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Gaudi mit Anspielung auf die kommunalpolitik. Das Foto stammt vom Zug 2018.

Olching/Gernlinden

Gaudiwurm: Internet entlarvt Schwarze Schafe - so sind heuer die Regeln

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Faschingszüge sollen eine Gaudi sein – dürfen aber nicht aus dem Ruder laufen. In Olching hatten die Organisatoren in den vergangenen Jahren alle Hände voll zu tun, um zuviel Alkohol und zu wenig Verantwortungsbewusstsein einzudämmen. Heuer gehen sie dabei ganz neue Wege. Sie haben auf der Suche nach Schwarzen Schafen das Internet durchkämmt.

Olching/Gernlinden – Das genaue Vorgehen erklärten die Organisatoren bei einem Infoabend. Er fand erstmals gemeinsam mit den Machern des Gernlindner Faschingszuges statt. Da viele Wagen bei beiden Gaudi-Würmern mitfahren, spart sich deren Besatzung so ein weiteres Treffen. 100 Interessenten waren gekommen.

Die Verantwortlichen bei der Zugbesprechung.

Diejenigen von ihnen, die in der Vergangenheit auf Fotos und in Videos in den Sozialen Netzwerken und auf YouTube negativ aufgefallen sind, machten lange Gesichter. Die Zug-Organisatoren haben diese Kanäle genau durchforstet. Alles was mit dem Stichwort „Faschingszug Olching“ auf öffentlich zugänglichen Seiten zu finden war, haben sie unter die Lupe genommen.

Sie fanden auch Bilder von Menschen mit Bierflaschen, die sich auf den Wagen eifrig zuprosteten – und andere Dinge taten, die per Reglement bei den Umzügen verboten sind. „Wir haben fünf Stunden Videomaterial vom letzten Zug“, sagt Luca Maier, Beisitzer im Olchinger Zugkomitee.

Das Filmmaterial aus dem Netz hilft den Organisatoren, auszusieben. Denn künftig darf nur noch teilnehmen, wer eingeladen wird. Natürlich haben die Organisatoren im Netz auch positive Beiträge gefunden. „Die Kreativität beim Wagenbau und das Benehmen werden bei unserer Entscheidung eine sehr wichtige Rolle spielen“, erklärt Maier. Bis spätestens Ende nächster Woche gehen die Einladungen raus.

Die Stadt Olching hat die Zahl der Wagen beim Faschingsumzug erstmals begrenzt: auf 25 Stück. Fußgruppen sind ausgenommen. Die können sich zudem weiter spontan anmelden.

Das Image des Zuges

Zum sorgsameren Umgang mit den Sozialen Netzwerken mahnte Hannes Haschka, Vorsitzender des Faschingsausschusses in Gernlinden, auch noch aus einem anderen Grund. „Da kommen Aufnahmen und Fotos dann ganz schnell in die falschen Kanäle“, sagte Haschka. Da erhalte ein Faschingszug schnell das Negativimage einer Rabauken-Veranstaltung. Die Zugkomitees sind um ein gutes Gesamtbild bemüht. „Zu viel mit Bierflaschen zuprosten geht nicht“, betonte Haschka auf der Versammlung.

Auflagen beim Alkohol

Für beide Züge gilt außerdem, dass hochprozentige Getränke grundsätzlich zum Ausschluss führen. Darin eingeschlossen sind auch die in kleinen Glasflaschen verkauften „Feiglinge“. „Ich habe keine Lust, die dutzendweise aus dem Garten zu fischen“, mahnte Hannes Haschka. Ebenso wird in Gernlinden und Olching das Abbrennen von Pyrotechnik und das Aufschaukeln der Wagen verboten. „Wer sich nicht daran hält, wird aus dem Verkehr gezogen“, so Haschka . Die Olchinger Verantwortlichen deuteten an, dass sie bei ihrem Zug eine ähnlich klare und konsequente Linie fahren werden.

Regeln für die Wagen

Genauso wird man bei den Wagen penibel darauf achten, dass sie die zulässigen Ausmaße nicht überschreiten. Vier Meter hoch, drei breit und 20 Meter lang dürfen sie sein. Außerdem dürfen sich während des Zuges höchstens 50 Personen auf dem Wagenaufbau aufhalten. Musik darf nicht zu laut sein. Zudem hat Hans Krämer, Vorsitzender des Olchinger Zugkomitees, eine bestimmte Vorstellungen über die Art der Musik: „Faschingsschlager und Stimmungsmusik.“

Sicherheit

Beim Olchinger Zug gibt es die Regelung, dass den Wagen eine Nummer und ein Aufstellplatz zugewiesen wird. Haschka vom kleineren Gernlindener Zug beneidet die Olchinger da nicht. Es sei schade, dass man so viele Auflagen machen müsse. „Aber es muss das Menschenmögliche an Sicherheit getan werden.“ Damit der Fasching eine Gaudi bleibe.

In Gernlinden

Noch nicht ganz so viele Auflagen wie beim Olchinger Faschingszug müssen die Teilnehmer des Gaudiwurms in Gernlinden beachten. Zum Beispiel wird nicht vorgegeben, wie viele Leute während des Zugs auf einem Wagen mitfahren dürfen. Bewährt hat sich laut Christian Kemether vom Kartell der Gernlindener Ortsvereine die Regelung, auf eine Bewertung der Teilnehmer zu verzichten. „Das hat manchmal für Missstimmung gesorgt. Wir wollen aber einen Familienfasching“, erklärte Kemeter. Eine strenge Auflage geben aber auch die Gernlindener Organisatoren den Teilnehmern mit auf den Weg. „Jeder Verein muss einen Sammler für die Abzeichen abstellen“, sagt Kemether. Außerdem müssen alle am Faschingszug teilnehmenden Wagen bis zum Einbruch der Dunkelheit aus dem Ortsteil abgezogen sein.

Die Termine

Der Olchinger Zug findet am Faschingsdienstag, 25. Februar, statt. Er startet um 14 Uhr. Es ist der der 67. Olchinger Faschingszug. Der Gernlindener Zug geht am Faschingssonntag, 23. Februar, über die Bühne. Um 13 Uhr startet das Faschingstreiben, der Zug beginnt um 14 Uhr.

Kurz-Interview mit dem Chef des Ortsverein-Kartells

Christian Kemether ist Vorsitzender des Kartells der Gernlindener Ortsvereine. Nun war er einer der Gastgeber der ersten gemeinsamen Zugbesprechung für Olching und Gernlinden. 

Beide Züge und die Besprechungen dazu gibt es schon lange. Warum jetzt zusammen?

 Es gibt viele Themen, Anliegen und Probleme, die beiden Faschingszügen gemeinsam sind. Da ist oft alles zweimal besprochen worden. Es hat sich also angeboten, dass die Gernlindener und Olchinger Komitees das zusammen machen. Das Interesse daran war groß. 

Überrascht? 

Ein wenig schon. Wir haben uns im Vorfeld gefragt, wie viele kommen werden. Das Interesse freut uns alle natürlich umso mehr. 

Wird es auch 2021 eine gemeinsame Besprechung geben? 

Davon kann man ausgehen, eventuell dann im Wechsel in Olching

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