Nadine Klinder Stadtmarketing Olching
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Im Interview zieht Nadine Klinder vom Stadtmarketing Olching eine erste Bilanz.

Eine erste Pandemiebilanz

Vorsitzende des Stadtmarketing Olching: Corona-Pleiten halten sich in Grenzen

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft hart getroffen: Viele Unternehmen mussten während des Lockdowns schließen. Das Stadtmarketing Olching wollte wissen, wie die Situation vor Ort ist

Olching – 91 Betriebe wurden über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie befragt. Viele Kunden halten sich aus Angst vor Ansteckungen oder eigenen finanziellen Unsicherheiten zurück. Die Vorsitzende Nadine Klinder verrät, wie es den Unternehmen derzeit geht, ob sie eine Pleitewelle befürchtet und warum es sogar Gewinner gibt.

Wie sind die Olchinger Unternehmen bisher durch die Corona-Pandemie gekommen?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Eine Hälfte hat deutlich negative Auswirkungen gemerkt. Ganz furchtbar war der Lockdown für die Gastronomie und den Textilbereich. Hart hat es auch den Kulturbereich getroffen. Die VHS leidet beispielsweise immer noch extrem. Aber die andere Hälfte der Betriebe wurde entweder nicht negativ beeinflusst oder hat sogar positive Seiten gesehen. Fast ein Viertel der Befragten hat in der Umfrage angegeben, dass sich die Krise eher oder sehr positiv auf den Geschäftsbetrieb ausgewirkt hat.

Was sagen Sie zu diesem Ergebnis?

Wir waren überrascht und haben uns sehr gefreut. Das zeigt die Vielfalt der Olchinger Betriebslandschaft. Zu den Gewinnern gehören viele Einzelhändler, die systemrelevant waren. Dazu zählen Optiker, Händler aus dem Lebensmittelbereich sowie Geschäfte, die Medizinprodukte oder Material zur Herstellung von Masken im Angebot hatten. Es gibt aber auch Verlierer. Ein Viertel gab an, mit sehr negativen Folgen kämpfen zu müssen.

Wie viele Betriebe mussten bisher sogar wegen Corona schließen?

Es hat sich in Grenzen gehalten. Auch der Großteil der Vereine hat bisher keine horrenden Kündigungen bekommen. Nur bei den Kleinstbetrieben sieht es düster aus.

Befürchten Sie, dass die große Pleitewelle erst noch kommt?

Der Großteil ist gut aufgestellt. Wir erwarten nicht, dass das komplette Desaster noch kommt, aber man kann die weitere Entwicklung noch nicht absehen. Es gibt viele Pläne, aber man muss abwarten, was wir davon umsetzen können. Eine erhebliche Herausforderung für die Geschäfte und Restaurants war der Lockdown. 61 Prozent der Befragten mussten schließen. Viele haben sich für diese Zeit aber Alternativen zum regulären Betrieb überlegt.

Besonders beliebt waren laut Ihrer Erhebung Liefer- und Onlinedienste. Welche Ideen fanden Sie besonders innovativ?

Alles, was mit Lieferdiensten zu tun hatte, fand ich außergewöhnlich. Es wurde größtenteils unwahrscheinlich kurzfristig eingeführt. Teilweise haben die Geschäfte Boxen mit ihren Waren bis an die Haustüre gebracht. Die Kunden konnten sich dann aussuchen, was ihnen gefällt, und den Rest wieder hinstellen.

Wie viel von diesen Ideen und Angeboten ist auch nach dem Lockdown geblieben?

Die Onlinedienste sind häufig geblieben. Im Dienstleistungsbereich beispielsweise fand die Kundenberatung nach Möglichkeit per Videokonferenz statt. Das haben die Unternehmen während des Lockdowns ausprobiert, es hat sich bewährt und wird weiterhin angeboten. Aber alles, wofür Personal benötigt wurde, ist schnell wieder eingestampft worden, weil die Angestellten wieder im regulären Betrieb gebraucht wurden. 23 Prozent der Betriebe befürchten, dass sie bei einem zweiten Lockdown Kredite aufnehmen müssen, zehn Prozent glauben, dass sie Insolvenz anmelden müssen.

Sind die übrigen zwei Drittel gut auf eine weitere Ausgangssperre vorbereitet?

Die meisten Betriebe sind für Notfälle gerüstet, aber die finanzielle Entwicklung kann man nicht abschätzen. Ein erneuter Lockdown würde vielen Gastronomen das Genick brechen. Wer sich nur knapp gerettet hat, wird es nicht mehr schaffen. Hoffnung macht, dass die Olchinger Kunden sehr treu sind. Natürlich haben wir während des Lockdowns einige an den Online-Handel verloren, aber seit die Geschäfte wieder geöffnet haben, wird das Angebot gerne und dankbar angenommen.

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Andreas Schwarzbauer

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