Andreas Paulus mit seiner zweiten Frau und dem Nachbarskind Georg Rauh.

In Olching

Er gab der Paulusgrube ihren Namen

  • Kathrin Böhmer
    VonKathrin Böhmer
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Wer auf einer Karte von Olching nach der Paulusgrube sucht, wird nichts finden. Offiziell gibt es keinen solchen Ort. Dennoch gilt er für Einheimische als fester Begriff, wird sogar für ein als Jahrhundertprojekt bezeichnetes städtebauliches Vorhaben benutzt. Wie das Areal seinen Namen bekam, verrät ein Blick ins Archiv.

Olching – Im Rathaus wird es sehr gerne als Jahrhundertprojekt bezeichnet. Klingt ja auch attraktiver als „Bebauungsplan Paulusgrube“. So lautet aber der offizielle Titel für das große städtebauliche Vorhaben. Olching gestaltet die zukünftige Entwicklung des stadteigenen Grundstücks rund um den Bahnhof und des angrenzenden Areals. Es sollen Parkplätze entstehen, Einkaufsmöglichkeiten und Wohnungen, auf dem Reißbrett gibt es bereits viele Ideen für ein attraktives Zentrum. Die Olchinger konnten in der ersten Jahreshälfte ihre Anmerkungen im Rahmen eines Bauleitverfahrens einbringen. Im Zuge dessen kam aber auch ein interessanter Punkt auf: Nicht jedem ist geläufig, weshalb das Areal eigentlich den Namen Paulusgrube trägt.

Früher weideten hiersogar Ziegen

Auf die Schnelle findet man es auch tatsächlich nicht heraus. Wer den Ortsnamen auf der Karte sucht, tut dies vergeblich. Auch das Internet spuckt hierzu nichts aus. Selbst Tobias Weger, Verfasser des Buches „Geschichte der Gemeinde Olching“, das gerade neu aufgelegt wird, kann aus dem Stegreif nichts sagen, höchstens mutmaßen. Eine Anfrage bei Stadtarchivarin Angelika Steer bringt dafür sehr schnell des Rätsels Lösung, die irgendwie dann doch banal ist: Ein Herr Paulus hat der Grube seinen Namen vererbt.

Wie es dazu kam, verrät die Geschichte. Als 1838 die Bahnlinie zwischen München und Augsburg gebaut wurde, wurden enorme Mengen Kies ausgegraben. Es entstand eine Grube im Bereich der heutigen Bahnhof- beziehungsweise Jahnstraße. Genutzt wurde sie als natürlicher Abenteuerspielplatz. Eisenbahner legten Schrebergärten an oder züchteten hier Hasen. Sogar eine Ziegenherde weidete jahrelang dort. Im Winter sausten Schlitten den Hügel hinunter. Eingeweihte nutzten einen Trampelpfad als Abkürzung zum Bahnhof.

Andreas Pauluswar Fabrikarbeiter

Nach und nach siedelten sich einzelne Häuschen an. Einer der Anlieger war der Fabrikarbeiter Andreas Paulus, der von 1861 bis 1941 lebte. Er wohnte an der heutigen Ecke Jahnstraße/Wolfstraße. Wie es früher häufig passierte, wurde aus dem Namen desjenigen, der an einem Ort wohnte, auch die Ortsbezeichnung. Zumindest inoffiziell. Einheimische wussten so ganz genau, wovon die Rede ist. Das ist bis heute so geblieben.

Die Stadt hat das Areal Mitte der Achtziger Jahre von der Bundesbahn erworben und hatte bereits große Pläne. Zuvor gab es langjährige, zähe Verhandlungen. Wie hoch der Kaufpreis war, ist nicht überliefert. Stadtarchivarin Angelika Steer geht im Übrigen nicht davon aus, dass es sich bei dem späteren Estinger Bürgermeister Johann Paulus um einen Nachkommen von Andreas Paulus handelt. Hier ist die Namensgleichheit wohl eher Zufall.

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