+
Landratskandidat Ulrich Bode (r.) überreichte Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki eine Ausgabe seines Buches als Begrüßungsgeschenk.

Kommunalwahl FFB 2020

FDP-Promi verspricht Hilfe im Wahlkampf

  • schließen

Als komprimiertes Seminar in Sachen FDP-Politik bezeichnete Hendrik Grallert, Chef der Kreis-Liberalen, den Besuch von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki. Der sagte bei einem Gespräch im Olchinger Hotel Schiller, er sehe die Meinungsfreiheit in Deutschland in Gefahr.

Olching – „Rein rechtlich ist die Meinungsfreiheit noch vorhanden. Faktisch dagegen nicht mehr“, sagte der Bundespolitiker, der auf dem Weg zwischen zwei Terminen in Sindelfingen und Landshut einen Abstecher in den Landkreis machte. Die Flüchtlingsfrage oder die Klimadebatte würden nur noch emotional diskutiert, Sachbeschädigungen gegen Politiker im Wahlkampf würden immer öfter auftreten.

„Die Meinungsfreiheit erodiert“, sagt Kubicki und hält das für eine „schräge Entwicklung im Land“. Streiten, aber sachlich streiten. Das sei das Rezept für die politische Debatte. Und: „Der Politik fehlt ein wenig der Witz.“

Alleine durch die Art der Kommunikation könne man vieles Entkrampfen, ohne dabei den anderen nicht ernstzunehmen, sagt Kubicki und schiebt ein Beispiel hinterher. Als AfD-Chef Alexander Gauland seinerzeit erklärte, er könne sich nicht vorstellen, den deutschen Nationalspieler Jerome Boateng als Nachbarn zu haben, habe er erwidert: „Das glaube ich gerne, denn das können Sie sich gar nicht leisten.“ Das Netz ist voll von solchen Bonmots des Bundespolitikers. Auf Internetportalen findet man ganze Videos, in denen die besten Sprüche Kubickis zusammengestellt sind. Auch beim Gespräch in Fürstenfeldbruck ist der FDP-Politiker immer wieder für eine amüsante Anekdote gut. Und das ist auch sein Vorschlag für den Umgang mit der AfD: „Man soll sie nicht in den Arm nehmen, man soll sie auf den Arm nehmen.“

Natürlich kann Kubicki auch sachlich. Das zeigt er, als er über den momentanen Zustand der Regierungskoalition sinniert. Den Supergau, den Grüne und SPD am Wahlsonntag in Thüringen erleben sollten, sagte er bereits bei seinem Besuch am Samstag voraus. Die Koalition würden immer mehr in Frage stellen. „Die SPD befindet sich in einer Schockstarre.“ Bei Neuwahlen befürchtet Kubicki eine acht bis neun Monate andauernde Hängepartie, die die Debatte drängender Fragen wie des Brexits oder des Handelskonflikts mit den USA ausbremsen würde.

Kubicki bedauert es noch heute, dass bei den zurückliegenden Bundestagswahlen eine Jamaika-Koalition gescheitert ist. „Schließlich komme ich selbst aus einer funktionierenden derartigen Koalition“, sagt er mit Verweis auf sein Heimatbundesland Schleswig-Holstein. Die Differenzen zwischen FDP oder Grünen seien gar nicht so sehr in den Zielen, sondern bei der Betrachtung der Wege dorthin. Trotzdem finde man Kompromisse, in denen sich jeder wiederfinde.

Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen sagte Kubicki der Kreis-FDP seine Unterstützung zu – unter anderem durch seine öffentlichen Auftritte, in denen er auch wichtige Themen wie die Grundsteuerreform oder den seiner Ansicht nach viel zu mangelhaften Ausbau der Infrastruktur im Digitalbereich ansprechen will. FDP-Kreisvorsitzender Hendrik Grallert nahm ihn beim Wort und kündigte an, Kubicki noch einmal für eine Wahlkampfveranstaltung nach Fürstenfeldbruck holen zu wollen – dann aber öffentlich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach 63 Jahren: Sein letztes Adventsingen
Wenn heuer das traditionelle Adventsingen in der Jesenwanger Willibaldkirche erklingt, stehen die Zeichen auf Abschied: Organisator Paul Weigl hört auf. Sage und …
Nach 63 Jahren: Sein letztes Adventsingen
Neue Schilder an Ortseingängen
Die Stadt Germering heißt ihre Besucher mit neuen Schildern willkommen.
Neue Schilder an Ortseingängen
Sie bieten Alkoholkranken eine Anlaufstelle
Vor einem Jahr haben Karin Kainz und Hermann Bernreiter eine Selbsthilfegruppe des Kreuzbundes für Angehörige und Freunde alkoholkranker Menschen gegründet.
Sie bieten Alkoholkranken eine Anlaufstelle
Toiletten am Bahnhof werden teurer
Die öffentliche WC-Anlage am Bahnhof ist noch gar nicht errichtet, da gibt es schon eine Kostensteigerung.
Toiletten am Bahnhof werden teurer

Kommentare