Zum Abschied gab es einen Geschenkkorb: Die Herzsportgruppe des TSV Olching zusammen mit dem Gründer der Gruppe Gerhard Lieb.

Olching

Eine besondere Sportgruppe sagt Servus

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Die Herzsportgruppe des TSV Olching hat kranken Menschen 35 Jahre lang ein gutes Gefühl gegeben – auch psychisch. Doch damit ist es jetzt vorbei. Für den langjährigen ärztlichen Betreuer fand sich kein Nachfolger.

Olching – Gegründet wurde die Gruppe 1984 von Dr. Gerhard Lieb und dem inzwischen verstorbenen Jörg Wichmann, damals Übungsleiter beim TSV. Kennengelernt hatten sie sich als Arzt und Patient – Lieb war seinerzeit Assistenzarzt am Brucker Klinikum. Von einer früheren Arbeitsstelle kannte er den Herzspezialisten Max Halhuber, der als Vater der Koronargruppen gilt. „Er hatte als erster die Idee, Infarktpatienten nicht in Rente zu schicken, sondern sie mit Hilfe von Sport wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern“, erzählt Lieb.

145 Besucher beim Vortrag

Er organisierte einen Vortrag Halhubers im TSV-Vereinsheim, der laut damaligem Tagblatt-Bericht 145 fasziniert lauschende Zuhörer anzog. Im TSV-Vorstand hatte man zunächst Bedenken, weil extra für die Herzsportgruppe ein Defibrillator gekauft werden musste. Die Geräte waren damals noch deutlich seltener und teurer als heute.

Treffen jeden Freitag

Doch Lieb, der inzwischen seine eigene Praxis in Neu-Esting hatte, konnte die 1000-Mark-Spende eines Patienten beisteuern, so dass der Verein der Anschaffung zustimmte. Seitdem traf sich die Olchinger Herzsportgruppe jeden Freitag – außer in den Schulferien – zum gemeinsamen Training unter ärztlicher Aufsicht. Lieb war bei jedem Termin dabei, sichtete die Vorbefunde der bis zu 30 Teilnehmer, stand für Fragen zur Verfügung und hatte ein Auge auf alle, während sie unter Anleitung eines TSV-Übungsleiters Gymnastik und Bewegungsspiele machten.

Das Gefühl, wieder etwas leisten zu können

Dabei profitierten die Patienten nicht nur körperlich. Das Gefühl, wieder etwas leisten zu können, half auch der Psyche. Im Laufe der Zeit entstand eine fast familiäre Atmosphäre in der Gruppe. Durch gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge und Feste wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl zusätzlich gestärkt. Kein einziges Mal musste Lieb in all den Jahren einen schweren koronaren Notfall betreuen. Lediglich ein Beinbruch und ein Kreislaufzusammenbruch – der aber nicht auf die Herzkrankheit des Teilnehmers zurückzuführen war – sind ihm als schlimmere Vorkommnisse im Gedächtnis geblieben.

Kein Nachfolger

Vor einigen Monaten hat der Internist, inzwischen 72 Jahre alt, seine Praxis übergeben und sich zur Ruhe gesetzt. Lange hat er nach einem Nachfolger für die ehrenamtliche Betreuung der Herzsportgruppe gesucht – vergeblich. „Es will keiner“, bedauert Lieb. Ein Grund dafür mag der ungünstige Übungstermin am Freitagabend sein.

Ein anderer ist nach Liebs Überzeugung die Tatsache, dass Ärzte vor der gleichzeitigen Behandlung mehrerer Patienten in Gruppen zurückscheuen. Schon Halhuber hatte 1984 diese Problematik angesprochen. „Sie ist heute noch genauso gültig“, so Lieb. „Die Regel ist die Zweisamkeit von Arzt und Patient im Sprechzimmer.“ Nach Auflösung der Koronargruppe müssen sich die Mitglieder notgedrungen etwas Neues suchen. Einige trainieren inzwischen in der Senioren-Sportgruppe – allerdings ohne medizinische Aufsicht.

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