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Ein Feuerwerk

Olching

Ein Feuerwerk für alle? Silvesterfeier sorgt für Krach im Stadtrat

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Wer hätte gedacht, dass ein scheinbar harmloses Thema wie eine zentrale Silvesterfeier derart politischen Zündstoff birgt? Im Olchinger Stadtrat lief die Debatte ziemlich aus dem Ruder – wegen einer Äußerung zur Feuerwehr.

Olching – Nicht nur im Sitzungssaal im Rathaus kochte das Thermometer über, auch die Gemüter waren erhitzt, als es um einen bestimmten Tagesordnungspunkt ging: eine zentrale Silvesterfeier, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren und die Umwelt zu schonen. Der Antrag kam von Alfred Münch aus den Reihen der SPD-Fraktion.

Grüne wollen Shuttlebus zum gemeinsamen Feuerwerk

Es fing harmlos an. Fraktionsvorsitzende Marina Freudenstein legte die Vorteile dar. „Es ist eine schöne Gelegenheit, gemeinsam Stadt zu sein“, sagte sie, eine Anspielung auf Olchings Slogan. Außerdem spekuliere man darauf, dass die privaten Feuerwerke reduziert werden. Wenn wie in Puchheim so um die 1000 Leute auf den Volksfestplatz kämen, dürften es um die 250 private Feuerwerke weniger sein. Es sollte allerdings ebenso wie in Puchheim kein „Mega-Event“ werden, sondern unkompliziert. Das befürworteten auch die Grünen, die sich jedoch zumindest einen Shuttlebus wünschten, damit nicht alle ins Auto steigen und die Luft verpesten.

Bürgermeister für die zentrale Feier

Bürgermeister Andreas Magg (SPD) sprach sich klar für eine zentrale Silvesterfeier aus. Doch man wolle das nicht mit erhobenem Zeigefinger tun. Jeder, der will, soll und darf seine Böller zünden. Ein Verbot sei kein Thema. Was die Organisation der Veranstaltung angeht, betonte Magg: „Das kann die Stadt nicht stemmen.“ Das Gelände müsse umzäunt, die Sicherheit aller Gäste gewährleistet werden. Er brachte einen externen Veranstalter ins Spiel, einen Interessenten gibt es wohl schon. Er würde ein Zelt auf dem Platz aufbauen. Der Zugang zu dem abgesperrten Freiluftbereich sei aber für jeden ab 23 Uhr umsonst zugänglich. Die Kosten würde man sich aufteilen. Die Stadt rechnet mit 10 000 Euro für Feuerwerk und Sicherheitsmaßnahmen.

Kommandant: „Die Feuerwehr darf nicht vergewaltigt werden“

Josef Gigl von den Freien Wählern (FW) und Feuerwehrkommandant äußerte klar Kritik daran, dass man einem Veranstalter einen Vorteil verschafft, indem man mit Steuergeldern ein Feuerwerk finanziert. Er wollte wissen, ob die Feuerwehr als Sicherheitswacht zum Einsatz kommen soll, und wurde sehr deutlich: „Ich finde es überhaupt nicht gut, dass wir unsere ehrenamtlichen Kräfte dafür vergewaltigen.“ Die hätten in der Silvesternacht wahrlich genug zu tun.

Die heftige Äußerung brachte ihm einen Ordnungsruf des Bürgermeisters ein. Dabei handelt es sich um eine durch die Geschäftsordnung geregelte Rüge wegen Zwischenrufen, Beleidigungen und anderen Störungen. Magg entgegnete zudem, dass er es nicht so sehe, dass man den Veranstalter unterstütze. Das Thema Sicherheit müsse noch geregelt werden.

Keine Steuergelder in die Luft jagen

Klar positioniert zu dem Thema hat sich auch die CSU-Fraktion, für die Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl sprach: „Wir werden keine Steuergelder in die Luft jagen.“ Es gibt bereits ein zentrales Feuerwerk, zum Volksfest, an Silvester würden die Menschen selbst ballern wollen. Weder für die Feuerwehrleute noch für die Umwelt sei das ein sinnvolles Konzept.

FDP-Einzelkämpfer Andreas Teichmann meinte sarkastisch: „Manchen scheint der Klimawandel die Sinne zu vernebeln.“ Es sei absurd, dass man als Reaktion darauf noch mehr Feinstaub in die Luft blasen will – mit Steuergeldern. Er hätte damit aber kein Problem, wenn ein externer Veranstalter sämtliche Kosten übernimmt.

Kritik am Ordnungsruf

Neben der inhaltlichen Debatte zu Silvester wurde Kritik am Ordnungsruf laut. Tomas Bauer (CSU) bezeichnete ihn als nicht angemessen. Alt-Bürgermeister Ewald Zachmann (FW), der selbst ins Raketen-Exil flüchtet an Silvester, sagte, dass er so etwas in Jahrzehnten politischer Arbeit nicht erlebt hätte. In der Demokratie müssten überspitzte Äußerungen erlaubt sein. Gigl habe sich vor seine Leute gestellt und niemanden beleidigt.

Am Ende wurde die zentrale Silvesterfeier mehrheitlich vom Gremium abgelehnt. Nach der Abstimmung verkündete der Bürgermeister, dass er den Ordnungsruf zurücknimmt. 

Kommentar

Zum Thema kollektive Knallerei für den Umweltschutz ließe sich noch so einiges sagen. Auch dazu, was in der hitzigen Diskussion des Olchinger Stadtrates nicht zur Sprache kam. 

Was ist mit den Menschen, die bewusst keine Raketen und Böller kaufen und das Geld lieber spenden? Was für ein Signal ist es, wenn diese ihrer Meinung nach sinnfreie Ausgabe nun trotzdem getätigt wird – mit Steuergeldern? Blanker Hohn ist das für alle, die sich schon vorbildlich verhalten. Man könnte auch sagen: Das ist, als würde die Stadt Mietautos anschaffen in der Hoffnung, dass sich mehr Fahrgemeinschaften bilden. Ob es funktioniert? Fakten gibt es nicht. 

Deshalb ist nachvollziehbar, dass der durchaus temperamentvolle Feuerwehrkommandant Josef Gigl Zweifel daran hegt, dass seine Mannschaft durch die zentrale Silvesterfeier entlastet wird. Immerhin weiß er, dass spätestens um Mitternacht die Piepser losgehen. Da gibt es noch ein Bussi für den oder die Liebste und dann ab zur brennenden Hecke. Erst einmal wäre die Silvesterfeier im Pulk eine zusätzliche Belastung, sollte die Feuerwehr dafür eingespannt werden – möglicherweise noch zugunsten eines kommerziellen Veranstalters. Dass Gigl da auf das Wort „vergewaltigen“ zurückgreift, ist extrem. Dass der Bürgermeister einen Ordnungsruf ausspricht: unangemessen. Völlig zu Recht hat Andreas Magg, der selbst Feuerwehrmann ist, seine Meinung revidiert. 

Allerdings muss man auch sagen: In Eichenau wurde die Silvesterfeier abgelehnt, weil man die Ehrenamtler nicht noch mehr strapazieren will. Immerhin werden die bei diversen Veranstaltungen gebucht. Auch in Puchheim oder in Gröbenzell ist das ein Thema. Vielleicht war die krasse Aussage notwendig, um an eine Sache zu erinnern: Die Feuerwehr ist kein Servicepersonal. Sie hat eine Hauptaufgabe und das ist Menschenleben retten. Und dafür opfern viele gerne ihre Freizeit – sogar unbezahlt. (Kathrin Garbe)

Immer mehr Kommunen lehnen inzwischen Feuerwerke ab. Für das beliebte Kurparkfest in Bad Tölz wurde jetzt ein spektakulärer Ersatz gefunden. 

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