Vor lauter Grün sieht man den Beton fast nicht mehr: Diese Hochhäuser in Italien sind extreme Beispiele, aber auch in Olching sollte man mehr Mut wagen, finden jedenfalls die Grünen. 	Foto: dpa
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Vor lauter Grün sieht man den Beton fast nicht mehr: Diese Hochhäuser in Italien sind extreme Beispiele, aber auch in Olching sollte man mehr Mut wagen, finden jedenfalls die Grünen.

Stadtplanung

Pflanzen am Bau: Grüne träumen von Olching als Schwamm

  • Kathrin Böhmer
    VonKathrin Böhmer
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Die Grünen stellen sich ein Olching vor, das in die Höhe wächst statt in die Breite. Pflanzen sollen sprießen, wo es möglich ist, damit Regenwasser versickern kann.

Olching – Allerdings ist auch klar: Die Nachverdichtung bringt Probleme mit sich. In die Höhe bauen ist nicht immer möglich, weil nicht genügend vorgeschriebene Parkplätze geschaffen werden können. Die Grünen haben dafür aber einen Plan.

Auf dem Tisch im Rathaus liegt ein Prospekt, der die grüne Vision verdeutlicht: Darin sind zugewachsene Gebäude zu sehen, Pflanzen statt Beton. Wie der „Bosco Verticale“ (senkrechter Wald) in Mailand. Es ist für Olching eher visionär als realistisch. Aber eines wird beim Sommerpressegespräch mit den Fraktionsmitgliedern Ingrid Jaschke, Michael Maier und Heide Kuckelkorn deutlich: Die Zeit der Träumerei ist vorbei. „Man muss jetzt alles tun, was möglich ist“, sagt Jaschke.

Jüngstes Negativ-Beispiel

Im Stadtrat fehle es noch an Mut. Ein Beispiel sei die Satzung zur Gestaltung von Olchings Dachgauben und –terrassen. „Es kann nicht sein, dass man diese entweder bepflanzen oder Photovoltaikanlagen errichten muss. Wir wollen beides“, erklärt Jaschke. Wie auch Stefan Eibl (FWO) im Stadtrat bemerkt habe, sei dies technisch nicht nur machbar, sondern sogar sehr effizient. Ein entsprechender Vorstoß war aber nicht von Erfolg gekrönt. Es blieb bei entweder Grün oder Photovoltaik.

Dabei sei Dach- und Fassadenbegrünung als Ersatzfläche für die Versiegelung gerade hinsichtlich des Klimawandels sehr wichtig. Olching mit seinen 28 500 Einwohnern müsse zur „Schwammstadt“ werden. Sprich: Es muss soviel Regenwasser wie möglich aufgesaugt werden. Nach der Flutkatastrophe ist Jaschke überzeugt: „Jetzt müsste eigentlich bei jedem ein Licht aufgegangen sein.“

Ihr Fraktionskollege und Umweltreferent Michael Maier, im Stadtrat eher stumm, wird umso deutlicher: „Man muss den Leuten jetzt Vorschriften machen.“ Es könne nicht sein, dass Satzungen zur Vermeidung von Steinwüsten scheitern, weil man um die persönliche Entscheidungsfreiheit einzelner fürchtet.

Beim Sommerpressegespräch: (v.l.) Michael Maier (sprach über Energie/Umwelt), Heide Kuckelkorn (ihr Herzensanliegen ist das Rathaus) und Fraktionssprecherin Ingrid Jaschke, die sich den Themen Bauen und Stadtentwicklung widmete.

Was die Versiegelung generell angeht, gibt es bereits eine eindeutige Ansage und auch Konsens im Stadtrat. Der neue Flächennutzungsplan soll diese eindämmen. „Wir können das exorbitante Wachstum grundsätzlich nicht aufrechterhalten“, sagt Jaschke. Der Zuzug sei derzeit nicht mehr so groß wie früher, Gewerbeflächen seien ausreichend geschaffen worden beziehungsweise mit dem Bauabschnitt III in Geiselbullach geplant. Der alte Plan biete aber immer noch genügend Flächen an. Der Wunsch der Grünen: Bevorzugt nach innen verdichten – und in die Höhe bauen, allerdings mit Augenmaß.

Doch ganz so einfach ist das nicht. „Es gibt zunehmend ein Parkproblem.“ Der Stellplatzschlüssel sei in dieser Form nicht aufrechtzuerhalten. „Wir können uns nicht mehr leisten, nicht in die Höhe zu bauen wegen Parkplätzen“, erklärt Jaschke. Jüngstes Beispiel sei ein geplantes Gebäude an der Pfarrstraße.

Satzung an Quartier anpassen

Maier moniert, dass hier nicht geprüft wurde, ob Duplex-Garagen möglich wären. Diese lässt die Stellplatzsatzung in Ausnahmefällen nämlich zu. Keine neue Kritik: Die CSU hatte sie bereits im Stadtrat geäußert. Allerdings weiß Maier auch: Duplex-Garagen sind nicht das Allheilmittel. „Sie verleiten die Leute dazu, nicht darin zu parken.“

Derzeit schreibt das Regelwerk für Parkplätze aus dem Jahr 2018 vor, dass Bauherren bei einer Wohnfläche bis zu 70 Quadratmetern einen Stellplatz schaffen müssen, bei mehr Wohnfläche zwei. Jaschke würde dies gerne reduzieren: Generell ein Stellplatz pro Wohneinheit. Außerdem wünscht sie sich eine quartiersbezogene Vorschrift. Sprich: Fußläufigkeit zum Bahnhof, gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten oder geförderter Wohnungsbau werden einbezogen. Auch Car-Sharing-Modelle seien vorstellbar.

Absolut tabu sollte es hingegen in Zukunft sein, in Überschwemmungsgebiete zu bauen. „Es ist also ein absoluter Irrsinn, weiterhin an der Südwestumfahrung festzuhalten“, erklärte Jaschke.

Wie geht es mit dem Rathaus weiter?

Heide Kuckelkorn spricht beim Pressegespräch ein Dauer-Projekt der Grünen an: Was ist mit dem Rathaus? Das Bauwerk aus den 70er-Jahren sei eine Zumutung für die Mitarbeiter. „Im Winter ist es zu kalt, im Sommer zu heiß.“ 2020 wurde das Ergebnis eines von den Grünen angestoßenen Gutachtens im Hauptausschuss vorgestellt, seitdem sei aber nichts passiert. Immerhin: Es konnten keine gesundheitsgefährdenden Schadstoffe nachgewiesen werden. 2021 hätte sich der Stadtrat in seiner Klausurtagung eigentlich mit dem Thema beschäftigen sollen, diese fiel aber pandemiebedingt flach.

Das Rathaus in Eching, das man sich damals zum Vergleich angeschaut hatte, sei mittlerweile saniert, so Kuckelkorn. „In Olching haben wir immer noch keine Ideen.“ Sie wünscht sich zumindest eine ehrliche Analyse. Die Tendenz im Stadtrat gehe aber wohl eher in Richtung Neubau. Derzeit werde aber erst einmal geplant, Container als zusätzliche Büroräume auf das Flachdach zu stellen gar

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