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Ein Einsatz, der den Rettern alles abverlangt

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Von: Kathrin Böhmer

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Die Feuerwehren aus Olching und Esting waren schnell am Ort des Geschehens.
Die Feuerwehren aus Olching und Esting waren schnell am Ort des Geschehens. ©  Feuerwehr

Es war einer der aufreibendsten Einsätze der vergangenen Jahre. Aus einem ausgebrannten Zimmer musste die Feuerwehr in Olching eine Leiche bergen. Das müssen die freiwilligen Retter erst einmal verarbeiten – oft kommt das Erlebte erst später hoch.

Olching – Mittlerweile steht die Ursache für das Feuer fest. Der ums Leben gekommene hatte wohl Kerzen oder Teelichter als Lichtquelle aufgestellt, ohne diese weiter im Auge zu behalten. Irgendwie entzündeten diese die Einrichtung, die Flammen verbreiteten sich im ganzen Raum. Der Mann saß somit in der Falle. „Er ist durch den giftigen Rauch erstickt“, wie Karl Höpfl, Chef der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, berichtet. Das habe die Obduktion ergeben. Die Ermittlungen der Brucker Kripo seien inzwischen abgeschlossen.

Niemals wird das zur Routine

Für die Feuerwehrleute ist es nicht ganz so einfach, die Sache abzuhaken. „Bei so etwas bekommt man keine Routine, niemals“, sagt Sprecher Hans Beyer. Dass man einen toten Menschen aus einem brennenden Gebäude holt, sei einfach nicht alltäglich, Gott sei Dank.

Beyer ist lange dabei und erinnert sich an nicht einmal eine Handvoll Fälle. Auch am vorletzten Samstag war er im Einsatz. Gegen 13.30 Uhr ging der Alarm ein. Seltsamerweise hatte in dem Haus selbst niemand etwas bemerkt, Nachbarn hatten den Notruf gewählt. Ob Rauchmelder fehlten, ist allerdings nicht offiziell bestätigt.

Rasend schnell vor Ort

Die Olchinger Einsatzkräfte waren jedenfalls rasend schnell vor Ort, weil sie zu dem Zeitpunkt im Feuerwehrhaus an der Ordenslandstraße eine Schulung hatten. Vier Minuten dauerte es, schätzt Beyer, bis die Truppe das zweistöckige Haus am Schwalbeneck erreichte. Und da sei schon mehr als eindeutig zu sehen gewesen, dass es brennt. Rauch quoll aus mehreren Fenstern im ersten Stock, eine Scheibe sei geborsten, was auf sehr große Hitze schließen lässt. Die anderen Hausbewohner, offenbar alles Angehörige einer Familie in separaten Wohnungen, hätten sich bereits selbst aus dem Gebäude gerettet.

Leiche geborgen

Sie erzählten den Rettern draußen, dass einer – eben der 59-Jährige – fehlte. Die Feuerwehrleute machten sich sofort auf die Suche. Doch sie konnten den Mann nur noch tot auffinden. In dem Zimmer musste eine große Menge verbrannter Sachen weggeräumt werden, was die Aufgabe nicht einfacher machte. Die Feuerwehrleute bargen schließlich die Leiche. „Da kann man 30 Jahre Erfahrung haben, das nagt trotzdem an einem“, sagt Beyer. „Wir sind ja keine Berufsfeuerwehr.“ Manchmal kämen die Bilder auch erst Tage danach hoch – wenn man nicht mehr ganz automatisch funktioniere, wenn das Adrenalin weg sei.

Vor Ort waren am Tag des Brandes rund zwei Dutzend Einsatzkräfte aus Olching und Esting. Der Einsatz lief bis 18 Uhr. Der Schaden wird auf rund 75 000 Euro geschätzt. Das Kommando hatte Josef Gigl inne, der durchaus bestätigt, dass es sich um einen der härtesten Einsätze seit Längerem handelte, auch wenn jeder anders darauf reagiere. Am Montag darauf gab es eine routinemäßige Nachbesprechung. Die Feuerwehrleute können sich gegebenenfalls psychologische Hilfe suchen, die direkt Betroffenen können außerdem durch Gespräche das Gesehene vielleicht etwas besser verarbeiten.

Das war der erste Bericht über den Brand.

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