Einzelhandel in der Corona-Pandemie
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Aufsperren und dann wieder zusperren: Die Geschäftsleute sind genervt von dem ewigen Hin und Her.

Testpflicht für Kunden

Corona-Regeln: Auf und Ab bringt Händler zur Verzweiflung - „Glaube nicht, dass noch jemand kommt“

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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Ein negativer Corona-Test als Eintrittskarte für Geschäfte: Das gilt nun auch im Landkreis Fürstenfeldbruck. Viele Einzelhändler befürchten, dass die Kunden wegbleiben. Am allermeisten stört sie das ewige Hin und Her.

Olching/Puchheim/Fürstenfeldbruck/Maisach – „Ich glaube nicht, dass noch jemand zum Einkaufen kommt“, sagt Christian Huber, Geschäftsführer des Baustoff-Zentrums Olching (BZO). Die Hürde eines Tests sei wahrscheinlich zu hoch. Wer trotzdem einkaufen möchte, der muss über die Internetseite einen Termin vereinbaren. Dort werde man dann auch ankreuzen können, dass man einen negativen Test beim Besuch vorweisen kann, erklärt Huber.

Corona: Selbsttests beim Einkaufen - „Habe noch keine Ahnung, wie wir das umsetzen sollen“

Ob das BZO von der Möglichkeit der Selbsttests Gebrauch machen wird, weiß der Geschäftsführer noch nicht. „Irgendwie werden wir es wohl schon anbieten müssen, sonst kommt ja gar keiner mehr. Ich habe aber noch keine Ahnung, wie wir das umsetzen sollen.“ Am frustrierendsten findet Huber aber das ewige Hin- und Her, mal auf, dann wieder zu, dann wieder auf. „Das Wischiwaschi ist der Wahnsinn“, ärgert er sich. „Nichts ist zu Ende gedacht.“

Auch beim Technomarkt in Fürstenfeldbruck ist man sich bezüglich der Kontrolle der Selbsttests unsicher. Klar ist aber, dass es gemacht werden soll, so Geschäftsführer Peter Melzl. „Wir wollen alle Möglichkeiten nutzen.“ Derzeit befinde man sich noch in Gesprächen mit den Behörden. Kunden, die mit einem PCR-Test oder einem Schnelltest, der durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt worden ist, kämen, könnten im vorderen Bereich des Marktes kontrolliert werden.

Für Nicola Bräunling von der gleichnamigen Buchhandlung in Puchheim steht hingegen fest, dass sie die Möglichkeit, sich im Geschäft selbst zu testen, nicht offensiv bewerben wird. „Das fände ich eine ganz komische Sache.“

Corona: Buchhändlerin hält Aufwand mit Selbsttests für zu hoch - „Man macht keinen Test, um zwei Taschenbücher zu kaufen“

Bräunling erwartet, dass aufgrund der Testpflicht nicht mehr allzu viele ihre Buchhandlung besuchen werden. Der Aufwand sei zu groß. „Man macht keinen Test, um zwei Taschenbücher zu kaufen.“ Zumal man bestellte Bücher immer noch ohne Test und ohne Termin (Click & Collect) abholen könne. Sie befürchtet deshalb einen massiven Umsatzeinbruch.

Nicht nur die Einzelhändler sind verunsichert, auch die Kunden wüssten nicht mehr, an was sie seien, moniert Bräunling. Deshalb mache sie tagesaktuelle Aushänge und Änderungen auf ihrer Website. Sie habe ja Verständnis für die Maßnahmen, aber „dieses Hin und Her stört am allermeisten. Keiner kennt sich mehr aus“, sagt die Buchhändlerin. Sie würde sich eine klare Linie wünschen.

Corona-Regeln beim Einkaufen: Geschäftsleute frustriert - „Alles eine große Herausforderung“

„Ich glaube nicht, dass noch Leute bei uns einkaufen werden, wenn sie einen Test brauchen“, meint auch Evi Huttenloher, Inhaberin des gleichnamigen Schuhgeschäfts und Vorsitzende des Gewerbeverbands Maisach. Besonders ärgert es sie, dass die neue Regelung so kurzfristig gekommen ist. „Am Freitag wird es beschlossen, und am Montag sollen wir es umsetzen. Da ist man überfordert.“ Die Möglichkeit, selbst Tests anzubieten, will sie nicht nutzen. „Wer soll mir das bezahlen?“ Wenn sie 150 Tests die Woche anbieten würde, dann wären es 600 bis 700 Euro Kosten, rechnet sie vor. „Das lohnt sich nicht.“

Bei Würstle Gartenland in Fürstenfeldbruck ist die Unsicherheit groß ob der neuen Testpflicht. „Wir wissen noch gar nicht, wie wir das handhaben werden“, sagt Junior-Chef Vitus Würstle. Für die Kontrolle der Tests müsste man ja auch mehr Personal abstellen, gibt er zu bedenken. „Das ist alles eine große Herausforderung.“

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