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Alle Teile werden in Olching gefertigt: Die Firma Captron ist auf Sensortechnik spezialisiert.

Olching

Firma Captron erweitert: Mini-Hightech führt zu Mega-Erfolg

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Amazon und Airbus sind zwei der ganz großen Namen, die auf die kleinen Technik-Wunder aus Olching setzen: Captron optimiert mit Sensortechnik Prozesse – bei Paketlieferungen ebenso wie auf Flugreisen. 

Olching – Oder im Bus. Das Familienunternehmen ist auf Erfolgskurs und vergrößert sich nun. Angefangen hat aber alles in einem Keller in Mammendorf. Es ist Urlaubszeit und Millionen Deutsche steigen in den Flieger, voller Vorfreude auf die Ferien. Dabei ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass ein kleines, aber sehr bedeutendes Hightech-Gerät aus Olching mitreist: eine Sonde, die den Füllstand in Frischwassertanks registriert. „Jedes Gramm im Flugzeug kostet Geld“, erklärt Captron-Geschäftsführer Philip Bellm. Da wird selbst das Frischwasser für die Toiletten auf die genaue Anzahl der Passagiere abgestimmt. Es ist sozusagen die Holzklassen-Lösung, die der Sensortechnik-Spezialist anbietet. Es gibt auch noch eine andere.

Purer Luxus im Flugzeug dank Captron

Im A 380, dem Flugzeug der Superlative, herrscht purer Luxus. Die Gepäckfächer fassen hier bis zu 50 Kilogramm. Sie fahren nach unten, damit man seinen Koffer leichter hineinstellen kann. Für das Verschließen müssten die Flugbegleiter allerdings ziemlich viel Muskelkraft aufbringen. Auch hier springt die Technik „Made in Olching“ ein: Per Sensorleiste wird die Klappe, unterstützt von einem Motor, zugemacht. Einfach gesagt: einmal darauf getippt und der Deckel schließt sich.

Das sind zwei aktuelle Beispiele der umfangreichen Produktpalette, die sich das Familienunternehmen in über 35 Jahren erarbeitet hat. Am bekanntesten sind die Bellms für ihren innovativen Sensortaster mit dem bunten Lichtring und dem Piktogramm, den man etwa in der Münchner U-Bahn und in Bussen auf der ganzen Welt findet. Hier mit einem Hand-Symbol. Türen schwingen mit geringem Druck auf wie von Geisterhand. Im Gegensatz zu den mechanischen Vorrichtungen, über die es große Klagen gab.

Durchbruch für die Firma Captron gelingt im Jahr 1995

Damit schaffte Firmengründer Reinhard Bellm 1995 den Durchbruch, nachdem er einige Jahre zuvor mit der Tüftelei begonnen hatte. „Das war in einem Keller in Mammendorf“, erzählt der 65-jährige Firmenchef. Damals war er noch Vertriebsmitarbeiter in einer Firma für Sensortechnik und nicht zufrieden mit den Lösungen, die er den Kunden anbieten konnte. Also machte er sich selbst ans Werk.

Mittlerweile ist die mittelständische Firma international auf Erfolgskurs, investiert nun rund zehn Millionen Euro in einen Erweiterungsbau am Firmensitz in Olching. Nach mehreren Umzügen fanden die Bellms hier ihre berufliche Heimat. Ein Grund: Viele Mitarbeiter stammen aus der Region. Im Speckgürtel herrscht laut Philip Bellm ein herausragendes Fachkräfteangebot. „Und die Leute wollen nicht mehr nach München pendeln.“

Captron: „Eine fast unglaubliche Entwicklungsgeschichte“

Beim Spatenstich für den Neubau vor Kurzem sprach Bürgermeister Andreas Magg (SPD) von einer „fast schon unglaublichen Entwicklungsgeschichte“. Die Zahl der Mitarbeiter habe sich innerhalb von etwa zehn Jahren am Standort in Olching von 55 auf 150 verdreifacht, darunter 15 Auszubildende. Klar, dass es irgendwann ganz schön eng wurde. Spätestens seit 2017 ein ganz großer Name mit an Bord kam: Amazon. Das konnte man bei einem Rundgang sogar sehen.

Kisten mit Hightech-Sensoren für den amerikanischen Logistik-Riesen stapelten sich in einem Raum, der wohl eigentlich als eine Art Lichtflur in dem gut durchdesignten Gebäude gedacht war. „Wir müssen improvisieren“, erklärt Geschäftsführer Philip Bellm. Selbst die Amazonleute seien über das vergleichsweise kleine Areal überrascht gewesen und fragten ganz verdutzt: „Wo ist denn hier die Fabrik?“ Diese Anekdote erzählte Bürgermeister Magg beim Spatenstich.

Captron fertigt alles in Olching

Tatsächlich wird laut Philip Bellm wirklich alles in Olching gefertigt: über Vergussraum, wo die empfindliche Technik in eine nahezu unkaputtbare Schale eingebettet wird, bis hin zur Verpackung. Mit dem neuen Anbau verdoppelt sich die Firma quasi. Auf 4500 Quadratmetern, die gerade noch als monströser Parkplatz dienen, werden in den kommenden Monaten zusätzliche Lager-, Büro- und Produktionsflächen entstehen. 150 weitere Mitarbeiter werden angestellt. Außerdem ist noch ein Parkhaus mit 132 Stellplätzen und mehreren Ladestationen für Elektroautos geplant. Damit war es das dann aber auch mit den Erweiterungsmöglichkeiten am Standort. Zumindest nach aktuellem Stand.

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