Die Hocker sind aufgestapelt, die Tanzfläche leer. Seit einem Jahr wird im MEC in Olching nicht mehr gefeiert. Betreiber Matthias Stuhler hat dennoch Verständnis für die Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Allerdings wünscht er sich mehr finanzielle Hilfe seitens der Politik.
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Die Hocker sind aufgestapelt, die Tanzfläche leer. Seit einem Jahr wird im MEC in Olching nicht mehr gefeiert. Betreiber Matthias Stuhler hat dennoch Verständnis für die Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Allerdings wünscht er sich mehr finanzielle Hilfe seitens der Politik.

Seit einem Jahr Totenstille

Bayerische Kult-Disco leidet unter Lockdown: Finanzielles Polster fast aufgebraucht - Chef hofft auf Politik

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Das MEC in Olching ist so etwas wie Kult: Seit 35 Jahren wird dort gefeiert und getrunken. Nun herrscht seit einem Jahr coronabedingt Totenstille. Der Disco-Chef zeigt sich sehr vernünftig – auch wenn er sich inzwischen verschulden musste.

Olching – Das Musik-Erlebnis-Center, das alle vor allem als MEC kennen, ist nun seit einem Jahr geschlossen. Seit 14. März 2020 sind Betreiber Matthias Stuhler und seine 31 Mitarbeiter im Dauerlockdown. Er sagt: „Es ist wirklich bitter für uns, aber ich bin sicher, dass die Zeit über Corona siegen wird. Am Ende eines jeden Tunnels kommt ein Licht.“

Corona-Lockdown in Olching: Kult-Disco MEC ein Jahr geschlossen - Finanzielles Polster fast aufgebraucht

Das Tanzlokal war fast 35 Jahre lang ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. „Das MEC ist ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen. Ich bin ein ordentlicher Kaufmann und konnte zum Glück gute Rücklagen ansparen“, sagt Stuhler. Deshalb habe er bei der Schließung ein finanzielles Polster gehabt.

Der Betreiber des MEC in Olching hofft, im Laufe des Jahres sein Lokal wieder öffnen zu können. Dabei setzt Matthias Stuhler auf seine starke Lüftungsanlage. Diese tausche alle fünf Minuten die Luft in seinem Tanzlokal aus.

Doch das ist nach einem Jahr Schließung so gut wie aufgebraucht. Zwar erhält Stuhler staatliche Hilfen, aber diese deckten nur rund 70 Prozent seiner Ausgaben für beispielsweise Miete oder Strom. Weil seine Rücklagen inzwischen aufgebraucht sind, hat er einen Kredit für die Betriebskosten aufgenommen, die er selbst tragen muss.

Corona-Lockdown in Bayern: Disco-Chef hofft auf mehr finanzielle Unterstützung

Für seinen privaten Lebensunterhalt muss Stuhler jetzt seine Altersvorsorge angreifen. „Ich bin wirklich dankbar für die Überbrückungshilfen, aber sie decken nicht die kompletten Betriebskosten. Und für den privaten Lebensunterhalt erhalten wir gar nichts“, sagt Stuhler.

Die aktuellen Maßnahmen versteht er: „In der derzeitigen Lage kann ich nachvollziehen, dass Tanzlokale nicht öffnen dürfen.“ Er hofft aber auf mehr Unterstützung von der Politik. So sei die Forderung des bayerischen Gaststättenverbandes sinnvoll, dass Betriebe, die bereits seit einem Jahr geschlossen sind, ein ausgleichendes Unternehmergehalt bekommen.

Außerdem wünscht sich Stuhler, dass gastronomische Betriebe nicht verkäufliche Ware erstattet bekommen. „Mir sind Getränke und Lebensmittel im Wert von mehreren tausend Euro abgelaufen.“ Sobald die Gastronomie wieder öffnen darf, würde ihm zudem ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Getränke sehr helfen. Dieser gilt derzeit nur auf Speisen.

Corona im Landkreis Fürstenfeldbruck: Disco-Chef hält Betrieb für gut machbar

Stuhler hofft, dass er im Laufe des Jahres wieder öffnen kann. Bei reduziertem Gästeeinlass hält er den Betrieb des MEC für gut machbar. „Im Lokal ist es möglich, die Leute mit Abstand zu platzieren. Musik wird gespielt, aber eventuell darf nicht getanzt werden.“ Das MEC habe eine sehr leistungsstarke Lüftungsanlage, die die verbrauchte Luft absauge und Frischluft hineinblase.

„Sie tauscht alle fünf Minuten die komplette Luft im Laden aus.“ Die Gastronomen sind für Stuhler nicht das Problem, sondern die Lösung. Es sei besser, wenn die Menschen in den Lokalen mit Hygieneschutzmaßnahmen feierten als unkontrolliert im privaten Bereich.

Corona in Bayern: Chef von Kult-Disco sieht Lösung in Gastronomie

Die Gäste können sich auf ein MEC in neuem Glanz freuen, denn Stuhler hat die Schließung für Renovierungsarbeiten genutzt. „Nach einer Grundreinigung haben ich und meine Frau den kompletten Holzboden neu geölt und mit Lasur eingelassen. Das Parkett der Tanzfläche wurde abgeschliffen und neu versiegelt.“

Derzeit lackiert Stuhler die Tische, Bars und Trinkablagen neu. „Ich bin froh, dass ich damit eine sinnvolle Beschäftigung habe.“ Er hofft, dass er im Herbst wieder öffnen darf. „Dann bin ich glücklich, weil ich mit meinen Mitarbeitern und Gästen wieder zusammen sein kann.“

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(Von Andreas Schwarzbauer)

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