe wandern. Sein Umgang damit wird manchmal auch kritisch betrachtet, sagt er. Nicht immer können die Mitglieder nachvollziehen, weshalb der Admin einen Beitrag löscht.

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