Johann „Stony“ Steinhartstarb kurz vor seiner Hochzeit.

Nachruf

Er war die gute Seele der Speedway-Familie

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Tiefe Trauer herrscht im großen Freundeskreis von Johann Steinhart. Vor allem im Olchinger Speedway-Team um Langbahn-Weltmeister Martin Smolinski ist die Fassungslosigkeit über den plötzlichen Tod des langjährigen Wegbegleiters groß.

Olching –  „Wir können es eigentlich immer noch nicht glauben“, sagt Smolinskis Vater Georg. Johann „Stony“ Steinhart war nicht nur Teil der Speedway-Familie, er war für viele unersetzlich.

Der Mann mit dem Obelix-Schnurrbart – auf den er sehr stolz war – gehörte seit neun Jahren fest zum Team. Er war dort die gute Seele, „der große Onkel“, wie Georg Smolinski erzählt. Er kümmerte sich um die Organisation der Reisen, um die Verpflegung und um das Erscheinungsbild der Motorräder, um Reifen, Tank und Öl. Außerdem war der gebürtige Olchinger für den Verkauf von Merchandising-Artikeln zuständig.

Bei Rennen leitete er den Verkaufsstand vor Ort, und zwar mit solchem Pflichtbewusstsein, dass er sogar unmittelbar nach dem WM-Gewinn in Mühldorf weiter seine Shirts verkaufte und fast die Siegerehrung verpasst hätte. „Wir mussten ihn rufen, dass er mit uns ganz oben steht“, erzählt Martin Smolinski. „Neid und Missgunst kannte er nicht. Er war ein Freund, der mir Beistand in jeder Lebenslage gab.“

Sie reisten viel durch die Welt, überall fühlte Stony Steinhart sich schnell zu Hause. Doch egal, wo er war, bestimmte Rituale durften nicht fehlen: das tägliche Rückentraining, der abendliche Saunagang und der geliebte Espresso mit einem Glas Wasser. „Den letzten Schluck in der Tasse spülte er mit dem letzten Rest aus dem Wasserglas hinunter“, erzählt Georg Smolinski. „Das gehörte für ihn dazu.“

Noch unverzichtbarer als sonst war Steinhart, wenn das Speedway-Team in Großbritannien unterwegs war – weil er sehr gut Englisch sprach und der Einzige war, der mit den rechtsgesteuerten Autos und dem Links-Verkehr klarkam. „Er war unser England-Fahrer“, sagt Georg Smolinski.

Einmal hatten sie eine Reifenpanne vor der Einfahrt zu einem noblen Anwesen. Als die Besitzerin zurückkam und nicht auf ihr Grundstück fahren konnte, war es Stony Steinhart, der seinen Charme spielen ließ. Die Dame half bereitwillig weiter. Jedes Jahr reiste Steinhart mindestens einmal nach Hamburg. Die Stadt – und den Fußballverein St. Pauli – liebte der Elektrotechniker, seit er einige Jahre dort bei Airbus gearbeitet hatte. Und natürlich hatte er auch dort gute Freunde gefunden, mit denen er Kontakt hielt.

Zuletzt arbeitete Steinhart als Gruppenleiter bei einem Brucker Elektronikunternehmen. „Er hat sein Leben in vollen Zügen genossen“, sagt Martin Smolinski. „Und selbst wenn wir uns alle einig sind, dass er viel zu früh gehen musste, können wir sicher sagen, er hatte ein schönes, erfülltes Leben.“

Jetzt hätte noch einmal ein neuer Abschnitt beginnen sollen, auf den der 63-Jährige sich sehr gefreut hatte. Zwei Tage waren es noch bis zu seinem Ruhestand, für den er schon viele Pläne hatte. Nach 29 Jahren Beziehung wollten er und seine Lebensgefährtin sich das Ja-Wort geben – die Formalitäten waren schon erledigt, im Frühjahr sollte es soweit sein. „Und er wollte viel wandern mit seiner Schwester, ein wenig ausschlafen, einfach das tun, was ihm Spaß machte“, erzählt Smolinski. Bei den Menschen, die ihm nahestanden, hinterlässt Stony Steinhart viele schöne Erinnerungen. „Wir können alle viel lernen von seiner Art, mit dem Leben umzugehen.“

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