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Diesel-Skandal: Olchinger will Geld für seinen VW zurück

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Wieviel muss der Autokonzern für gebrauchte Wagen herausrücken? Die Richter urteilen unterschiedlich. © Panthermedia

Das Landgericht Augsburg hat vor Kurzem ein richtungsweisendes Urteil im Diesel-Skandal gesprochen – das nun auch einen Olchinger hoffen lässt. Er hat VW ebenfalls verklagt und fordert Schadensersatz für seinen Passat.

Olching – Thomas Jäger hat den Schampus schon einmal kalt gestellt – zumindest im übertragenen Sinne. Der Olchinger streitet wie Tausende andere Kunden vor Gericht mit Volkswagen um Schadensersatz für seinen VW Passat. Eine Entscheidung soll erst am 12. Dezember fallen – die Vorzeichen könnten aber nicht besser sein. Denn Ende November fällte das Landgericht Augsburg ein aufsehenerregendes Urteil im Skandal um die Manipulation von Abgaswerten: Zum ersten Mal erhielt der Kläger den gesamten Kaufpreis für seinen Diesel zurück – ohne Abzüge für bereits gefahrene Kilometer.

Thomas Jäger hat aktuell etwa 76 000 Kilometer auf dem Tacho seines Diesels. VW will, dass er über 4000 Euro an Nutzungsgebühren bezahlt, was von seinem Schadensersatz abgezogen würde. Seit September befindet er sich im Rechtsstreit mit Volkswagen. Er hat im gleichen Zug seinen niederbayerischen Autohändler verklagt, weshalb das Landgericht Regensburg für die Sache zuständig ist.

Der Olchinger hatte den Wagen 2013 erworben. „Ich wollte ein Fahrzeug, das bei den Verbrauchswerten und der Euro-Norm dem damaligen Standard am besten entsprach“, erklärt Jäger. Aufgrund von Prospekten und den Angaben eines Verkäufers habe er den Eindruck gewonnen, dass er mit der Euro-5-Plakette (die Euro-6-Plakette gab es noch nicht) das Beste in Sachen Verbrauch und Umweltverträglichkeit am Markt erhalte. „Ich habe damals in keiner Weise damit gerechnet, dass das Fahrzeug fünf Jahre später quasi verboten werden könnte.“

Die Freude über das neue Auto wich im September 2015 dem Verdruss. Es wurde bekannt, dass VW die Motoren manipuliert hat, sodass sie bei Abgasuntersuchungen die vorgeschriebenen Werte einhalten. Es folgte ein Aufruf an die Kunden, sich ein Update auf die Schummelsoftware aufspielen zu lassen. Bei Jäger ist dies bisher nicht geschehen. Im Dezember steht die Hauptuntersuchung an. Das könnte zur Stilllegung des Fahrzeugs führen.

Der Olchinger wollte sich das nicht gefallen lassen und schaltete eine Anwaltskanzlei ein. „Wir vertreten mittlerweile tausende Mandanten in ähnlichen Angelegenheiten“, erklärt Christof Lehnen. Die Rechtslage sei komplex, da es noch keine einheitliche Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes gebe. Die Gerichte würden sehr unterschiedlich urteilen, auch was die Höhe des Schadensersatzes betreffe.

Bei einem Modell geht das Gericht etwa davon aus, dass ein Auto rund 250 000 Kilometer in seiner Laufbahn zurücklegt. Sollte der Besitzer bereits 25 000 Kilometer, also zehn Prozent, zurückgelegt haben, wird das vom Kaufpreis abgezogen. Hat er also 20 000 Euro für den Wagen bezahlt, bekommt er 18 000 zurückerstattet. „Aber Diesel erreichen heutzutage eigentlich viel mehr Gesamtkilometer“, erklärt der Jurist, was diese Rechnung als nicht wirklich fair ausweise – zum Nachteil der Kläger.

Das Regensburger Landgericht behandelt derzeit 800 Fälle mit VW-Beteiligung. Auch Thomas Jäger wartet sehnsüchtig auf den 12. Dezember. Sein Termin hat sich immer wieder verschoben. Die Richterin ist im Stress – nicht nur wegen VW. Sie führt auch die Verhandlungen im Korruptionsskandal um den Regensburger OB.

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