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Der Vogelretter und die Türkentauben: Gerhard Wendl päppelt in seiner Auffangstation geschwächte Tiere auf. 

Gerhard Wendl päppelt Vögel wieder auf

Verletzte und tote Tiere nach Gewitter - Vögel und Pferde von golfballgroßen Hagelkörner getroffen

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Der Hagelsturm vom Montag war nicht nur für Menschen gefährlich, auch Tiere sind zu Schaden gekommen. Rehe, Vögel und Pferde etwa. Gerhard Wendl aus Olching kümmert sich um die geschwächten Vögel.

München – Bis 23 Uhr war Gerhard Wendl, 74, am Montag in seiner Auffangstation am Olchinger See. Den ganzen Abend hat er Menschen direkt vor Ort oder am Telefon beraten, die verletzte oder tote Vögel gefunden hatten. Die ersten meldeten sich schon kurz nach dem Hagelsturm. Spechte, Krähen, Turmfalken, Spatzen: Insgesamt 25 Vögel päppelt Gerhard Wendl nach dem Unwetter derzeit wieder auf.

Unwetter zieht über Region München: Vermutlich viele Muttertiere gestorben

Den Vögeln wird’s bald wieder gut gehen, meint Wendl vom Landesbund für Vogelschutz. Das Problem aber sei, dass vermutlich viele Muttertiere gestorben seien. Bei den Höhlenbrütern wie den Spechten seien die Muttervögel bei der Nahrungssuche für ihre Jungen umgekommen. Der Nachwuchs sitzt jetzt in den Nestern fest. Ohne Essen.

Bei den Freibrütern wie den Türkentauben haben sich die Eltern schützend über die Eier oder den lebenden Nachwuchs gesetzt. Viele sind dabei von den Hagelkörner erschlagen worden. „Der Hagel kam ausgerechnet jetzt zur futterintensiven Zeit“, sagt der Vogelretter. Ohne die Muttertiere verendet auch die junge Brut.

Beim Landesbund für Vogelschutz geht man nicht von einem großflächigen Problem aus

Wie viele Vögel bei dem Hagelsturm gestorben sind, kann Gerhard Wendl nicht abschätzen. Die meisten Tiere würde man nicht finden, weil sie in abgelegenen Gegenden leben. Aber nur ein großes Hagelkorn auf den Kopf eines Vogels reicht aus, damit er stirbt. Beim Landesbund für Vogelschutz geht man aber nicht von einem großflächigen Problem aus.

Wie groß der Schaden bei den Wald- und Feldbewohnern ist, kann auch Thomas Schreder vom Bayerischen Jagdverband nicht abschätzen. Er geht davon aus, dass viele Fasane und Hasen zu Tode gekommen sind. Auf dem Feld gebe es nämlich keinen Schutz vor dem gefährlichen Niederschlag. Für die Tiere im Wald sind die Überlebenschancen höher. Wegen des Lärms seien die Tiere aber sicherlich gestresst worden.

Pferde in Puchheim von golfballgroßen Hagelkörner getroffen

Der Hagel hat auch die Pferde von Georg Huber aus Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck) erwischt. Die Pferde waren im Laufstall, als der Hagel auf das Dach schlug und die Ziegel sowie den Lichtfürst zerstörte. Das war so laut, sagt Georg Huber, dass die Pferde auf die Koppel liefen. Dort schossen die golfballgroßen Hagelkörner auf die Tiere ein. Das muss für die Pferde so schmerzhaft gewesen sein, dass sie den Elektrozaun durchbrachen und nach einem Unterstand suchten. Georg Huber konnte sie in der Nähe des Hofs wieder einsammeln.

„Die Pferde haben Blutergüsse bekommen“, sagt der Pferdebauer. Und einen gewaltigen Schrecken. Die Tiere haben nun weiße Salbe auf dem Fell. Es hilft gegen die Ergüsse.

Zerstörte Felder großes Problem für Bauern

Ein weiteres Problem für Huber und viele andere Bauern sind die Felder, die während des Unwetters teilweise zerstört wurden. „Unsere Wiese ist total kaputt“, sagt der Pferdebauer. Das sei besonders schlimm, weil die Ernte im letzten Jahr wegen der Trockenheit besonders schlecht war. Die Heuvorräte sind knapp. Das vom Unwetter verschonte Wiesengras müsse Huber am Wochenende ernten, sonst würde es schlecht werden.

Am Pfingstmontag zog ein kräftiges Unwetter über Bayern.In München sorgten Starkregen und Hagel für Überflutungen*. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

Max Wochinger

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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