Vorfahrt für Radler: Viel Lob erteilen Renate Wach und Adi Stumper für die neue Fahrradstraße.
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Vorfahrt für Radler: Viel Lob erteilen Renate Wach und Adi Stumper für die neue Fahrradstraße.

Der Radl-Check

So fahrradtauglich ist die Stadt Olching

Radfahren ist in diesem Sommer angesagter denn je. Doch wie fahrradtauglich sind die Kommunen? Unser Reporter Andreas Schwarzbauer hat sie einem Check unterzogen. Den Auftakt macht Olching.

  • Gerade in Corona-Zeiten schwingen sich immer mehr Menschen auf das Fahrrad.
  • Doch viele Kommunen sind noch nicht auf den zunehmende Radverkehr vorbereitet.
  • Experten zeigen nun die Schwachstellen in den Kommunen auf.

Olching – Plötzlich öffnet sich eine Tür der zahlreichen Autos, die entlang der Hauptstraße in Olching seitlich parken. Ich muss mit dem Fahrrad eine Vollbremsung hinlegen. Gleichzeitig braust ein Wagen dicht an mir vorbei. Einige Meter später muss ich erneut anhalten, weil ein Kleinbus rückwärts aus seiner Senkrecht-Parklücke rangiert.

Die Hauptstraße

Problemzone Hauptstraße: Auch Renate Wach, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Olching, radelt hier nur ungerne.

Die Zustände an Olchings Hauptstraße kennt auch Renate Wach, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Olching. „Es ist ein Wahnsinnsverkehr an der Hauptstraße. Niemand fährt dort gerne entlang. Ich selbst fahre immer zum Einkaufen über die Stichstraßen zur Hauptstraße vor und lasse dann mein Radl stehen.“

Es sei schwierig, den Verkehrsraum dort neu aufzuteilen, meint ihr Kollege Bernd Burgmeier. „Für einen Fahrradstreifen müssten Parkplätze wegfallen, aber das wollen die Geschäftsleute nicht.“ Deshalb hätte er sich mehr Durchlässe von den Parallelstraßen zu Olchings Hauptverkehrsachse gewünscht. „Aber das hat die Stadt verschlafen, denn inzwischen ist alles zugebaut worden.“ Ein Beispiel sei der Marienhof. Zwar gebe es dort eine verschachtelte Passage, aber durch diese könne man nicht radeln. Burgmeier wünscht sich nun ein Tempolimit auf der Hauptstraße, um die Sicherheit für Radler zu erhöhen.

Amper-Ammer-Weg

Wer die Hauptstraße komplett umfahren will, kann auf dem Ammer-Amper-Radweg radeln, der parallel direkt am Mühlbach entlang führt. Aber auch dort gibt es Probleme: Bei Regen sei die Strecke kein Vergnügen. „Ich habe es schon erlebt, dass ich von einer Pfütze in die andere gefahren bin, weil der Weg zu tief liegt und das Wasser nicht in die Wiese abläuft. Er gehört aufgekiest“, sagt Radl-Expertin Wach.

Später müssen Radfahrer die Flusssseite wechseln und werden an der Brücke durch ein Fußgängerschild ausgebremst. Sie müssen für die Überquerung absteigen. Kurz darauf wird der Weg entlang des Golfplatzes extrem schmal, sodass zwei Radler nicht mehr aneinander vorbeikommen. „Hier ist immer viel los. Es ist eine wichtige Verbindung von Olching nach Geiselbullach. Außerdem gehört das Stück zum Ammer-Amper-Radweg“, erklärt Wach. Sie versteht nicht, wieso dieser Abschnitt des beliebten Fernradweges nicht besser ausgebaut ist.

Problemstellen

An der Johann-Gutenberg-Straße fahren viele Radler, die zum Wertstoffhof wollen – ohne eigenen Radweg.

Die Johann-Gutenberg-Straße werde ebenfalls von vielen Radlern genutzt. Viele fahren dort mit einem Anhänger oder gleich mit einem Lastenfahrrad zum Wertstoffhof, um ihren Müll wegzubringen. Die Olchinger können entweder auf der Fahrbahn radeln oder auf dem Fußweg, der in beide Richtungen für Fahrräder freigegeben ist. Davon ist Adi Stumper, ADFC-Kreisvorsitzender, nicht begeistert. „Dort hat man es sich sehr einfach gemacht. Der Fußweg ist viel zu schmal, sodass kein Begegnungsverkehr möglich ist – vor allem nicht mit den breiten Lastenrädern. Außerdem darf man dort eigentlich nur Schrittgeschwindigkeit fahren.“

Stumper schlägt vor, auf der Fahrbahn in Richtung Südwesten einen Schutzstreifen für Radler zu markieren. Der Platz wäre da. Für Radler in die Gegenrichtung soll der Gehweg als Fuß- und Radweg ausgewiesen werden.

Nächste Schwachstelle: Wer in Esting der Beschilderung in Richtung Emmering und Fürstenfeldbruck folgt, fährt hinter der Kirche vorbei auf einem sehr schmalen und kurvigen Schotterweg. Die Kurven sind schwer einsehbar und die Radler müssen jederzeit mit Gegenverkehr rechnen. „Das finde ich hochgefährlich. Wenn hier jemand um die Kurve schießt, wirst du umgefahren“, sagt Radl-Expertin Wach.

Eigentlich eine schöne und sogar beleuchtete Verbindung führt zwischen den S-Bahnstationen Olching und Esting entlang der Bahntrasse. Allerdings werden Radler abrupt an der Neu-Estinger-Straße gestoppt. Denn wer die Straße überqueren will, muss sich durch zwei Umlaufsperren zwängen. „Mit einem Radlanhänger oder einem Lastenfahrrad kommt man dort nicht durch“, sagt ADFC-Kreisvorsitzender Stumper.

Gute Lösung

Ein großes Lob hat die Olchinger Radl-Expertin Renate Wach für die neue Fahrradstraße übrig: „Das haben sie toll gemacht. Sie ist weitgehend eine Vorfahrtsstraße, sodass die Radfahrer flott vorwärts kommen. Immer wieder erinnern Tempo-30-Schilder Autofahrer an das Tempolimit.“

Reparatur-Stationen

An den Bahnhöfen in Olching und Esting gibt je eine Fahrradstation mit Luftpumpe und einem Reparaturset.

Zukunft

Die Stadt will 2021 die Fahrradstraße parallel zur Hauptstraße bis zum Grünanger fortführen. Sie soll für Radler als Alternative zur Hauptverkehrsachse dienen. Außerdem rüstet Olching die Abstellmöglichkeiten an Bushaltestellen nach und prüft weitere Radlständer an der Hauptstraße. „Wir wollen den Anreiz erhöhen, mit dem Fahrrad zum Einkaufen zu fahren“, sagt Sonja Weyland vom Amt für Wirtschaftsförderung.

Am Estinger Bahnhof ist der Ausbau der Abstellanlage bereits abgeschlossen. Darüber hinaus verbessert Olching die Radwegebeschilderung. Veraltete Wegweiser werden ersetzt, alle Schilder erhalten ein einheitliches Design.

Fazit

In Olching gibt es für Radler schöne Alternativen zur unattraktiven Hauptstraße – wenn man dort nicht zwingend hin muss. Unverständlich ist allerdings, warum manche Abschnitte des beliebten Ammer-Amper-Radweges in Olching so schlecht ausgebaut und schmal sind.

Weitere Nachrichten aus der Stadt Olching finden Sie hier.

Andreas Schwarzbauer

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