Vielen war es zu eng

Trotz Corona: Kundenschlange durch kompletten Rewe - Frau ruft Polizei in Supermarkt

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Der Einkauf kann in Corona-Zeiten zum Nervenkrieg werden: Wie sehr, hat ein Vorfall am Samstag im Rewe-Center in Geiselbullach gezeigt.

Olching – Da kam es zu unschönen Szenen, weil der Laden im Kassenbereich offenbar so voll war, dass Abstand halten nicht möglich war. Eine Kundin rief die Polizei – und das ist kein Einzelfall. Das Rewe-Center im Olchinger Ortsteil Geiselbullach gehört eigentlich zu den größten Lebensmittelläden im Landkreis. Hier verteilt es sich gut, könnte man meinen. Am Samstagnachmittag hat eine Kundin aber zu ihrem Entsetzten das ganze Gegenteil erlebt.

Rewe: Schlange quer durch den ganzen Laden

Der Supermarkt war so voll, dass sich die Schlange von der Kasse bis zur Metzgerei zog – also einmal quer durch den Laden. „Ich habe eine Stunde gewartet, bis ich dran war“, schildert die Frau. Es sei kaum möglich gewesen, den vorgeschriebenen Mindestabstand zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus einzuhalten. Und das bei den steigenden Infektionszahlen. Sie habe sich deshalb sehr unwohl gefühlt und sie sei nicht die Einzige gewesen.

Mehrere Kunden hätten sich beim Personal beschwert. Daraufhin hätte man den Haupteingang geschlossen, was wiederum zu einer Menschentraube vor dem Seiteneingang geführt habe. Die Kundin konnte sich das am Ende nicht mehr mit ansehen und rief die Olchinger Polizei. Die hat alles überprüft und konnte keinen Verstoß feststellen.

Supermarkt in der Corona-Pandemie: Immer wieder kommt es zu Beschwerden

Für Vize-Inspektionsleiter Winfried Naßl ist es nichts Neues, dass die Nerven bei Kunden in der Pandemie blank liegen. „Etwa einmal pro Woche werden wir in einen Supermarkt gerufen, weil etwa angeblich Abstände nicht eingehalten werden.“ Betroffen sind davon alle Lebensmittelgeschäfte.

Germerings Polizeisprecher Andreas Ruch kennt das Problem. „Das kommt immer wieder vor. Auch, wenn Kunden angeblich keine Maske tragen.“ Beliebt seien zudem Beschwerden über zu wenig Platz in der Obst- und Gemüseabteilung. In der ersten Welle sei dies aber noch deutlich gravierender gewesen.

Polizei zu Rewe gerufen: vertrackte Angelegenheit für Beamte

Für die Polizei eine vertrackte Angelegenheit: Schon allein zeitlich sei es meistens nicht möglich, die Situation zu beurteilen, wegen der man gerufen wurde. Der Maskenmuffel habe den Supermarkt dann möglicherweise schon längst verlassen und beim Obst ist nicht mehr so viel los, wie es zuvor war. „Wir sehen deshalb das Personal da in der Verantwortung“, so Ruch.

Bei der Brucker Polizei stellen sich die Beschwerden im Übrigen etwas anders dar: „Bei uns melden sich vor allem Leute, weil Geschäfte geöffnet sind, die ihrer Meinung nach gar nicht geöffnet sein dürften“, sagt Sprecher Michael Fischer.

Rewe begründet Enge: Es liegt am Umbau der Kassen

Der Geiselbullacher Fall ist eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Das Problem: Laut Filialleiter waren am Samstag sogar weniger Leute als erlaubt in dem Laden, 300 von 500 möglichen Kunden auf der Fläche von rund 9000 Quadratmetern. Aber: Der Laden wird seit Längerem umgebaut, jetzt sind die Kassen dran. Sprich: Derzeit können nur sieben statt zwölf Bezahlstationen öffnen. Und das wird auch noch einige Zeit andauern. „Das Nadelöhr wird erst einmal bleiben.“ Das wäre zu normalen Zeiten schon eine Herausforderung, erst recht in Stoßzeiten.

Rewe-Filialleiter vor schwieriger Frage: draußen warten lassen?

Die Situation lässt den Supermarkt-Chef relativ ratlos zurück. „Wie ich es mache, mache ich es falsch“, sagt er. Die einzige Alternative wäre, die Leute draußen warten zu lassen bei Wind und Wetter. „Dann kommt aber auch keiner mehr in das Einkaufscenter rein, der zum Lottoladen oder Frisör will.“

Beschwerden wegen Corona-Verstößen gab es auch in der Vergangenheit immer wieder. Der Filialleiter des Rewe-Centers appelliert an die Vernunft der Kunden: „Man muss am Samstag nicht mit der ganzen Familie zum Einkaufen gehen.“ Abstände könnten sehr wohl eingehalten werden, es erfordere aber eben Geduld – etwa bis man an die Fleischtheke herantreten und in die Auslage schauen kann. „Aber den Menschen pressiert es ja allen.“

Bei einem anderen Rewe-Supermarkt in Bayern kam es kürzlich zu einem größeren Corona-Ausbruch. Bei einer anderen Filiale staunte eine Kundin nicht schlecht, als sie ihren Einkauf auspackte.

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Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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