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Werben für ihre Aktion: Irmgard und Volker Gaul am Nöscherplatz in Olching. 

Olching

Ein Zeichen für den Umweltschutz: Bürger stemmen Lasershow an Silvester

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Eine Gruppe Olchinger will zum Jahresende ein Zeichen für den Umweltschutz setzen: mit einer Lasershow statt Böller und Raketen. Mit viel Eigeninitiative ist diese Idee nun doch noch Wirklichkeit geworden. Um Mitternacht wird am Nöscherplatz mit einer echten feinstaubfreien Alternative gefeiert.

Olching – Zehn, neun, acht, sieben...: Wenn an Silvester der Countdown zum Neuen Jahr abläuft, wird er zumindest direkt über dem Nöscherplatz in Olching heuer nicht im Pfeifen und Knallen von Raketen untergehen. Kirchenglocken werden läuten, Musik wird gespielt und auf künstlich hergestelltem Nebel werden Laserstrahlen zwölf Minuten lang blitzen. Ganz ohne umweltbelastende Folgen. Aber trotzdem mit dem typischen „Oh“ und „Ah“ wie bei Feuerwerken.

Lasershow soll ein Angebot für die Olchinger sein

Das wünscht sich zumindest das ehemalige Lehrer-Ehepaar Irmgard und Volker Gaul. „Es soll ein Angebot für alle Olchinger sein, kein Verbot“, betont Irmgard Gaul ausdrücklich. Und: „Wir wollten endlich etwas für die Umwelt tun. Und zum Schutz für Menschen und Tiere. Geredet wird schon genug.“ Das ist ihnen gelungen. Leicht war es nicht, sie mussten viele Stunden Arbeit investieren.

Das Paar hatte bereits vor einem Jahr die Vision, eine umweltfreundlichere Alternative zur herkömmlichen Knallerei zu schaffen. Zunächst setzte man auf die Unterstützung der Stadt, immerhin handelt es sich um Kosten von etwa 8500 Euro. Doch sowohl die Idee eines zentralen Feuerwerks am Nöscherplatz, als auch der danach eingereichte Vorschlag einer Lasershow (der von Rainer Saalfeld vom Stadtmarketing kam) fielen im Stadtrat durch. Vor allem CSU und Freie Wähler sahen die finanzielle Unterstützung nicht als Aufgabe der Stadt an. Die Gelder könnte die Initiative auch so zusammenbekommen, hieß es damals. Man bekundete aber einheitlich, hinter der Sache an sich zu stehen. Die Gegenseite spricht von „Bauerntheater“.

Enttäuscht vom Nein im Stadtrat Olching zur Lasershow

Die Gauls waren zunächst enttäuscht von dem endgültigen „Nein“ in der Sitzung im September, ließen sich aber nicht unterkriegen. Sie taten sich rasch mit anderen zur Bürgerinitiative Umwelt- und Klimaschutz für Olching (UfO) zusammen und erarbeiteten ein Konzept. Elf Bürger sind es insgesamt – darunter auch Mitglieder des Stadtrates (als Privatpersonen), Vertreter vom Stadtmarketing und der evangelischen Kirche. Diese stellt ihr Spendenkonto zur Verfügung, damit dieser Punkt sauber abgewickelt werden kann.

Denn die Gauls und ihre Mitstreiter hoffen auf die finanzielle Unterstützung der Bürger. Die Privatleute tragen derzeit nämlich allein das Risiko, auch wenn sie das am liebsten gar nicht in der Zeitung lesen würden. Allein die Lasershow einer Unterschweinbacher Firma kostet 6000 Euro, da kommen aber auch noch Kosten für den Sicherheitsdienst hinzu.

Stadt Olching sichert Unterstützung für Lasershow zu

Die Aktion soll überall bekannt werden, in Schulen, bei Ärzten und durch Plakate, für die der Eichenauer Graphikdesigner Jürgen Gawron einen Freundschaftspreis gemacht hat, weil er die Idee unterstützt. In seinem Ort fiel ein solcher Vorstoß durch.

Auch die Stadt trägt doch einen Teil dazu bei. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) hat in einem Brief seine Unterstützung zugesichert. Und, dass man den Straßenabschnitt am Nöscherplatz absperren werde, um einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu garantieren.

„Wir erhalten sehr viel positives Echo“, sagt Irmgard Gaul. Die Arbeit sei weit fortgeschritten. Vor der Lasershow wird es um 23 Uhr eine Ökumenische Andacht in St. Peter und Paul geben. Böller und Raketen sind nicht erlaubt. Sekt & Co. sollte jeder selbst mitbringen. „Und wir bitten die Leute, ihren Müll wieder zu entsorgen.“ Im besten Fall bleibt nämlich nicht nur der Himmel sauber – sondern auch der Boden.

Dicke Luft zum Jahreswechsel: Das sind die Fakten

Olching ist die erste Kommune im Landkreis, die zu Silvester eine Lasershow veranstaltet. In Landshut gibt es diese Alternative quasi als „Entschädigung“, weil in der Innenstadt die Knallerei komplett verboten wurde. Im östlichen Landkreis feiert Puchheim mit einem zentralen Feuerwerk, in Eichenau und Gröbenzell sind derartige Vorschläge durchgefallen. Laut Umweltbundesamt (UBA) steigt in der Silvesternacht die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an.

 Unter Feinstaub versteht man eine Art Nebel aus mikroskopisch feinen Partikeln. Das Einatmen kann zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Atemwege führen und sogar Herz-Kreislauf-Probleme verursachen. Gerade Asthmatiker müssen einen erhöhten Medikamentenbedarf fürchten. Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden rund 4500 Tonnen Feinstaub frei gesetzt. Das sind in etwa 15,5 Prozent der Menge, die in einem Jahr im Straßenverkehr gemessen wird. Laut UBA wurde in manchen deutschen Innenstädten der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter deutlich übertroffen. So wurden zum Beispiel im Zentrum von München am 1. Januar schon 500 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen – dazu hatten allerdings auch noch besondere Wetterbedingungen beigetragen.

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