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Kritiker werden wieder lauter 

Der ewige Streit um die Südwestumfahrung

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Seit 25 Jahren schwelt die Debatte um die Olchinger Südwestumfahrung. Anfang der Woche wurden wieder Büsche und Bäume für den Bau gerodet – und die Kritiker scheinen lauter denn je dagegen anzuschreien. Für die Vertreter der Stadt ist das unverständlich. Eine Übersicht über die Gemengelage.

Olching– Der Widerstand gegen den Bau der Olchinger Südwestumfahrung kommt gerade von diversen Seiten. Ganz offenbar besteht immer noch die Hoffnung, das Projekt, das bereits sämtliche gerichtliche Instanzen durchlaufen hat und abgesegnet wurde, zu kippen.

Das sind die aktuellen Kritiker

Olchings Nachbargemeinde Gröbenzell hat vor Kurzem eine Petition gestartet. Wie auch Eichenau befürchtet die Kommune, dass die neue Trasse das Verkehrsaufkommen in den umliegenden Ortschaften erhöht. Der Initiator der Gröbenzeller Beschwerdeschrift ist einer der aktuell lautesten und bekanntesten Kritiker des Projektes: Martin Runge, Gemeinderatsmitglied und Landtagsabgeordneter der Grünen. Er bekam umgehend Gegenwind von Olchings Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl (CSU), eine fleißige Verfechterin der Südwestumfahrung. Hartl hält die Petition laut bayerischem Recht für „unzulässig“, da sie ein bereits abgeschlossenes Gerichtsverfahren tangiere. Runge winkt dies ab und erklärt: „Unsere Petition richtet sich nicht gegen das Urteil, sondern gegen den Bau der Straße.“ Die Eichenauer Grünen springen jetzt auf diesen Zug auf: Sie fordern ebenfalls eine Petition.

Der aktivste Kritiker ist und bleibt jedoch Martin Runge. Er gibt Pressekonferenzen, heute Abend lädt er zu einer Informations-Veranstaltung ein (siehe Kasten). Hier wird es vorrangig um die Verkehrsbelastung gehen. Runge sieht allerdings auch ein Problem darin, dass die Straße durch das Starzelbach-Areal und somit mittlerweile komplett durch ein vorläufig gesichertes Überschwemmungsgebiet führt. Um den Schutz vor Hochwasser zu gewährleisten, müsste ein unverhältnismäßig hoher Aufwand betrieben werden. Das würde das laut Runge ohnehin schon schiefe Kosten-Nutzen-Verhältnis (zu hohe Kosten für eine zu geringe Verkehrsentlastung) weiter strapazieren.

Dass die Erwartungen an die Straße völlig überzogen seien, hatte Gert Schlenker von der Bürgerinitiative Ortsentwicklung Olching (BIOO) schon 2014 moniert. Um die BIOO ist es im öffentlichen Diskurs allerdings ruhig geworden. Das übernehmen nun andere. So hat der Bund Naturschutz vor Kurzem eine Pressemitteilung mit einem Rundumschlag gegen die geplante Trasse geschickt. Olchings Grüne üben öffentlich Kritik. Auch Ewald Zachmann teilt stellvertretend für die Stadtratsfraktion der Freien Wähler der Presse schriftlich mit, dass diese Straße eine „fatale Fehlentscheidung“ sei. Allerdings könne diese nicht mehr durch den Landtag verhindert werden, der das Projekt unterstütze, unter anderem mit dem prominenten Gesicht von Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet (CSU). Erst vor Kurzem war ein Antrag der Freien Wähler zur erneuten Prüfung der Trasse abgelehnt worden. „Die Olchinger SPD hat nun den Schlüssel in der Hand“, meint Zachmann. Sie könne das Projekt noch verwerfen.

So argumentierendie Befürworter

Angesichts des wieder aufkeimenden öffentlichen Protests hat nun auch die Stadt Olching, vertreten durch Bürgermeister Andreas Magg (SPD), eine Stellungnahme herausgeschickt. Darin wird klar: Der Bau der Straße ist weiter gewünscht, die Beschlüsse des Stadtrates seien eindeutig. Seit zwei Jahren besteht unanfechtbares Baurecht und an den Rahmenbedingungen habe sich nichts wesentlich verändert.

Bürgermeister Magg lässt verlautbaren, dass der Hochwasserschutz bereits während des ganzen Prozesses eine Rolle gespielt habe – Ähnliches gaben die zuständigen Behörden gegenüber dem Tagblatt an. Auch im Gerichtsverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof sei dieses Thema speziell beleuchtet worden. Für Olching als die Stadt, die am Unterlauf der Starzel liegt, seien die Maßnahmen in Alling und Eichenau von besonderer Bedeutung. „Aus diesem Grund arbeiten wir eng und intensiv über die Gemeindegrenzen hinaus zusammen”, berichtet der Bürgermeister. Aktuell werde ein gemeinsames Konzept erstellt, um dem Hochwasser im Sinne aller betroffenen Kommunen Herr werden zu können. Die neue Straßentrasse werde dabei bereits berücksichtigt. Andere Schutzmaßnahmen wurden schon umgesetzt, wie zum Beispiel eine deutliche Aufrüstung der Feuerwehren mit modernen flexiblen Dämmen und weiteren Hochleistungspumpen.

Was den Kosten-Nutzen-Faktor angeht, hatte Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl vor wenigen Monaten in einem Leserbrief geschrieben: Mit der neuen Umfahrung von Olching wird eine leistungsfähige Straße geschaffen, die die Ortsdurchfahrt mit den Staatsstraßen 2069 und 2345 sowie den Roß- haupter Platz samt Kreisverkehr massiv entlasten wird.

Das ist der Zeitplanfür den Bau

Einen konkreten Zeitpunkt konnten die Beteiligten bisher nicht nennen. Bürgermeister Magg geht aber derzeit von einem „baldigen Baubeginn“ der Südwestumfahrung aus. Der Freistaat Bayern müsste nur noch die Grundstücke entlang der Trasse erwerben. Olchings Bürgermeister Magg sowie der örtliche Landtagsabgeordnete Reinhold Bocklet hätten sich hier in den vergangenen Monaten für annehmbare Lösungen für die Grundstücksbesitzer eingesetzt, heißt es. Konkreter wird es nicht.

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