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Böse Überraschung: Städtische Mieter haben seit der Umstellung auf Fernwärme deutlich erhöhte Heizkosten. 

Erhöhte Nebenkostenabrechnungen

Fernwärme wird für Stadt  Olching zur Kostenfalle

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Die Stadt Olching steht vor einem Problem: Die Nebenkosten der städtischen Mieter sind seit der Umstellung auf Fernwärme teils drastisch gestiegen. Offenbar kam das überraschend - trotz Vorgeschichte. 

Olching – Mehr als 1250 Olchinger Haushalte werden derzeit mit Fernwärme versorgt – aktuell im Fokus stehen aber 150 Wohnungen der Stadt. Einige Mieter erlebten dort nach der Umstellung auf die erneuerbare Energiequelle vor zwei Jahren eine böse Überraschung: Die Kosten stiegen teils drastisch – zu sehen ist dies deutlich, wenn man die Ista-Abrechnungen von 2015 (noch mit konventioneller Heizung) und 2016 vergleicht. In Einzelfällen ist sogar von einer Verdreifachung die Rede. Das Problem existiert offensichtlich bereits länger und ist seit Monaten bekannt. Die Stadt prüft die Sache intern – für die Mieter gibt es derzeit eine Schonfrist, noch müssen sie nicht bezahlen. Die Olchinger CSU hat das Ganze allerdings vor Kurzem aufs öffentliche Tapet gebracht – weil sich wohl verzweifelte Mieter an deren Fraktionsvorsitzenden Tomas Bauer gewendet hatten.

Die neuesten Erkenntnisse der Verwaltung sollten in der jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstag debattiert werden. Diesmal hatte Andreas Teichmann (FDP) beantragt, den Tagesordnungspunkt in den öffentlichen Teil zu verlegen. „Das Thema wurde ja bereits öffentlich diskutiert“, erklärt er auf Tagblatt-Anfrage. Ebenso sei der Ausbau der Fernwärme damals in der Öffentlichkeit behandelt worden. Allerdings habe er den Antrag bereits am Wochenende gestellt, bevor die Verwaltung den aktuellen Sachstandsbericht geschickt hatte. „Daraus haben sich noch mehr Fragen ergeben.“ Das bestätigen mehrere Fraktionen. Das Gremium hat beschlossen, den Punkt zu vertagen – und öffentlich zu beraten, wenn fundierte Informationen vorliegen.

Jetzt könnte man sagen: Die Sache ist doch ganz einfach, die Fernwärme ist teurer als es die Gasheizung war. Sollte jemand Kostenneutralität – wie es das Gesetz vorschreibt – garantiert haben (wie es laut dem Eindruck einiger Stadträte von Seiten der Stadtwerke damals geschehen ist), wäre dies schlicht und ergreifend falsch gewesen. Nur ist es offenbar nicht so leicht. Im Gegenteil.

Liegenschaftsreferentin Marina Freudenstein: „Wir wollen niemanden abzocken“

„Es ist wirklich unglaublich komplex“, sagt Marina Freudenstein (SPD), die für die städtischen Liegenschaften zuständig ist. „Es geht drunter und drüber.“ Unter dem Strich seien die Kosten zwar in allen Liegenschaften nach der Umstellung gestiegen. Nur kann man das nicht für jeden einzelnen Haushalt so festhalten. Im aktuellen Abrechnungszeitraum sei es teilweise sogar wieder weniger geworden, weil der Preis für die Fernwärme gesunken sei. „Die Fernwärme ist in Olching nicht teurer als in Bergkirchen, Germering oder Fürstenfeldbruck“, betont Freudenstein.

Und sie sagt klipp und klar: „Wir wollen niemanden abzocken.“ Es gibt zum Beispiel das Phänomen, dass der Verbrauch in einzelnen Wohnungen stark angestiegen sei – also die Mieter viel mehr geheizt hätten. „Dabei waren die Winter jetzt nicht so wahnsinnig streng“, sagt Freudenstein. Es gelte jetzt, jede Abrechnung und deren Zustandekommen zu hinterfragen. Möglicherweise müsse man sich auch bekennen: „Vielleicht gibt es die Energiewende nicht zum Nulltarif.“

Generell ist zu sagen, dass die Investitionskosten für die Fernwärme auch anders umgelegt werden – nämlich nicht auf die Kaltmiete wie etwa eine Anlage für die konventionelle Gasheizung, sondern auf die Nebenkosten. Nach Tagblatt-Informationen ist dies aber im Fall der städtischen Mieter nicht geschehen. Die Sache ist in mehrfacher Hinsicht vielschichtig.

Stadt Olching befindet sich in einer Zwickmühle

Die Stadt befindet sich als Vermieterin, die wirtschaftlich agieren muss, in einer Zwickmühle – da sie zugleich Hauptabnehmerin von Fernwärme durch die Stadtwerke ist, deren Hauptanteilseigner (51 Prozent) sie neben den Stadtwerken Schwäbisch Hall wiederum auch ist. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) ist Aufsichtsratsvorsitzender. In der Führung der Stadtwerke gab es vor Kurzem einen Wechsel: Der neue Chef Thomas Grulke hat nun einige Baustellen zu meistern. Die Fernwärme gilt als das Standbein, das am meisten Profit verspricht.

CSU-Fraktionsvorsitzender Tomas Bauer erinnert sich noch an eine öffentliche Präsentation der Stadtwerke. „Damals wurde eine Umsatzrendite von zehn Prozent in Aussicht gestellt.“ Das Fernwärmenetz wird seit 2011 von den Stadtwerken betrieben. Es umfasst 40 Kilometer.

Fragt man bei der Abfallverwertungsanlage in Geiselbullach, von wo die Fernwärme als Abwärme der Müllverbrennung kommt, nach, erhält man die Antwort: Es hat sich nichts geändert. „Wir haben langfristige Verträge mit den Stadtwerken Olching“, sagt Thomas König, Chef des Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft der Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau.

Einen solchen Vertrag gibt es auch für das Schwaigfeld, das nach einem Grundsatzbeschluss der Stadt für kommunalen Wohnungsbau und Neubaugebiete ebenfalls mit Fernwärme versorgt wird. Bereits seit 1999. Seitdem gab es auch einen Streit mit den Anwohnern. 2005 weigerte sich Michael Metschkoll, bekannt von der Bürgervereinigung Schwaigfeld (Büsch), die Nachzahlung zu begleichen und lehnte die Erhöhung der Abschlagszahlungen ab. Der Konflikt landete vor Gericht. Am Ende ging es im Sinne der Bewohner des Schwaigfeldes aus. Es wurde ein Preis für die Fernwärme ausgehandelt, der sich an der Entwicklung des Gaspreises orientiert. 

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