Genießen die gemeinsame Zeit: (v.l.) Mutter Frauke Hannusch, Ellie, Wunschgroßmutter Ingeborg Creutzmann und Laurenz. Nur um kostenlose Babysitter geht es dabei allerdings nicht. Peter Weber

Initiative in Olching

Eier färben mit der Leihgroßmutter

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Ingeborg und Uli Creutzmann sind Leihgroßeltern. Sie kümmern sich um Kinder, deren leiblichen Omas und Opas nicht in der Nähe wohnen. Zu Ostern steht mit den Ersatz-Enkeln natürlich Eier färben auf dem Programm. Ein Besuch. 

Olching Laurenz runzelt die Stirn. Der Fünfjährige steht in der Küche von Ingeborg Creutzmann auf einem kleinen grauen Hocker. In der Hand hält er ein Blatt mit Aufklebern. „Wo ist denn der Hase?“, fragt Laurenz verwundert. Neben ihm hüpft seine dreijährige Schwester Ellie auf ihrem türkisen Hocker. „Osterhase, Oma Ingeborg!“, ruft sie aufgeregt. Ingeborg Creutzmann beugt sich über Laurenz. „Es gibt keinen Hasen“, sagt sie. „Aber wenn wir die Ostereier gefärbt haben, könnt ihr sie mit Blumen bekleben.“

Die 66-jährige Rentnerin ist nicht die leibliche Großmutter der Kinder, sondern ihre Leihoma. Wer keine leiblichen Großeltern in der Nähe hat, kann auf Leihomas und -opas zurückgreifen. Möglich macht dies ein Projekt in Olching. Die Großeltern von Ellie und Laurenz wohnen hunderte Kilometer weit weg. Seit dem Sommer besuchen die Geschwister ab und zu Ingeborg Creutzmann und ihren 73-jährigen Ehemann Uli. Gemeinsam spielen, malen oder backen sie. An diesem Nachmittag, kurz vor Ostern, färben sie Eier. Leihopa Uli zieht sich ausnahmsweise in den Hobbykeller zurück. Die Küche ist klein. Er hätte keinen Platz zwischen seiner Frau und den Kindern.

Laurenz stellt sich auf die Zehenspitzen und deutet in die Schale mit den etwa ein Dutzend gekochten Eiern. „Ich will ein braunes Ei grün färben“, sagt er. Zum Schutz vor Flecken trägt er ein viel zu großes, altes weißes Hemd über seinem gelben Pullover. Trotzdem übernimmt das Färben sicherheitshalber „Oma“ Ingeborg. Sie legt das Ei auf einen Löffel und taucht es in die grüne Flüssigkeit. „Ich will lila“, sagt Elli. Ein warmherziges Lächeln umspielt den Mund der Rentnerin. „Klar, deine Lieblingsfarbe“, sagt sie und versenkt das nächste Ei.

So ist das Projekt in Olching entstanden

Die Olchingerin wollte eigentlich nie Leihoma sein. Sie leitet ehrenamtlich die Lese-Paten beim Olchinger Schub-Verein. Aus dem Fernsehen und aus Zeitungen hat sie von Leihgroßeltern erfahren. Die Idee ließ sie nicht los. Olching braucht ebenfalls so ein Angebot, beschloss Ingeborg Creutzmann dann vor rund einem Jahr. Sie wandte sich an Daniela Paunert vom Haus der Begegnung und wenig später riefen sie gemeinsam das Projekt „Wunschomas und Wunschopas“ ins Leben. Damals las Ingeborg Creutzmann einen Zettel in der Bücherei. Frauke Hannusch, die Mutter von Ellie und Laurenz, suchte Leihgroßeltern. „Ellie hat immer wieder gehört, wie andere Kinder von ihren Omas erzählt haben. Sie hat sich daher auch eine Oma gewünscht“, sagt Frauke Hannusch (39).

Nach monatelanger Suche rief schließlich Ingeborg Creutzmann bei ihr an. Sie wollte für ihr Projekt Infos einholen. „Sie fragte, ob ich Leihgroßeltern gefunden hätte und ob es funktionieren würde“, sagt Frauke Hannusch. Doch niemand hatte bei ihr angerufen. Schnell merkten die Frauen, wie sympathisch sie sich waren. Sie trafen sich und bald hatte Ingeborg Creutzmann Ellie und Laurenz ins Herz geschlossen. „Mit großen Augen haben sie mich angeschaut“, sagt sie. Wie hätte sie da Nein sagen sollen.

Im Sommer vereinbarten die Hannuschs und Creutzmanns, als Wunschfamilie und -großeltern füreinander da zu sein. Danach gab es eine Eingewöhnungsphase. Erst passte Ingeborg Creutzmann stundenweise auf die Kinder auf. Nun holt sie Ellie und Laurenz etwa einmal in der Woche um 15 Uhr von der Krippe und vom Kindergarten ab – je nachdem, wann es für beide Familien passt.

Zurück in der Küche. Konzentriert betrachtet Ellie die gefärbten Eier vor ihr auf dem Esstisch. Dann die Aufkleber in ihrer Hand. An der Wand hängt neben Familienfotos auch ein Bild der Geschwister. „Ich will eine Biene“, sagt Ellie. Laurenz zerrt am Blatt mit den Stickern. Auch er möchte die Ostereier verzieren. Ingeborg Creutzmann bleibt gelassen. „Einer nach dem anderen“, sagt die Seniorin sanft und gibt Ellie die Aufkleber zurück. Mit Kindern kennt sie sich aus.

Die Kinder vermissen die Leih-Oma nach einer Zeit sehr

Ihr Sohn lebt in Hamburg – noch kinderlos. Außerdem arbeitete sie jahrelang bei der Gesundheitsförderung der Stadt München. Wenn Eltern Fragen zur Gesundheit ihrer Kleinkinder hatten, kam sie vorbei, um sie zu beraten. Mutter Frauke Hannusch weiß also, dass ihre Kinder in guten Händen sind.

An diesem Nachmittag kann die Olchingerin, die halbtags als Angestellte arbeitet, ganz beruhigt andere Sachen erledigen. Das ist praktisch, gerade wenn ihr Mann Lutz (38) auf Dienstreise ist. Laurenz und Ellie seien sehr an „Oma“ Ingeborg und „Opa“ Uli gewöhnt, sagt Frauke Hannusch. „Sie vermissen sie, wenn sie sie länger nicht sehen.“ Das Olchinger Projekt soll keine kostenlosen Babysitter vermitteln. Frauke Hannusch will, dass ihr Nachwuchs mit den Creutzmanns eine andere Generation kennenlernt. Außerdem geht es um gegenseitiges Geben und Nehmen. „Wenn mein Mann und ich älter sind und manches nicht mehr schaffen, helfen Frauke und ihr Mann uns“, sagt Ingeborg Creutzmann. Und auch Ellie und Laurenz werden später an die Zeit mit ihren Wunschgroßeltern zurückdenken. Vielleicht erinnern sie sich ans Ostereier-Färben. Damals in „Oma“ Ingeborgs Küche.

Das Projekt

Wer Interesse am Projekt „Wunschomas und Wunschopas“ hat, meldet sich bei Daniela Paunert unter Telefon (0 81 42) 2 84 23 45 oder via E-Mail an sozialberatung@olching.de.

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