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Neues Gesicht: Stefan Eibl stellte sich als Bürgermeisterkandidat vor und wurde auch nominiert. 

Olching

Freie Wähler setzen auf Ex-SPD-Mann

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Die Freien Wähler Olching (FWO) haben bereits eine lange Geschichte, nun schlagen sie ein neues Kapitel auf: Sie schicken mit Stefan Eibl ein eher unbekanntes Gesicht ins Rennen um das Rathaus.

Olching –  Der 43-Jährige ist seit über einem Jahr bei den FWO. Zuvor war er 20 Jahre lang Mitglied der SPD in München, die er mittlerweile nicht mehr für eine Volkspartei und auch nicht für glaubwürdig hält. Ein Mandat hatte er nie inne. Er habe aber durch sein ehrenamtliches Engagement Erfahrungen im Umgang mit Verwaltungsarbeit und politischen Gremien gesammelt. Seit sieben Jahren lebt Eibl in Olching.

Noch fünf Monate bis zur Kommunalwahl

20 FWO-Mitglieder, der Verein hat insgesamt etwa 100, haben Eibl bei der Nominierungsversammlung mit 18-Ja-Stimmen (ein Nein und eine Enthaltung) ihr Vertrauen ausgesprochen. Eibls SPD-Vergangenheit kam dabei nicht zur Sprache, sehr wohl aber sein geringer Bekanntheitsgrad ziemlich genau fünf Monate vor der Kommunalwahl. „Da muss er jetzt Vollgas geben“, war etwa eine Wortmeldung. Eibl ist das Problem bewusst – er will fleißig Termine absolvieren. Immerhin tritt er gegen alteingesessene Kandidaten an: den amtierenden SPD-Bürgermeister Andreas Magg, Maximilian Gigl (CSU) und Michael Maier (Grüne). Allerdings: „Das Familienleben darf dabei nicht völlig zu kurz kommen“, erklärte Eibl.

Der gebürtige Münchner hat eine Frau und eine siebenjährige Tochter und lebt in einem Haus in Neu-Esting. „Das könnten wir uns heute vermutlich gar nicht mehr leisten“, sagte der 43-Jährige ganz offen. Er arbeitet auf selbstständiger Basis in einem Münchner Büro, erstellt Print-Stadtkarten für Touristen und pendelt mit der S-Bahn.

FW-Kandidat ist zufrieden im schönen Olching

Seine Frau habe damals Druck gemacht, aus der Wohnung in München wegzuziehen, weiter hinaus in ein Haus. Heute sei er ihr sehr dankbar dafür, wenn man die rasant gestiegenen Immobilienpreise betrachtet. Außerdem: „Mittlerweile bin ich froh, wenn ich aus München wieder draußen bin und zurück im schönen Olching.“ Mit dem Feld vor der Tür und dem Badesee.

Wohnen – speziell für Senioren – ist auch eines der Schwerpunktthemen, die Eibl als Bürgermeister angehen will. Er lobte das seniorengerechte Wohnmodell im Schwaigfeld, über das Gerlinde Zachmann ihn noch ausführlich aufklärte bei der Versammlung. „Selbstbestimmung ist das Wichtigste“, sagte Eibl.

Der FW-Kandidat und der Wohnraum

Er glaubt, dass man nur so Alternativen für ältere Menschen schaffen kann und sie dazu bewegt, das eigene Haus aufzugeben und umzuziehen, so dass junge Familien wieder Wohnraum finden. „Bei mir in der Siedlung lebt in mehr als der Hälfte der Häuser nur ein Mensch.“ Er habe zwar Verständnis, dass die Senioren daheim bleiben wollen – aber Dinge wie etwa Putzen seien auch eine zunehmende Belastung. Weitere Forderung: Bürgersteige absenken und ein Wegweiser für Senioren.

Zudem sei ein Radwegeplan für alle wünschenswert sowie ein City-Bus, der auch Querverbindungen abdecke. Was die Südwestumfahrung angeht, fügt Eibl an: „Ich denke nicht, dass die Verkehrssituation durch immer noch mehr Straßen gelöst wird.“ Er setzt etwa in der Hauptstraße eher auf alternative Modelle wie sogenannte „Shared Spaces“. Hier wird auf Verkehrszeichen verzichtet und auf gegenseitige Rücksichtnahme gesetzt. „Man muss sich halt mal etwas trauen.“ Beim Thema Energieversorgung befürwortet der studierte Politikwissenschaftler einen dezentralen Ansatz.

Sehr wichtiges Thema für Eibl: Bildung voranbringen. Hier hat er sich auch schon aktiv ins Stadtleben eingebracht, mit der Gründung und der Vorstandsarbeit im Gesamtelternbeirat (GEBO), den er als Bürgermeister nach der Kommunalwahl auch als festen Beirat einbinden würde. Überhaupt wünscht er sich: bessere Vernetzung und Förderung, auch für die aktiven Vereine, Internetseiten angebunden an die Homepage der Stadt, um Synergien zu schaffen. Sprich: „Vereinen das Leben erleichtern.“

Der FW-Kandidat und Ganztagesangebote

Außerdem: Schwimmunterricht für jedes Kind. Und: Der 43-Jährige plädiert dafür, nicht nur an der Grundschule Graßlfing einen Ganztageszweig einzuführen. Es sollten bereits parallel dazu Angebote an den anderen Grundschulen geschaffen werden, um den steigenden Bedarf durch stetigen Zuzug abdecken zu können. Die Realschule müsse fokussiert werden sowie eine FH oder BOS. Eibl: „Die Stadt scheint völlig davon überrascht worden zu sein, dass Familien hierherziehen und nicht nur wohlverdienende Singles.“

FW-Kandidat soll frischen Wind mit sich bringen

Für Alt-Bürgermeister Ewald Zachmann ist Eibls Lebenslauf ein Zeichen dafür, dass er Menschen mobilisieren kann und teamfähig ist. Eibl soll als „Neu-Olchinger“ frischen Wind ins Rathaus bringen. Und: „Er kann anpacken.“ Eibl war bereits als Teenager in der evangelischen Jugend engagiert, ebenso als Schülersprecher am Gymnasium. „Anpacken“ ist sein Motto und das zieht sich durch. Er gründete 1996 das Münchner Schülerbüro, eine Plattform für Schüler, später war er als Vize-Leiter des Kreisjugendrings München Stadt aktiv. Eibl wurde ausgemustert und absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer heilpädagogischen Tagesstätte. Er studierte Politikwissenschaften in Passau, schloss 2005 mit dem Magister ab. Das Studium dauerte laut Eibl etwas länger, weil er sich sehr viel nebenbei engagierte, für Jugend, Bildung und Klimaschutz. Als Stichworte nannte er zum Beispiel „Green City“.

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