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In ihren rund 15 Jahren auf dem Olchinger Volksfest begegneten Edmund und Monika Diebold (Foto oben) vielen Kunden des Öfteren. Der Augsburger erinnert sich an ein Mädchen, das in einem Jahr noch nicht mit dem Autoscooter fahren durfte: „Im nächsten Jahr kam sie wieder und meinte: ,Heuer darf ich endlich fahren’. Das hat mich berührt.“

Zwei institutionen in olching

Ein Volksfest – zwei Schaustellerleben

Beide sind seit Jahren mit ihren Ständen auf dem Olchinger Volksfest und ihre Frauen heißen beide Monika. Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten von Kurt Gross und Edmund Diebold. Auf der Spur zweier völlig unterschiedlicher Schausteller-Leben.

OlchingDer Fischer-Toni ist mit seinem Steckerlfisch eine echte Institution auf dem Olchinger Volksfest – auch wenn der Toni selbst, namentlich Anton Groß, bereits vor zwei Jahren verstorben ist. Die Fahne hält nun sein Sohn Kurt mit seiner Frau Monika und den Söhnen Robin (19) und Mario (18) hoch. Wie lange es den Stand des Fischer-Tonis auf dem Volksfest schon gibt, kann Kurt Gross selbst nicht mehr ganz nachvollziehen. „Auf jeden Fall weit über 40, fast 50 Jahre.“

Direkt neben dem Steckerlfisch-Stand steht der Autoscooter von Edmund und Monika Diebold, und das seit etwa 15 Jahren. „Mein Vorgänger hatte aufgehört, und wir haben seinen Autoscooter übernommen“, berichtet Edmund Diebold. Das Schaustellerblut in seiner Familie reicht bis ins Jahr 1867 zurück. Seine Vorfahren hatten eine Schiffschaukel betrieben. „Wir haben es einfach mal mit Olching versucht.“ Mit Erfolg: Die Woche in der Amperkommune ist seitdem in Diebolds Kalender, in dem Volksfeste in ganz Deutschland stehen, fest gebucht.

Beim Fischer-Toni ist das Olchinger Fest dagegen der einzige Termin im Kalender. Die Familie Groß sind Olchinger und schlüpfen lediglich für die zwei Wochen ihres Heimat-Volksfestes in die Rolle einer Schaustellerfamilie. Den Rest des Jahres betreibt Kurt Groß seinen Friseursalon – wie sein Vater.

„Ich habe praktisch alles von ihm übernommen, vom Volkfeststand bis zum Beruf“, sagt der Olchinger. Die Schaustellerei sei aber ein reines Hobby. Auch das war schon bei Toni Groß so. Der hatte den Steckerlfischstand nur eröffnet, weil ihm der Fisch auf dem Volksfest nicht geschmeckt hatte. „Da hat er gesagt, dass er ihn eben selbst macht“, berichtet Kurt Groß.

Die Diebolds hingegen leben während der Volksfestsaison in einem großen Wohnwagen, der wie ein echtes Haus eingerichtet ist – inklusive Teppichboden, gefliestem Bad und Küche. „Dabei ist das noch gar keine Luxusvariante“, sagt der Augsburger. Nötig ist es trotzdem, denn: „Wenn man das halbe Jahr lediglich in einem Wohnmobil auf engstem Raum zusammenleben würde, würde man sich schnell auf den Geist gehen.“

Auch Diebold hat zwei Kinder, aus erster Ehe. Jennifer ist 34 Jahre alt und hat mit der Schaustellerei nichts am Hut. Der drei Jahre jüngere Sohn Florian hat dagegen schon seinen eigenen Autoscooter.

Auf dem Olchinger Festplatz hat sich im Laufe der Jahre viel geändert – auch für den Fischer-Toni. Der machte seinen Anfang einst auf der anderen Seite des Festzelteingangs. „Dort war mein Vater damals mit seiner Haifisch-Bar“, erzählt Kurt Groß. Doch nur ein Jahr später zog der Stand an seinen heutigen Platz und wuchs seitdem beständig. „Am Anfang gab es nur zwei, drei Biertische“, berichtet Monika Groß. Inzwischen kann man seinen Steckerlfisch in einem großen Biergarten essen.

Bei Diebolds Autoscooter hat sich über die Jahre vor allem eines verändert: die Kundschaft. War das Fahrgeschäft lange Jahre Treffpunkt für Jugendliche – was der Autoscooter-Branche einen etwas zweifelhaften Ruf einbrachte – , so kaufen mittlerweile hauptsächlich junge Familien mit Kindern ihre Chips bei Edmund und Monika Diebold an der Kasse. „Das hat sich komplett gewandelt, denn Jugendliche gehen heute erst spät weg, wenn unser Fahrgeschäft schon lange geschlossen hat“, sagt Edmund Diebold.

Eines haben die Familien Gross und Diebold dann aber doch noch gemeinsam: Sie lieben das Olchinger Volksfest. „Hier gibt es tolle Fahrgeschäfte, der Volksfestplatz hat eine schöne Lage, es ist einfach gemütlich“, sagt Kurt Gross. Auch Diebold schätzt den schönen Platz. Außerdem gefällt ihm die äußerst familiäre Atmosphäre. „Wir fühlen uns in Olching gut aufgehoben.“ Und das seit vielen Jahren.

von Andreas Daschner

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